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Veröffentlicht von Redaktion "BÖRSE am Sonntag" am 29.08.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 29.08.2010:

Börsenbrief BÖRSE am Sonntag
BÖRSE am Sonntag

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

Ratingagenturen – Nur Hilfe oder auch Gefahr?

Schon seit Jahrzehnten beschäftigen sich Ratingagenturen mit der Beurteilung der Bonität von Emittenten. In der letzten Zeit sahen sich diese privaten Unternehmen einer teilweise massiven Kritik ausgesetzt. Immer häufiger stellen sich nicht nur Finanzexperten und Politiker, sondern auch viele Anleger daher die Frage, ob die Bewertungen der Ratingagenturen eine Hilfe sind oder ob - nicht ausreichend objektive - Ratings sogar eine Gefahr darstellen können.

Die Hauptaufgabe der Ratingagenturen besteht darin, die Kreditwürdigkeit von Institutionen objektiv zu beurteilen, die als Emittenten im Wertpapierbereich auftreten. Dabei handelt es sich sowohl um Privatunternehmen und Banken als auch um Gebietskörperschaften und Staaten. Der Nutzen für den Anleger soll eigentlich darin bestehen, dass er anhand des erfolgten Ratings auf einen Blick erkennen kann, wie hoch die Kreditwürdigkeit des Emittenten einzuschätzen ist, um so das Anlagerisiko beurteilen zu können. Voraussetzung dazu ist jedoch, dass die Ratingagenturen objektiv bewerten. Zudem muss der Zugang zu allen zur Bewertung relevanten Fakten und Daten vorhanden sein. Beides stand seit der Finanzkrise zunehmend in der Diskussion, zumal einige Vorfälle darauf hindeuten, dass Ratingagenturen bereits Fehleinschätzungen von nicht geringem Ausmaß vorgenommen haben. Kritikpunkte So wurden Unternehmen mit sehr guten Rating-Scores wie AAA bewertet, jedoch zeigten sich dann in der Praxis erhebliche Mängel in der Bonität dieser Unternehmen. Konkret wird den Ratingagenturen zum Beispiel vorgeworfen, dass die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers noch wenige Tage vor der Bekanntgabe der Insolvenz ein Rating von A bzw. A+ (sicherer Emittent) vorweisen konnte. Zudem sollen die Ratingagenturen vor einigen Monaten für Verwerfungen an den Anleihemärkten gesorgt haben, indem sie Emittenten wie Spanien oder Portugal verfrüht herabgestuft hätten. Dies zeigt auch die große Marktmacht der Agenturen, die vielen Kritikern ein Dorn im Auge ist. Politiker haben die Möglichkeit einer unabhängigen europäischen Behörde als Gegengewicht zu den drei großen Agenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch Ratings ins Gespräch gebracht. Ein weiterer zentraler Kritikpunkt an den Ratingagenturen besteht zudem darin, dass es die Emittenten selbst sind, die die Agenturen mit Bewertungen beauftragen. Der Auftraggeber bezahlt also die Agentur für die Notenvergabe, woraus ein Interessenkonflikt entstehen kann. Insofern können Ratingagenturen mit ihrem Rating nicht nur eine Hilfe sein, sondern auch eine Gefahr darstellen. Schneller Überblick Der Vorteil der Ratingagenturen besteht indes darin, dass der Anleger anhand der Bewertung des Emittenten beurteilen kann, ob das geplante Investment bezüglich des Emittentenrisikos als sicher oder eher als spekulativ einzuschätzen ist. So soll er zum Beispiel erkennen können, ob eine argentinische Staatsanleihe ein höheres Risiko beinhaltet als eine von Südafrika begebene Staatsanleihe. Ohne Rating würde ihm ein Urteil sicher schwerer fallen. Allerdings sollte man sich nicht ausschließlich auf dieses Rating verlassen, das lediglich das Ausfallrisiko bewertet. Bei einem Finanzprodukt können neben diesem Emittentenrisiko noch weitere Risiken bestehen, wie etwa Kurs-, Zins- und Währungsrisiken. Die drei großen Agenturen Wie bereits erwähnt, sind Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch Ratings die drei großen und einflussreichen Agenturen. Standard & Poors Corporation (S&P) wurde im Jahre 1941 gegründet und hat ihren Hauptsitz in New York. Die Firma ist ein Tochterunternehmen der McGraw-Hill Companies Inc., einem amerikanischen Medienkonzern. S&P beschäftigt sich hauptsächlich mit der Analyse und der Bewertung von Unternehmen. Bekannt ist S&P zudem für die Veröffentlichung eines der inzwischen wichtigsten Aktienindizes in den USA, dem S&P 500 Index sowie weiterer Aktienindizes. Auch Moody`s Investors Service, besser bekannt als Moody’s, hat den Firmensitz in New York. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahre 1901. Es gehört zur, von der USamerikanischen Finanzaufsicht anerkannten, Rating Agentur Moody`s Corporation. Fitch Ratings gehört zum französischen Finanzkonzern Fimalac-Holding. Die Firma unterhält Hauptniederlassungen in New York und London und ist insgesamt weltweit an 50 Standorten vertreten, unter anderem auch in Deutschland mit Sitz Frankfurt am Main. Das Bewertungssystem im Überblick Inhaltlich sehen die Ratingagenturen verschiedene Unterlagen und Kennzahlen des zu bewertenden Emittenten ein und bewerten diese. Dabei berücksichtigen sie sowohl quantitative Faktoren, wie etwa die Bewertung der wirtschaftlichen Verhältnisse anhand der Bilanz oder der Gewinn- und Verlustrechnung, als auch qualitative Faktoren. Dazu zählen beispielsweise die Qualität des Managements und der Aufbau des Controllings. All diese Fakten dienen den Ratingagenturen dazu, sich ein abschließendes Urteil über die Bonität des Emittenten zu bilden. Das Bewertungssystem selbst beinhaltet unterschiedliche Noten, die sich von der Art der Darstellung her zwischen den Ratingagenturen etwas unterscheiden. Standard & Poors (S&P) verwendet eine Buchstabenkombination. Das Bewertungssystem beinhaltet Ratingcodes von AAA bis D. Die bestmögliche Bewertung ist AAA, auch unter der Bezeichnung Triple-A bekannt. Bei einem Emittenten mit Triple-ABewertung geht S&P von einem Ausfallrisiko gleich null aus. Basierend auf dieser Bestnote folgen verschiedene Abstufungen hinsichtlich der Bonität, beginnend bei AA+ bis A-, über die Skala von BBB+ bis B- und CCC+ bis C, bis hin zur schlechtesten Bewertung, dem D. Bei allen Finanzprodukten von Emittenten, die ein Rating mit A beginnend bekommen, ist von einer sicheren Anlage auszugehen. Ab der Bewertung BB+ wird der Emittent bzw. dessen Produkt bereits als spekulativ eingestuft, während ab dem Rating CCC+ schon von Ausfällen ausgegangen wird, wenn keine besonders günstige Entwicklung eintritt. Wird ein Emittent mit D bewertet, bestehen bereits Zahlungsausfälle. Vom Aufbau her ist das Rating von Fitch der Bewertungsstruktur von S&P ähnlich, nur im Bereich der C-Bewertung (Zahlungsschwierigkeiten) erfolgt bei Fitch im Gegensatz zu S&P keine Differenzierung mehr nach CCC+ bis C. Außerdem können noch Zusätze wie + oder – hinzugefügt werden. Damit soll die relative Position eines Ratings innerhalb einer Kategorie verdeutlicht werden. Bei Ratings der Kategorie Aaa und bei Ratings unterhalb der Kategorie B kommen diese Zusätze jedoch nicht zum Einsatz. Das Rating bei Moody`s reicht von Aaa (Schuldner höchster Qualität) bis zu C (in Zahlungsverzug).

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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