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Veröffentlicht von Redaktion "BÖRSE am Sonntag" am 19.07.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 19.07.2009:

Börsenbrief BÖRSE am Sonntag
BÖRSE am Sonntag

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

Intel macht Hoffnung

Wieder einmal schaffte es die weltweite Nummer eins unter den Computerchipherstellern gute Stimmung zu verbreiten. Bessere Zahlen als erwartet, vor allem aber der zuversichtliche Ausblick, gaben jüngst den Hoffnungen auf eine allmähliche Erholung in der Technologiebranche neue Nahrung.

Firmenlenker Paul Otellini sprach bei Vorlage der Ergebnisse von verbesserten Bedingungen auf dem PC-Markt. Wegen seiner Größe und der führenden Position, etwa vier von fünf Prozessoren stammen aus dem Hause Intel, waren Zahlen und Ausblick aber nicht nur gute Nachrichten für den Technologiesektor. Der Konzern produziert neben Prozessoren für PCs, Notebooks, Netbooks und Server auch Grafikchips, Chipsätze für Mainboards, WLAN und Netzwerkkarten, Flash- Speicher sowie sogenannte Embedded CPUs, also kleine „elektronische Gehirne“ zur Steuerung verschiedenster Anwendungen. Immer mehr Dinge des täglichen Lebens werden heute von Computern gesteuert, sodass der Verbrauch von Prozessoren und Chips und damit die Geschäftszahlen von Intel auch immer mehr zu einem wichtigen Gradmesser für die gesamte Wirtschaft werden.  


Überzeugende Zahlen

Die jüngst vorgelegten Ergebnisse wussten somit zu überzeugen, ist das Geschäft im zweiten Quartal 2009 doch stärker angesprungen als erwartet. Selbst die von der EU verhängte Rekordbuße konnte daran kaum etwas ändern, auch wenn Intel dadurch in die roten Zahlen rutschte und den ersten Quartalsverlust seit 22 Jahren verbuchte. Während im Vorjahreszeitraum noch 1,6 Mrd. US-Dollar Gewinn erzielt werden konnten, fiel nun unter dem Strich ein Verlust von 398 Mio. US-Dollar an. Die Strafzahlung, die die europäischen Wettbewerbshüter verhängten, weil Intel ihrer Einschätzung nach versucht hatte, mit illegalen Zahlungen und Rabatten den kleineren Rivalen AMD auf unerlaubte Weise auszubremsen, schlug dabei mit 1,45 Mrd. US-Dollar negativ ins Kontor. Ohne diesen negativen Sondereffekt hätte Intel 1 Mrd. US-Dollar verdient und damit zwar 552 Mio. US-Dollar weniger als vor einem Jahr, aber 420 Mio. US-Dollar mehr als im Auftaktquartal 2009. Das bereinigte Ergebnis je Aktie (EPS) erreichte 0,18 US-Dollar, nach 0,28 US-Dollar im Vorjahr und 0,11 US-Dollar im ersten Jahresviertel. Operativ sah es ähnlich aus und auch hier prägte die Strafzahlung die Ergebnisse. Inklusive rutschte das operative Ergebnis von plus 2,26 Mrd. US-Dollar auf minus 0,12 Mio. US-Dollar ab. Bereinigt fiel der Rückgang binnen Jahresfrist von etwa 2,2 auf 1,4 Mrd. US-Dollar schon weniger dramatisch aus. Zudem zeigt auch hier die Tendenz zum Auftaktquartal, als 612 Mio. US-Dollar operativer Gewinn anfiel, klar nach oben.


Zuversicht

Eine Entwicklung, die sich auch beim Umsatz manifestierte. Zwar lag er ebenfalls mit 8,02 Mrd. US-Dollar 15% unter Vorjahresniveau, aber 12% über den Erlösen zu Jahresbeginn. Für das laufende dritte Quartal geht der Vorstand von einer weiteren Erholung auf 8,1 bis 8,9 Mrd. US-Dollar aus. Die Schnelligkeit der Erholung überraschte positiv und das Wiedererstarken des Konzerns ist wohl teilweise den stromsparenden „Atom-Chips“ geschuldet, die derzeit vor allem in den beliebten Netbooks eingesetzt werden. Dies sind kleine abgespeckte Notebooks, die vor allem für den mobilen Internetzugang konzipiert wurden. Die steigenden Ergebnisse zum ersten Quartal, die laut Vorstand das stärkste Wachstum seit 1988 für diese Periode zeigten, sowie die verbesserten Bedingungen auf dem PC-Markt lassen Intel somit insgesamt zuversichtlich nach vorn blicken, und der Konzern rechnet mit einem stärkeren zweiten Halbjahr.


Ausbau des Geschäfts

Firmenchef Otellini verwies ferner auf die Strategie, in neue Technologien und Produkte zu investieren und gleichzeitig die Effizienz zu erhöhen und die Kosten zu senken, die weiter konsequent umgesetzt wird und auch Früchte trägt. So ging der Konzern beispielweise zuletzt mit dem Handybauer Nokia eine strategische Partnerschaft ein. Beide wollen gemeinsam eine neue mobile Geräteklasse für das Internet entwickeln. Die Plattform soll dabei jenseits der heutigen Smartphones und Notebooks angesiedelt sein. Details zu den Produkten und dem Marktstart nannten die Unternehmen nicht. Intel, derzeit vor allem führend bei Prozessoren für PCs, Notebooks, Netbooks und Server, scheint damit nun auch richtig in die Offensive im Segment der Handy-Chips zu gehen, in dem man sich bislang nicht behaupten konnte. 2006 verkaufte die Gesellschaft sogar ihre damalige Mobilfunksparte, kündigte vor einem Jahr aber den Wiedereinstieg in das rasant wachsende Geschäft an. Daneben baut der Konzern sein Geschäft mit maßgeschneiderten Chips weiter aus und kündigte zuletzt den Kauf des Softwareanbieters Wind River Systems für insgesamt rund 884 Mio. US-Dollar an. Wind River Systems ist den Angaben zufolge Spezialist für sogenannte Embedded Systems, kleine „elektronische Gehirne“, die speziell auf bestimmte Geräte abgestimmt sind. Auch hier dürften die stromsparenden „Atom-Chips“ neue Anwendungsgebiete erschließen. Die beiden Beispiele zeigen, dass Intel seine Kompetenzen, aber auch die finanzielle Stärke nutzt, um in weitere vielversprechende Geschäftsfelder vorzustoßen. Für Zukäufe sowie Forschung und Entwicklung wurde die Ausgabenprognose für das Gesamtjahr von 10,4 bis 10,6 auf 10,6 bis 10,8 Mrd. US-Dollar angehoben. Daneben scheinen auch die schnellen und konsequenten Maßnahmen zur Kostensenkung, wie Werksschließungen und die Streichung tausender Stellen, den gewünschten Erfolg gehabt zu haben.


Fazit

Zwar hatte Intel zuletzt angedeutet, dass das Schlimmste überstanden ist, mit der Schnelligkeit der Erholung im zweiten Quartal hatte jedoch kaum jemand gerechnet. Es gab also eine dicke positive Überraschung. Die erste Reaktion des Aktienkurses war entsprechend positiv. Möglicherweise ist dies die Initialzündung für weiter steigende Notierungen. Denn auch charttechnisch sieht es vielversprechend aus. Die Aktie hat ihren Aufwärtstrendkanal der vergangenen Wochen nach oben verlassen und die horizontale Hürde bei 18,05 US-Dollar geknackt, weshalb nun spekulative Long-Positionen in Erwägung gezogen werden können. Aber auch langfristig ist das Papier vielversprechend. Intel als Marktführer bei Chips und Prozessoren hat die Kompetenz sowie genügend finanziellen Spielraum, um das eigene Geschäft auszubauen und durch weitere lukrative Felder zu ergänzen. Daher dürfte wohl auch künftig kaum ein Weg an den Produkten des Konzerns vorbeigehen, und er sollte profitabel wirtschaften und auch weiter wachsen. Zudem dürfte er von einer umfangreichen Erholung der Chipindustrie besonders profitieren. Möglicherweise ist daher nun auch für langfristige Investoren die Zeit gekommen, erste Stücke einzusammeln.  


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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