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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 31.07.2015

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 31.07.2015:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Heftige Schwankungen dank China und Q-Zahlen

Eine ereignisreiche Woche neigt sich dem Ende. Während ich am Montag noch einen China- und Fed-induzierten Crash fürchtete, legten sich die Sorgen schon schnell am Dienstag und ich konnte mich mit unzähligen Quartalsergebnissen beschäftigen. Heute, kurz vor dem Ende der Woche, kommt nun der IWF und bringt Griechenland wieder in die Schlagzeilen. Schauen wir uns die verschiedenen Sommerthemen also mal im Schnelldurchlauf, weil so viele, an.

China:

Steigende Kurse wurden befohlen, das heißt aber nicht, dass die Probleme in China gelöst sind. Im Gegenteil, Anlegern sitzt der Schock des Juni-Ausverkaufs noch in den Knochen und zu Beginn der Woche erlebte der Shanghai Index der chinesischen A-Aktien den größten Kurseinbruch seit acht Jahren: -8%, doch ein Großteil der Aktien wurden im Tagesverlauf vom Handel ausgesetzt, so dass das wirkliche Minus noch viel größer ausgefallen sein dürfte.

Chinesen sind als Zocker bekannt und nach 150% Plus in den vergangenen zwölf Monaten gibt es noch immer viele, die nun ihre Positionen auflösen wollen. Da hilft es auch nicht, wenn Unternehmen der Verkauf von Beteiligungen untersagt wird oder wenn eine Vielzahl von Traderaccounts, vorzugsweise von Shortseller, gesperrt werden.

Wenn wir uns den langfristigen Chart des Shanghai Index anschauen, dann sehen wir den Hype im Oktober 2007, der den Index auf 6.000 Punkte führte, den anschließenden Ausverkauf auf 1.700 Punkte binnen nur zwölf Monaten und den erneuten Anstieg des Index auf 5.150 Punkte im Juni dieses Jahres.

Der Ausverkauf seit Mitte Juni, der den Index diese Woche auf 3.666 Punkte führte, ist in meinen Augen noch nicht zu Ende. Auch China unterliegt den Kräften des Marktes, wenngleich diese kurzfristig durch die kommunistische Regierungspartei ausgehebelt werden können. Ein künstlich hohes Kursniveau lässt sich nicht auf Dauer halten.
 

Die Frage, die im Raum steht, lautet:

Wird ein Aktienmarkteinbruch zu einer konjunkturellen Schwäche in China führen? Oder ist der Aktienmarkteinbruch nur die Folge der sich abschwächenden Konjunktur in China? Normalerweise ist der Aktienmarkt ein vorauslaufender Indikator, so dass ich von einer anhaltenden Schwäche bei Chinas Wirtschaft ausgehe. "Schwäche" heißt in diesem Zusammenhang jedoch lediglich ein Abschied von den 7% Wachstumsraten, vielleicht Richtung 4-5%, was für westliche Verhältnisse noch immer viel ist.

Was aber aktuell erst einmal zu einer Reduzierung der Erwartungen bei Analysten und Unternehmen führt. Die Konjunkturlokomotive heißt schon lange nicht mehr China und noch nicht USA. Wir werden uns mit mäßigen Wachstumsraten abfinden müssen.
 

Fed-Chefin zufrieden 

In den USA ist Fed-Chefin Janet Yellen mit den aktuellen Entwicklungen der US-Wirtschaft zufrieden und stellt weiterhin eine erste Zinsanhebung für das laufende Jahr in Aussicht. Die meisten Volkswirte, so auch ich, erwarten diese für September, einige hoffen noch auf eine Verschiebung auf Dezember.

In ihrem Statement nach der jüngsten FOMC-Sitzung am Mittwoch Abend spricht Yellen von einem gesundenden Arbeitsmarkt und einem sich normalisierenden Finanzsektor. Lediglich internationale Entwicklungen können die Gesundung, und damit die baldige erste Zinsanhebung, noch vereiteln, so lese ich zwischen den Zeilen des Statements.

Während der DAX auf den Einbruch in China noch mit einem kräftigen Minus von 2,5% reagierte und am Abend knapp über 11.000 Punkte landete, konnte das Fed-Statement keine besondere Reaktion mehr auslösen. Es scheint mir, die Märkte sind auf die erste Zinserhöhung der Fed, sei es im September, sei es erst im Dezember, vorbereitet.
 

Nachfrage wird leiden 

Also zurück zu China. Was bedeutet es, wenn sich das Wachstum in China weiter verlangsamt? Nun, die Nachfrage nach deutschen Exportgütern wie Produktionsmaschinen und Autos wird leiden. Nach einigen hervorragenden Jahren blicken die deutschen Autobauer denn auch bereits deutlich skeptischer ins nächste Jahr. Die Kursanstiege der Automobilzulieferer haben schon vor einigen Monaten geendet.

Und auch der Maschinenbau dürfte unter einer vorsichtigeren Investitionstätigkeit in China leiden.

Entsprechend haben wir diese Woche unser Portfolio umgebaut und werden es weiter tun, damit wir von einer eventuellen chinesischen Wirtschaftsschwäche nicht beeinträchtigt werden. Ich halte es jedoch für unwahrscheinlich, dass Konjunkturprobleme in China die weltweit angelaufene Konjunkturerholung in Frage stellen. Natürlich baut ein Teil der Weltwirtschaft auf Wachstum in China, doch es gibt genügend andere Bereiche, die unabhängig von China wachsen: Biotech, der Finanzsektor, nationaler Einzelhandel und Wachstumsunternehmen werden meiner Einschätzung nach auch in den kommenden Monaten gefragt sein.

Einige der Unternehmen, die unabhängig von chinesischen Problemen wachsen, haben diese Woche gute Quartalszahlen vorgelegt: Bayer konzentriert sich auf Pharma und Agrar und kommt in diesem Prozess schneller voran als geplant. Lufthansa profitiert vom billigen Ölpreis und erzielt endlich mehr Gewinn. Die Deutsche Bank freut sich über ein gutes Investmentgeschäft, doch der neue Vorstandschef John Cryan ist eher unzufrieden mit seinem Unternehmen und kündigt harte Einschnitte und Sparmaßnahmen an. Airbus und Siemens profitieren vom schwachen Euro und Heidelberg-Cement expandiert durch die Übernahme von Italcementi in Südeuropa, wo für die kommenden Jahre eine Erholung nach der Eurokrise erwartet wird.
 

Berichtsaison in den USA

In den USA ist die Berichtssaison wesentlich durchwachsener, wobei zweistellige Kurssprünge nach oben oder nach unten in Folge von positiven oder negativen Überraschungen an der Tagesordnung sind. Twitter, Yelp und alles was mit Smartphones zu tun hat wurde ausverkauft. Samsung verliert Marktanteile an Apple und Apple verkaufte weniger iPhones als erwartet, also muss der Smartphonemarkt gesättigt sein, so die Schlussfolgerung der Anleger. Twitter gibt endlich Probleme zu, hat aber keine Ahnung, wie diese gelöst werden können - gleiches gilt für Yelp. Whole Foods beklagt ein sich verschlechterndes Image als überteuert und startet eine Billig-Kette mit deutlich kleineren Gewinnmargen. Auch diese Aktie wurde ausverkauft.

Auf der anderen Seite feiern Priceline und Expedia Erfolge im Reisemarkt, Amgen und Regeneron überzeugen im Biotech-Sektor und Einzelhändler wie Under Armour, Sketchers und Starbucks begeistern durch gute Produkte mit hoher Gewinnmarge.

Die Gewinner dieser Berichtssaison werden wir uns in den kommenden Wochen näher anschauen. Wenn der Sommer weiter so schwankungsanfällig bleibt werden wir noch ausreichend Gelegenheit haben, unser Portfolio entsprechend umzustrukturieren und ein paar der Gewinner dieser Berichtssaison zu günstigen Preisen einzukaufen.

Doch da will man sich gerade von der Geopolitik abwenden, denn der berüchtigte Sack Reis, der in China umfällt, kümmert hier inzwischen kaum jemanden mehr und die Fed scheint den Markt vor Überraschungen bewahrt zu haben, da kommt Griechenland wieder in die Schlagzeilen: Der IWF lässt verlauten, dass Griechenland weder die politische Stabilität noch die erforderlichen Strukturen habe, um die notwendigen Strukturveränderungen durchzuführen, die als Voraussetzung für ein neues Hilfsprogramm gelten. Zudem sei ein Hilfsprogramm ohne Schuldenschnitt nicht möglich,so der IWF in einer Stellungnahme. Schäubles Grexit-Alternative kommt wieder in den Sinn.

Schauen wir nun einmal, wie sich die wichtigsten Indizes im Wochenvergleich entwickelt haben:

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES



Chinas Probleme haben insbesondere in der Exportnation Deutschland Spuren hinterlassen, der DAX ist um 2,2% nach unten gesackt während Dow Jones und Nikkei fast unverändert blieben.

Die nunmehr gestiegene Wahrscheinlichkeit einer ersten Zinsanhebung durch die US-Notenbank noch im laufenden Jahr stützt den US-Dollar, entsprechend gab der Euro ein wenig ab.

Ein fester Dollar gemeinsam mit drohenden Konjunkturproblemen in China sorgen für einen anhaltenden Ausverkauf an den Rohstoffmärkten, die Preise purzeln weiter. Der Ölpreis ist um weitere 4,6% auf 52,72 USD/Fass Nordseeöl gefallen. Das Western Texas Intermediate (WTI) Öl steht bei 47 USD/Fass und ist nur noch einen Wimpernschlag vom Tief aus dem April dieses Jahres bei 43 USD/Fass entfernt. Ich gehe davon aus, dass diese Marke nochmals getestet jedoch nicht unterschritten wird.

Chinesen kaufen weniger Gold, hat das World Gold Council diese Woche bekannt gegeben. Und in China gibt es traditionell die größte Nachfrage nach Gold als Schmuck. Aufgrund der Konjunktursorgen halten sich die Chinesen zurück, der Goldpreis fällt.

Analysten erwarten ein Unterschreiten der 1.000 USD/Oz-Marke, einige sprechen sogar von Preisen deutlich unter 800 USD/Oz im Rahmen eines heftigen Ausverkaufs. Minenaktien sind in einem solchen Szenario nach wie vor kolossal überbewertet, ich mahne zur Vorsicht.

Gold hat nach wie vor seine Funktion als Versicherung im Portfolio und wer noch keines hat, der sollte auf dem aktuellen Niveau eine paar Unzen einsammeln und sich bereit halten, im Falle eines heftigen Ausverkaufs nochmals nachzukaufen.

Schauen wir uns mal an, wie sich das Sentiment der Anleger entwickelt hat.
 

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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