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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 15.10.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 15.10.2010:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Hard - und Software gehört zusammen

Zurzeit geht es rund an der Börse. Aber richtig rund! Was Sie über den DAX in der Tagespresse lesen, spiegelt die Vorgänge auf dem Parkett kaum wider. Denn während der DAX um 2,9% im Wochenvergleich angestiegen sein mag, sind die Finanzaktien in diesem Zeitraum kräftig eingebrochen. Aktien des privaten Bildungsbereichs in den USA sind ebenfalls eingebrochen, Apollo um schlappe 30%. Der Oktober scheint zur Stunde der Wahrheit für viele Unternehmen zu werden. Und, wie ich gleich zeigen werde, es lohnt sich mal wieder der Blick ins Detail – so anstrengend das auch sein mag.

Gutes tun wollen und Gutes tun sind zwei paar Schuhe Beginnen wir mit Apollo, dem größten Anbieter privater Bildungschancen in den USA. Wer kann es sich leisten, sein Privatvermögen in die Bildung zu investieren? Die Reichen!, würden Sie sagen. Doch ein noch besserer Kunde als die Reichen ist der Staat. Das hat zumindest Apollo so gesehen und richtete daher das Geschäftsmodell darauf aus, möglichst gerade diejenigen zu gewinnen, die auf staatliche Hilfe in Form von günstigen Krediten (Sallie Mae!) hoffen konnten. Damit wurde dann sogar auch das soziale Klischee bedient, auch den sozial schwächer gestellten eine gleichwertige Bildungschance zu verschaffen. Apollo half bereitwillig bei der Beantragung der Studienkredite und perfektionierte den Umgang mit Sallie Mae, dem quasi-staatlichen Kreditinstitut für Studentenkredite. Sallie Mae klingt nicht nur so ähnlich wie Fannie Mae und Freddie Mac, es ist auch ein ähnlich strukturiertes, staatlich gefördertes Institut. Studienkredite, die von Apollo unter Einhaltung der formellen Vorschriften vergeben wurden, übernahm Sallie Mae und hoffte auf die Rückzahlung der Kredite nach erfolgreichem Abschluss der Studenten. Doch wenn ein Unternehmen die Kreditvergabe und darüber dann auch den Gewinn optimiert, dann muss das nicht zwangsläufig zu einer hohen Studienqualität führen. Diejenigen also, die bei Apollo studierten, brachen häufiger ihr Studium ab oder, wenn sie denn erfolgreich einen Abschluss erzielten, landeten in relativ schlecht bezahlten Jobs. Die Rückzahlung der Kredite erfolgte bei weitem nicht in dem Maße, wie sich das Sallie Mae oder der Staat gewünscht hatten. Offensichtlich, und das ist nun meine Interpretation, zieht ein System, das insbesondere einen Schwerpunkt auf das Fernstudium gelegt hat, mangels persönlichem Kontakt eher diejenigen Studenten an, die an einer herkömmlichen Uni nicht aufgenommen wurden. Wer also zu bequem war, seinen Arsch zum Ort der Wissenschaft zu bewegen, der hat vom PC aus auch nicht gerade den Geist der Wissenschaft gespürt. Ja, ich weiß, das ist jetzt wieder sehr pauschal und ungerecht denjenigen gegenüber, die aufgrund anderer Verpflichtungen keine Möglichkeit haben, einige Jahre nichts anderes zu tun als zu studieren. Und ich finde es super, dass auch für diese Menschen Studiengänge, Fernstudien und ähnliches geschaffen werden. Aber daraus darf kein Mainstream werden, darauf darf keine Branche abgestellt werden. Der Königsweg ist und bleibt der persönliche Kontakt zwischen Studenten und Professoren, der persönliche Austausch im Gespräch zwischen den Studenten untereinander. Und daher darf man nicht alle Studenten in einen Topf werfen. Die Förderung, die sich die US-Regierung ausgedacht hatte, wurde von Apollo sehr stark zur eigenen Gewinnmaximierung genutzt. Sallie Mae konnte Jahr für Jahr aufgrund des ausgegebenen Kreditvolumens nachweisen, wie stark sich der US- Staat um die Bildung der Bevölkerung kümmert und Apollo vergab die Kredite freimütig an diejenigen, die gerne einen Abschluss erlangen wollten, hinsichtlich der Qualität der Bildung jedoch eher indifferent waren. Im Rahmen der Krise um Fannie Mae und Freddie Mac (Immobilienkrise) hat die US-Regierung auch die Kreditvergabe für Sallie Mae (Studentenkredite) überarbeitet. Nur 10% der Finanzierung von Universitäten dürfen über Studenten mit Sallie Mae Krediten erfolgen. Die Folge ist nun, dass Apollo wesentlich preissensiblere Kunden bekommt. Es muss mehr in die Qualität der Bildung investiert werden, und das führt natürlich zu schwindenden Umsätzen und Gewinnen. Gestern hat Apollo gemeldet, dass sich für das erste Halbjahr 2011 um 40% weniger Studenten einschreiben würden als im Vorjahr. Der Aktienkurs von Apollo (WKN 898968) ist von 36 auf 27 Euro eingebrochen. In meinen Augen ist das nur der Anfang vom Ende, denn nicht weniger als das Geschäftsmodell von Apollo ist in Frage gestellt. Als größte private Fernuni dürfte Apollos Problem richtungsweisend sein für die anderen Fernunis der USA. ITT Educational (WKN 893742, gestern -20%), DeVry (WKN 896425, gestern -20%), Strayer (WKN 903463, gestern -12%) und Capella (WKN A0F43N, gestern -17%) bauen allesamt auf ein ähnliches Geschäftsmodell auf. Und das sind bei weitem keine kleinen Bildungseinrichtungen. Die Marktkapitalisierung aller genannten Unis liegt bei über einer Mrd. US-Dollar. In Deutschland haben wir das BAföG. Es gibt unzählige Geschichten über die umständlichen Vergabevorschriften und die Notwendigkeit der Familien, ihre finanziellen Hosen vollständig herunter zu lassen. Das mag manches Mal als BAföG- Verhindungsprogramm bezeichnet werden, aber unterm Strich wird dadurch hier in Deutschland doch etwas verantwortungsvoller mit dem Darlehen umgegangen. Am Beispiel der USA sehen wir also wieder einmal, dass „Gutes tun wollen“ und „Gutes tun“ zwei unterschiedliche Dinge sind. Im Heibel-Ticker gehen wir nicht short und spekulieren auch nicht mehr an den US-Börsen. Daher belasse ich es bei dem Hinweis, dass der Kursrutsch bei diesen US-Bildungsträgern noch lange nicht beendet ist. Das Geschäftsmodell, die Art der Förderung, ist in Frage gestellt und es wird einige Zeit dauern, bis eine neue Förderung wieder zu sprudelnden Gewinnen bei Apollo und Co. führen kann. HP und SAP: Hard- und Software aus einer Hand Wissen Sie, warum Apple so erfolgreich ist? Nun, ich habe schon eine ganze Liste von Erfolgsfaktoren aufgezählt, denn immerhin befinden sich die Aktien seit April 2009, also seit knapp 130% Kursgewinn in unserem Portfolio. In insgesamt 84 Artikeln habe ich das Unternehmen von allen erdenklichen Seiten beleuchtet. Doch ich will heute ein weiteres Merkmal hervorheben: Bei Apple erhalten Sie Hard- und Software aus einer Hand. Das ist bei Intel nicht der Fall, das Unternehmen bietet nur Chips an. Doch Intel hat erkannt, dass mit reiner Hardware künftig kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist und erweitert daher das Angebotsspektrum um essentielle Softwarekomponenten, wie zuletzt den Virenschutz. Intel hat kürzlich den Anbieter von Virenschutzsoftware McAffee gekauft und arbeitet nun daran, den Schutz in die Chips zu integrieren. Datenbankanbieter Oracle hat letztes Jahr Sun Microsystems, den Anbieter von High-End Datenbankservern, gekauft. Damit kann nun auch Oracle die eigene Datenbank auf eigenen Rechnern liefern. Kunden haben keine Lust mehr auf das Verantwortungsgeschiebe zwischen Hard- und Softwareherstellern im Falle von Problemen. Oracle erfährt damit einen großen Vertrauensgewinn bei seinen Kunden. Das weltgrößte Softwarehaus hat es bereits mehrfach erfolgreich versucht, Hard- und Software aus einer Hand anzubieten. Mit dem mp3-Player Zune erlitt Microsoft eine herbe Niederlage. Auch die vielfachen Versuche, eigene Smartphones, eigene Tablet-PCs und ähnliches im Markt zu platzieren, sind gescheitert. Und der weltgrößte PC-Hersteller Hewlett-Packard (HP) kann sich ebenfalls nicht von seinem Image als Drucker und Laptopanbieter lösen. Die Gewinnmargen schrumpfen, die Hardware unterscheidet sich immer weniger von der Konkurrenz und der Preiskampf nimmt an Intensität zu. SAP ist der weltweit größte Anbieter von Unternehmenssoftware. Es ist ein Juwel der deutschen Wirtschaft, doch ich bin mir nicht sicher, dass dies noch lange so der Fall bleiben wird. Etwas, das ich im ersten Augenblick gar nicht so erkannt habe, wurde mir in den vergangenen Tagen durch einen Artikel vor Augen geführt: HP könnte Interesse an einer Übernahme von SAP haben. Warum sonst sollte der Hardware-Anbieter den Softwarespezialisten Leo Apotheker an seine Spitze geholt haben? Seitens SAP gibt es sogar schon Stellungnahmen zu dieser Spekulation. HP sei ein besserer Partner als beispielsweise Oracle, ist dort zu hören. Nun, das hört sich schon fast wie ein Eheversprechen an. Ich bin jedoch gespannt, ob SAP eigene Anstrengungen unternehmen wird, die Softwareorientierung aufzuheben. Die beiden Hauptpartner in Sachen Datenbank und Server sind nicht verfügbar, Oracle und Sun. Es gibt aber eine ganze Reihe von Hardwareherstellern, die ebenfalls eine Softwarekomponente gut gebrauchen könnten, nach denen SAP Ausschau halten könnte. Meiner Einschätzung nach dürfen wir also für die nächsten 12 Monate einiges an Turbulenzen um unser Vorzeigeunternehmen erwarten. Mit einem KGV von 17 bei einem Umsatzwachstum von 15% ist die Bewertung in Ordnung. Warten wir einmal ab, wer den nächsten Schritt unternimmt.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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