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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 03.02.2012

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 03.02.2012:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Facebook IPO wird das Event des Börsenjahres 2012

Wie viel ist Facebook wert? Und welches Preisschild wird für den Börsengang an Facebook gehangen? Zwei unterschiedliche Dinge, die ich hier kurz erläutern möchte.

Facebook hat inzwischen einen Marktanteil von 28% auf dem Markt für Werbebanner. Weit vor dem zweitplatzierten Yahoo! mit 11%, gefolgt von Microsoft und Google. Ja, Google hat kaum Werbebanner, Google dominiert bei Textanzeigen, die jedoch nicht so hohe Werbeeinnahmen bringen wie Banner.

Der Umsatz mit Werbebannern hat sich bei Facebook im vergangenen Jahr verdoppelt. Nicht von einer kleinen unbedeutenden Ziffer aus, sondern schon zuvor lagen die Einnahmen im Milliardenbereich. Es gibt nur wenige Unternehmen mit Milliardenumsätzen, die ihren Umsatz binnen Jahresfrist verdoppeln können. Und Facebook beginnt gerade einmal, die Umsatzmöglichkeiten mit den 800 Millionen Facebook-Nutzern auszuloten. Wer weiß, welche Einnahmequellen dem Unternehmen neben Werbebannern noch einfallen.

Inzwischen ist Facebook nicht mehr nur für Schulkinder hipp, sondern auch die ältere und konservativere Mittelschicht hat vielfach ein Facebook Account. Datenschutzprobleme sorgen zwar immer wieder für negative Schlagzeilen, doch letztlich möchte kaum jemand den Zug der Facebook-Gemeinde verpassen. Xing spürt schon den Atem von Facebook bei seinen Geschäftskontakten im Nacken.

Wie viel ist Facebook also wert? Nun, Mark Zuckerberg selbst hat bereits die 100 Mrd. USD Marktkapitalisierung als Ziel ausgerufen. Ich habe bereits eine Reihe von schlüssigen Bewertungsansätzen gesehen, die auf Werte zwischen 70 und 110 Mrd. USD kommen. Gehen wir also einmal der Einfachheit halber davon aus, dass die Zielgröße 100 Mrd. USD realistisch ist. Wie könnte nun der Börsengang (IPO) vonstatten gehen?

Seien Sie bitte nicht so naiv zu glauben, dass die Konsortialbanken (also die Banken, die den IPO organisieren und umsetzen) einen „fairen“ Wert für das Unternehmen ausrechnen und die auszugebenden Aktien mit einem entsprechenden Kurs versehen. Es gibt verschiedene Strategien, für die Banken und für Facebook, das Maximum aus dem IPO herauszuholen. Hier zwei

Beispiele:

1. Künstliche Verknappung: Der Wert wird auf nur 50 Mrd. USD taxiert, und am Tag des IPOs werden lediglich 5% der Anteile ausgegeben, die restlichen 95% der Aktien verbleiben bei den Altaktionären. Mit 50 Mrd. USD Marktkapitalisierung wird Facebook umgehend in diversen Indizes enthalten sein und jede Menge Fondsmanager werden Facebook Aktien kaufen müssen. Wenn dann aber nur 5% der Aktien ausgegeben werden, erhält jeder Kaufinteressent beispielsweise nur ein Viertel der Anzahl von Aktien, die er eigentlich haben wollte.

Institutionelle Anleger haben stets Zielgrößen für ihre Portfoliopositionen und müssen diese erreichen, sonst stimmt die Finanzmathematik des Portfolios nicht. Also müssen sie die fehlenden drei Viertel der Position nach dem IPO über den freien Markt kaufen, über die Börse. Da es aber kaum frei gehandelte Stücke gibt, wird der Preis durch diese Nachfrage umgehend in die Höhe katapultiert.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass bei diesem Vorgehen der Aktienkurs binnen weniger Stunden um 100% ansteigt und die „Zielgröße“ von 100 Mrd. USD Marktkapitalisierung erreicht wird. Wenn alles gut läuft für die Banken, schießt die Aktie sogar darüber hinaus.

Privatanleger bleiben in diesem Haifischbecken auf der Strecke, sie werden bei der IPO-Zuteilung kaum berücksichtigt und haben am Tag des IPOs kaum die Nerven, die Aktie mit einem Plus von 80% noch zu kaufen.

Sind die 100% Plus dann erreicht, also die Zielgröße, dann geben die Altaktionäre weitere Stücke in den Markt. Über Tage können dann zu diesen Kursen „eigene Aktien“ der Altaktionäre an die Börse strömen, die dort von der verrückt gewordenen Masse aufgesogen werden.

2. die Banken können auch gleich das Preisschild 100 Mrd. USD an Facebook hängen und gleich eine größere Anzahl an Aktien in den IPO geben. Dadurch würden dann auch Privatanleger einen Anteil an Facebook erhalten können, und auch institutionelle Anleger könnten von vornherein mit einer passenden Positionsgröße bedacht werden. Alle, die ein Interesse an Facebook Aktien haben, werden durch den IPO bedacht, der Börsenhandel ist anschließend schleppend, da die meisten Aktionäre die Aktien für einen längeren Zeitraum behalten möchten.

In den Finanzmedien wird der Erfolg oder Misserfolg eines Börsengangs am Kursplus des ersten Tages gemessen – leider.

Springt die Aktie also um 100% in die Höhe, dann war der IPO „erfolgreich“, geht die Aktie unverändert aus dem Rennen, so steht der Finanzpresse die Enttäuschung auf die Titelseite geschrieben.  Unberücksichtigt bleibt dabei, wie viele denn letztlich im Rahmen des IPOs Aktien zugeteilt bekamen.

Facebook hat nun bekannt gegeben, im Frühjahr an die Börse gehen zu wollen. Bitte entscheiden Sie sich nicht zu früh, ob Sie beim IPO dabei sein wollen oder ob Sie die Aktie kaufen müssen. Warten Sie bis zur Bekanntgabe der IPO-Konditionen und entscheiden Sie dann kurzfristig, ob diese Konditionen günstig sind oder nicht.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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