Energie, Telekom und Verkehr sollen nach einheitlicher Meinung die Zugpferde der europäischen Konjunktur werden.

Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 10.05.2012
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

Actien-Börse

In allen Fällen möglichst nicht schuldenfinanziert, aber in ihren Wachstumsperspektiven eingegrenzt. Dennoch: Die deutsche Energiewende dürfte dabei eine Sonderrolle spielen. Es ist die größte Baustelle der Nation. Es geht um Milliarden, die zurzeit in den Größenordnungen irgendwo zwischen 80 und 200 Mrd. € veranschlagt werden. Wer gewinnt und wer verliert daran?


 

Im europäischen Boomland Deutschland stürzten die Energieerzeuger seit der Zeit vor der Finanzkrise um rund 66 % ab. Der Tiefstpunkt wurde mit der Energie- wende unmittelbar nach der Nuklearkatastrophe in Japan erreicht. Erklärte Absicht ist: Rund die Hälfte der deutschen Energie-Erzeugung muss total umgebaut werden. Das ergibt sich in der Nettorechnung aus Abbau, Umbau und Neubau. Die alternative Energie wie Windkraft und Solar verlor in dieser Energiebaisse mehr als 80 %. 40 bis 50 % der zuvor aufgebauten Solarkapazitäten werden entweder ganz verschwinden oder müssen gleichfalls umgebaut wer- den. Die Förderpolitik erwies sich als schlicht falsch. Das ist die Ausgangslage für das größte Industrieland in Europa und im Vorfeld einer möglichen neuen Wachstumspolitik aller Euroländer nach französischem Gusto.

Diese Energie-Baisse steht im krassen Gegensatz zur Entwicklung sämtlicher anderer großen Bran- chen von Auto bis Telekom. Dabei ging man bislang davon aus, dass die Energiewende weitgehend privatwirtschaftlich finanziert werden kann. In der Tat:

Die Energiewende kostet rund 200 Mrd. € brutto. Die Nettoaufwendungen dürften in der Größe zwischen 120 und 140 Mrd. € liegen. Klar ist auch, dass die Grundlast-Energie nicht ersetz- bar ist. Dazu zählt nach dem Abbau der Kernenergie die klassische Energie-Erzeugung auf fossiler Basis. Der Anteil der erneuerbaren Energien wird am Ende 25 % bis 30 % nie überschreiten können. Andernfalls ist die Energieversorgung im Grundsatz gefährdet. Das bedeutet: Die klassische Energie- erzeugung muss umgebaut und die erneuerbare Energie in den Kapazitäten verdreifacht werden. Alle Daten sind aktuelle Schätzgrößen von Fachleuten.

Jedes Energie-Investment steht mithin auf zwei Beinen. Zum einen auf E.ON und RWE als klassische Energie-Erzeuger und zum anderen auf erneuerbare Energien, wofür es im günstigsten Fall am Ende vier bis fünf Börsenwerte von Relevanz geben wird.

E.ON und RWE werden als Konzerne in der gegenwärti- gen Energiekrise der Deutschen so niedrig bewertet wie noch nie seit über 50 Jahren. Lesen Sie die nebenstehende Tabelle bitte richtig:

Das investierte Kapital und das Anlagevermögen sind der tatsächliche, in der Energie-Erzeugung gebundene Vermö- genswert. Darin steckt sowohl die gesamte Kernenergie wie die klassische Energie-Erzeugung, insbesondere bei RWE die Braunkohlegrundlage mit einer Kohlenreserve für mehr als 250 Jahre. Davon wird ein Teil abgebaut und umgebaut.

Das Eigenkapital beider Firmen entspricht der HGB-Bilanz und nicht der IFRS-Rechnungslegung. Es ist das tatsächliche Eigenkapital, das in Jahrzehnten nach deutschem Bilanzrecht richtig aufgebaut wurde. Unterstützt wird dies vom Cashflow des Konzerns.

Trotz dieser Kerndaten reduzierte sich der Marktwert von E.ON von einst 85 Mrd. € auf 32 Mrd. € und derjenige von RWE von 49 Mrd. € auf 18 Mrd. €. Zu beachten ist: Alle Daten sind durchschnittliche Daten der jeweiligen Jahre und keine absoluten Spitzen.

Was sind beide Konzerne nach dem Umbau wert? Ein Endwert lässt sich erst in acht Jahren feststellen, in den Zwischenwerten liegt das Potenzial für Investments. 

 

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