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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 13.07.2015

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 13.07.2015:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Einigung pro Europa

Da schreibe ich seit fünf Jahren kontinuierlich und häufig auch  gegen den Mainstream, dass Griechenland niemals den Euro  aufgeben werde, weil das politisch nicht gewollt sei, und erst  am vergangenen Mittwoch bin ich eingeknickt. Das war wohl die  dunkelste Stunde des Griechenland-Dramas, denn schon wenige  Stunden später startete die französische Initiative und zog  einen Verhandlungspartner nach dem anderen auf die europäische  Linie. 

Meine Meinung: Schön, dass eine Lösung gefunden wurde

Es hört sich für mich derzeit so an, dass wesentliche Kernforderungen 
der Europäer durchgesetzt wurden. Kernforderungen, die vom 
griechischen Volk vor einer Woche noch mit überwältigender 
Mehrheit als entwürdigend abgelehnt wurden. Dafür erhalten die 
Griechen mehr Geld. 

Einen Schuldenschnitt wird es nicht geben. Doch die Griechen 
erhalten so viel Geld, dass es mich wundern würde, wenn davon 
nicht andere Staatsausgaben entlastet werden können, deren 
Mittel sodann für Zins und Tilgung der hohen Staatsschulden 
verwendet werden können. Kein Schuldenschnitt aber über Umwege 
dennoch eine Finanzierung der Schulden. 

Aber egal, es geht schon lange nicht mehr ums Geld, es geht um 
ein modernes System, das in Griechenland von der Pieke 
aufgebaut werden muss. 
 

Konsequenz: Neuwahlen

Nun wird Tsipras diesen Kompromiss vermutlich mit 
überwältigender Mehrheit aber ohne Geschlossenheit in seiner 
eigenen Partei durch das Parlament bekommen. Die Konsequenz 
sind dann Neuwahlen, wie gestern durchsickerte. Neuwahlen 
werden wieder einen neuen Unsicherheitsfaktor darstellen. 

Zudem setzen die Griechen nun Reformen um, die sie vor einer 
Woche abgelehnt haben und nun nur unter höchstem Druck, manche 
sprechen schon wieder von Erpressung, genehmigen mussten. Wer 
Tsipras' Rede vor dem Europpaparlament verfolgt hat der weiß, 
dass es in Griechenland eine ehrenwerte Handlung sein wird, in 
einigen Monaten diese Reformen erneut als aufgezwungen 
abzulehnen. Wer weiß, welche Regierung dann gewinnt und für 
welche Entscheidungen sie sich vom Volk legitimiert sieht. 

Aus Finanzsicht wäre also ein Ende mit Schrecken, also der 
Grexit, schöner gewesen. Aus menschlicher Sicht und aus Sicht 
unserer europäischen Kultur kann ich jedoch den abermaligen 
Versuch, Griechenland bei der Stange zu halten, nur 
unterstützen. 
 

 

Spekulanten, Anleger und internationale Investoren 

Ich habe am Wochenende nochmals mehrere Sentiment-Erhebungen 
ausgewertet. Dabei sind mir drei unterschiedliche 
Anlegergruppen aufgefallen: Spekulanten, Anleger und 
internationale Investoren. 

In den vergangenen Wochen wurden die Schwankungen im DAX 
maßgeblich von Spekulanten beeinflusst. Die Beteiligung von 
Anlegern, die langfristige Positionen auf- oder abbauen, war 
gering. Zwar stieg der Optimismus parallel zu den 
Entwicklungen, die ein Ende des Griechenland-Dramas erhoffen 
ließen. Doch Positioniert hat sich kaum jemand, die meisten 
haben das Hin und Her letztlich von der Seitenlinie aus 
beobachtet. 
 

Goldene Zeiten für Spekulanten

Für Spekulanten stellten die vergangenen Wochen hingegen 
goldene Zeiten dar. Immer wieder rannte der DAX an obere oder 
untere Marken, wo kurzfristige Positionen eingegangen oder 
aufgelöst werden konnten. Was zu Zeiten der Seitwärtsbewegungen 
oft zu nervenzehrenden Wartezeiten für Spekulanten führt bleib 
diesmal aus. 

So haben Spekulanten im Tief am vergangenen Mittwoch Positionen 
aufgebaut. Nun, da eine Lösung mit Griechenland erzielt wurde, 
werden langfiristig orientierte Anleger wieder zugreifen und 
versuchen, noch schnell das eine oder andere Schnäppchen zu 
erwischen. 

Heute Nachmittag werden dann internationale (US-)Investoren 
zugreifen, um auch ein bisschen von der europäischen Einigung 
zu profitieren. 

So dürfte die Rallye schnell und heftig ausfallen. Lassen wir 
uns überraschen, wie weit sie uns tragen wird. Was heute früh 
rosig aussieht könnte jedoch schon bald wieder eingetrübt 
werden, wenn die ersten kritischen Stimmen aus Griechenland zu 
hören sein werden. 
 

Kein Ende der Rallye in Sicht


In China wurden steigende Kurse befohlen. Die Lösung des 
Griechenland-Dramas wird international positiv gesehen. An den 
Börsen wird die Zukunft gehandelt und positive Entwicklungen 
werden ad hoc in höhere Kurse umgesetzt. Spekulanten dürften 
bald mit ihren Verkäufen beginnen, Gewinnmitnahmen, was die 
Rallye bremsen sollte. Doch ich rechne vorerst nur mit einer 
bremsenden Wirkung, nicht aber mit einem Ende der Rallye. 

Unsere Hartnäckgkeit zahlt sich nun aus. Kaum jemand hatte im 
Verlauf der vergangenen Woche den Mut gehabt, nennenswerte 
Positionen einzugehen. Durch unsere schrittweise Vorgehensweise 
und die Anpassung unserer Portfoliostruktur an die jeweiligen 
Verhältnisse sind wir nahezu voll investiert und profitieren 
nun voll von der Rallye. 

Zu gegebener Zeit werden auch wir ein paar Gewinne mitnehmen, 
ich werde mich dann mit entsprechenden Updates bei Ihnen 
melden. 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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