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Veröffentlicht von AB Wirtschaftsdienst GmbH am 22.07.2020

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 22.07.2020:

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Austria Börsenbrief

AB Wirtschaftsdienst GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Oktober 1987

Eine anziehende Inflation wäre die größte Gefahr für die haussierenden FANMAG-Aktien

Ist in diesem Segment bereits eine Blase entstanden? Wir werden das Kunststück versuchen bei den Tech-Aktien und den FANMAG-Werten die Hausse so lange auszukosten wie möglich und dann rechtzeitig vor einem nachhaltigen Richtungswechsel den Absprung zu schaffen.

An den Börsen sorgen weiterhin insbesondere die so genannten FANMAG-Aktien für Furore. Gemeint sind damit die Anteilsscheine von Facebook, Amazon, Netflix, Microsoft, Apple und Google (Alphabet). Diese absoluten Schwergewichte stürmen immer weiter nach oben und der Rest des Marktes kann dabei nicht mithalten.
Immer öfter stellen kritische Marktbeobachter deswegen die Frage, ob nicht zumindest in diesem Segment bereits eine Blase entstanden ist. Die Antwort darauf muss aus unserer Sicht differenziert ausfallen. So argumentiert beispielsweise die Bank of America, dass es falsch wäre, die heutige Situation mit jener während der Dot.com-Blase rund um die Jahrtausendwende zu vergleichen. Denn während viele der damaligen Höhenflieger aufgrund fehlender Gewinne ein „Witz“ gewesen seien, handle es sich bei den jetzigen Super-Gewinnern um Unternehmen, die im Alltag vieler Menschen eine wichtige Rolle spielen und die auch dadurch bedingt über die Fähigkeit verfügen, respektable Gewinne zu erzielen und stark zu wachsen. Das ist eine Sichtweise, die es beim Versuch einer Würdigung auf jeden Fall mit zu beachten gilt.
Gleichzeitig wäre es aber falsch, diesen Giganten wegen ihrer starken Marktstellungen alles durchgehen zu lassen. So ist jedenfalls kritisch zu konstatieren, dass die Bewertungsrelationen inzwischen luftige Höhen erreicht haben. So kommen die FANMAGs mittlerweile im Schnitt auf ein KGV von 36 und ein sechsfaches Kurs-Umsatz-Verhältnis, wie in der aus einem Report vom US-Finanzdienstleister Ned Davis Research entnommenen Grafik zu ersehen ist. Die Analysten dort erinnern angesichts dieser Konstellation daran, dass es mit wachsender Unternehmensgröße sowie Marktkapitalisierung immer schwieriger wird, die hohen Erwartungen der Börsianer mit entsprechenden Gewinnsteigerungsraten zu untermauern.
Wir haben in diversen Verlagspublikationen aber trotz allem immer wieder einmal darauf hingewiesen, dass wir im internationalen Bereich versuchen, Kurswellen so lange zu reiten, bis sie brechen. Will heißen, das Kunststück bei den Tech-Aktien und den FANMAG-Werten ist, die Hausse so lange auszukosten wie möglich und dann rechtzeitig vor einem nachhaltigen Richtungswechsel den Absprung zu schaffen. Sollte dieser Trendwechsel in der Form eines Crashs von statten gehen, ist das natürlich ein kaum umzusetzendes Unterfangen. Aber oft zeigt es die Charttechnik auch bei Blasen vorher an, wenn der Spaß vorbei ist und sich der Wind zu drehen beginnt. Wir hoffen, dass das auch dieses Mal wieder so sein wird. Jedenfalls wissen wir aus Erfahrung, dass es in der Endphase einer Hausse in der Regel ganz besonders lohnend ist mit am Ball zu sein, weil dann die Notierungen oft sehr stark steigen.
Losgelöst von alledem gibt es zwar keine Garantie dafür, dass der Höhenflug nicht schon Morgen endet. Dagegen spricht aus unserer Sicht aber die Beobachtung, dass dafür die allgemeine Marktstimmung noch zu reserviert ist. Bekanntlich stirbt die Hausse aber in der Euphorie. Auf einen interessanten Aspekt sind wir in diesem Zusammenhang auch noch in einer Publikation von BCA Research gestoßen. Darin weisen die Analysten darauf hin, dass die Inflation ausschlaggebend dafür sein könnte, wann die sehr robuste Outperformance des Technologiesektors endet.
Um zu verstehen, warum das so sein könnte, muss man sich vergegenwärtigen, dass die von dem Sektor erwirtschafteten künftigen Cashflows umso mehr wert sind, je niedriger der Diskontierungszins ist. Historisch betrachtet sei deshalb der Katalysator, der einen starken Lauf der Technologieunternehmen beendet habe, eine höhere Inflation gewesen. So habe beispielsweise in den späten 1990er Jahren, als sich die Technologieaktien inmitten einer mächtigen Manie befanden und scheinbar nicht mehr zu stoppen waren, ein Anstieg der Kern-Inflationsrate diesen Anstieg ausgebremst (siehe Grafik, die das Verhältnis von S&P Tech/S&P 500 Index (linke Skala) im Vergleich zur US-Kerninflationsrate (invertiert, rechte Skala) zeigt). So gesehen ist es beruhigend zu sehen, dass die Teuerungsraten zumindest derzeit noch immer gering ausfallen.
 

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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