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Veröffentlicht von Redaktion "Frankfurter Börsenbrief" am 03.12.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 03.12.2009:

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CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Dubai ist für die Märkte ein wertvoller Bereinigungsfaktor

Die Überreaktion der deutschen Börse war dabei wieder einmal typisch. Wesentlich gelassener und moderater dagegen war die Reaktion in New York. Bleiben wir auf dem Teppich. Die Scheichs haben sich mit ihren Immobilienprojekten gigantisch verzockt, was von der Grundproblematik anders einzuschätzen ist als klassische Defaults nach dem Muster von Argentinien, und vielerorts dürfte der Bauchplatscher der übermütigen Scheichs sogar mit einer gewissen Schadenfreude zur Kenntnis genommen worden sein.

Nach dem Turmbau zu Dubai folgte der Absturz, die Immobilienpreise kollabierten allein im zweiten Quartal um 47 % gegenüber dem Vorjahr, was andeutet, wie groß der Anteil heißer Luft in den Spekulationen war. Inzwischen ist der Tonfall der Märkte deutlich moderater und auch realistischer. Dubai wird die Welt nicht in eine neue Krise stürzen, aber es verschärft ein wenig den Blick auf mögliche Risiken, und das ist sehr positiv in einem Umfeld, wo durch die gigantische Überliquidität sicherlich manches Risiko an den Märkten schlicht falsch be-preist wird.

Dubai ist ein isoliertes Thema für sich und zu klein, um ein echter Stolperstein für die Stabilisierung der Finanzwelt zu werden. Halten Sie sich vor Augen: Dubai ist zwar das zweitgrößte der sieben einzelnen Emirate im Verbund der Scheichtümer, gleichwohl relativiert sich die ökonomische Bedeutung doch sehr. Zum einen steht Öl nur für etwa 6 % der Wirtschaftsleistung. Auch sind die Vorkommen nicht sehr groß, sehr im Kontrast zum konservativeren und finanziell wesentlich stärkeren Emirat Abu Dhabi, das immerhin etwa 10 % der globalen Ölvorräte auf sich vereint. Die Wirtschaftsleistung Dubais beträgt nur etwa 50 Mrd. Dollar (grob 1,5 % der deutschen Wirtschaftsleistung), die Einwohnerzahl liegt bei etwa 1,5 Millionen, wovon allerdings nur etwa 20 % Landesbürger sind. In Schwierigkeiten ist auch nicht primär das Land Dubai, sondern die staatliche Holdinggesellschaft Dubai World. Bei der Restrukturierung der Schulden geht es nicht um die zunächst im Raum stehenden 59, sondern lediglich um ca. 26 Mrd. Dollar. Wenn es zu einem echten Zahlungsausfall kommt, dann geht es sogar nur um einen Bruchteil dieser Summe als echten Vermögensschaden, und ein erheblicher Teil der Forderungen dürften ohnehin in der Region liegen, so daß das Abschreibungsrisiko für westliche Banken kaum relevant ist. Im Kontext der bisherigen etwa 1,7 Billionen Dollar, die die Banken mit Verlusten und Wertberichtigungen zu verarbeiten hatten, wirkt die Dubai-Problematik überschaubar und auch händelbar. Es können daraus sogar interessante Chancen werden. Bitte beachten Sie beispielsweise unsere Empfehlung für Dubai Ports World.

Wichtiger ist der Blick auf die europäischen Anleihemärkte. Hier fiel in jüngerer Zeit ein markanter Anstieg im Volumen der Credit Default Swaps (Absicherungsinstrumente) auf für Italien. Dieses erreichte etwa 216 Mrd. Dollar und stellt damit den höchsten Einzelwert für ein Land dar. Kein Wunder, denn im kommenden Jahr dürfte die Staatsverschuldung Italiens etwa 127,3 % der Wirtschaftsleistung erreichen. Noch wackeliger ist die Ausgangslage bei Griechenland. In 2011 dürfte die Staatsverschuldung bei etwa 135 % der Wirtschaftsleistung liegen. In der Lohnrunde 2008/09 zogen die Löhne um etwa 12 % an. Griechenland zeigt im internationalen Vergleich eine schlechtere Wettbewerbsfähigkeit als Ägypten und Botswana. Der Ausweg über eine Währungsabwertung ist mit dem Euro-Korsett keine Option. Kreditoren in der Eurozone halten aber etwa 200 Mrd. € an griechischen Schulden. Insofern sollte man weniger an den Golf und mehr vor die eigene Haustür schauen.

Fazit: Der Dubai-Schock schärft am Markt die Wahrnehmung von Risiken, und das ist letztlich sehr zu begrüßen. Eine Reihe von „zittrigen“ Händen dürfte die Welle aus dem Boot gespült haben, was zweifellos Potential für künftiges Kaufinteresse darstellt. Zwar ergeben sich derzeit auch einige Anzeichen für eine temporäre Beruhigung an den Märkten, aber mit ausgewählten Einzelwerten ist weiterhin ein guter Schnitt zu machen.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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