Die jüngste Zinserhöhung der EZB ist ein richtiger Schritt in Richtung Normalisierung

Veröffentlicht von CURT L. SCHMITT Informationsdienste am 16.04.2011
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Frankfurter Börsenbrief

Während die Euro-Währungshüter im letzten Zinserhöhungszyklus hinter ihrem US-amerikanischen Pendant unterwegs waren, fährt man im aktuellen Zinszyklus voraus. Dabei ist der erste Schritt um 25 Basispunkte eher ein psychologisches Signal, dem weitere folgen werden. Die realwirtschaftlichen Folgeeffekte werden indes erst gegen Ende des Jahres zu spüren sein.


 

Aber bleiben wir auf dem Teppich: Das Zinsniveau der Eurozone ist noch weit davon entfernt, eine echte Konjunkturbremse zu sein. Selbst wenn sich der Euro-Leitzins auf 2 % verdoppeln sollte, dann lägen wir gerade mal auf dem Niveau, von dem der Zinserhöhungszyklus ab 2005 überhaupt startete. Außerdem gilt: Je niedriger das Zinsniveau, um so größer ist die Gefahr einer falschen Kapitalverwendung. Dies gilt sowohl für die Vermögensmärkte als auch für die Investitionen der Unternehmen. Investitionsrechnungen sowie Anlagemodelle und Kalkulationen, die nur mit extrem günstiger Finanzierung funktionieren, sind ein wackeliges Fundament für langjährig orientierte finanzielle Entscheidungen. Je schneller die Märkte hier zur Normalität zurückkehren, umso besser ist dies für die Nachhaltigkeit des gesamten Systems.

Die Spreizung in der Wirtschaftsentwicklung einzelner Länder wird sich damit noch etwas verschärfen. Für Deutschland ergibt sich durch eine leichte Zinsversteifung keinerlei direkte Bremswirkung, die nennenswert wäre. Selbst bei einem verdoppelten EZB-Leitzins von 2 % wäre der Realzins in Deutschland (inkl. der Inflation von 2,3 % im März) ein immer noch negativer Realzins! Auf europäischer Ebene wäre der Realzins sogar noch stärker im negativen Bereich angesichts der jüngsten Inflation von 2,6 %. Für die europäischen Peripherieländer wird die Finanzierungslage allerdings schwieriger. In Irland beispielsweise haben etwa 80 % der Immobilienkredite einen flexiblen Zins. Bei gut der Hälfte der Finanzierungen gibt es eine Koppelung an den Leitzins der EZB. In Spanien und Portugal wurden Immobiliendarlehen in der Regel mit einer kurzen Zinsbindungsfrist oder auch mit flexiblem Zinssatz vergeben. Somit kommen die steigenden Zinsen recht schnell bei den Verbrauchern an. Die ohnehin teils bereits massiven Sparbemühungen werden entsprechend noch etwas mehr wehtun. Auch dies gehört leider zum Normalisierungsprozess.

Eine interessante Besonderheit ergibt sich aus der ungleichen Zinspolitik der Notenbanken. Während neben der EZB auch in einer ganzen Reihe von Emerging Markets die Notenbanken bereits den Fuß auf dem Zins-Bremspedal haben, ist zunächst offen, wann die Fed ebenfalls auf diese Linie einschwenken wird. Isoliert für die USA ist das auch in Ordnung. Denn zumindest die offizielle Inflationszahl ergibt noch keinen akuten Handlungsdruck. Dieser Rahmen bedeutet auch, dass der Dollar relativ betrachtet zu einer zunächst sehr günstigen Finanzierungsquelle wird. Denn bei sich ausweitenden Renditedifferenzen steigt auch der Reiz, den Dollar als typische Carry-Trade-Währung zu nutzen, sich also günstig im Dollar zu verschulden und das Geld dann höher rentierlich rund um den Globus anzulegen. Das ist nicht nur eine Frage der Zinspolitik, sondern auch eine Frage des generellen Kapitalzugangs, den die Fed nicht nur amerikanischen Banken, sondern auch sonst vielen internationalen Banken ermöglicht. In den letzten Jahren ist die Fed nämlich über ihre klassische Rolle als Notenbank für die USA wesentlich hinausgewachsen. Nutznießer des sog. Diskontfensters der Fed waren in den letzten Jahren in hohem Maße auch nicht-amerikanische Finanzhäuser. Etwa 160 ausländische Banken haben Tochtergesellschaften in den USA und können somit indirekt Dollar-Bestände absorbieren und gegebenenfalls an die jeweilige Mutter weiterreichen. So gesehen ist die Fed inzwischen eine Notenbank der Welt geworden. Das deutet an, dass den Märkten auch weiterhin eine Menge Liquidität zur Verfügung stehen wird. Inkl. der Kapitalverlagerungen aus den Anleihenmärkten ergibt dies weiterhin einen hochinteressanten Rahmen für die Aktienmärkte. 

 

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