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Veröffentlicht von Redaktion "Frankfurter Börsenbrief" am 18.02.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 18.02.2010:

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Frankfurter Börsenbrief

CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Am Forex-Markt liegt das Geld auf der Straße

Der Anleger muß nur zugreifen. In der Bedeutung auch für den privaten Anleger haben diese Märkte die Rohstoffe überholt. Auf den Punkt: Die Entwicklung an den internatio- nalen Devisenmärkten ist das wichtigsteTradingThema 2010.

Im Frankfurter Börsenbrief haben wir darauf schon einige Spekulationen gesetzt. Es werden noch mehr. Die Bewegungen sind leichter zu durchschauen als am Aktien- oder Rentenmark. Generell gilt: Kapital fließt in Solidität und wertet die Währungen auf. Zeitweise ist es die absolute Solidität. Das betrifft Staaten wie Australien, Neuseeland oder Norwegen, die mit Rezession nicht viel am Hut haben. Staaten deren Wirtschaft solide wächst, ohne die Auswüchse und Blasenbildungen wie in China (Immobilienmarkt) oder Indi- en (Korruption, Inflation). In den letztenWochen - und diese Bewegung wird sich nach unserer Erwartung noch bis ins zweite Quartal fortsetzen - sahen wir eine Bewegung in relative Solidität. Nach den finanzpolitischen Erd- beben in Griechenland und Portugal wanderte Kapital über den großenTeich in den Dollar. Zu Recht? Niall Fergu- son, der Autor von „The Ascent of Money A Financial History of the World“ meinte dazu: „Die Idee, daß die USA ein safe haven sei, ist Unsinn. Bei der Staatsverschuldung ist der Hafen so sicher wie Perl Harbor 1941“. Tatsächlich hat der Dollar seit Gründung der FED 1912 um fast 90 % abgewertet. Als der Goldstandard nicht mehr zu halten war, weil zu viele Dollar im Umlauf waren, wurde er einfach aufgehoben. Als die Kopplung an die anderen Weltwährungen nicht mehr zu halten war, weil zu viele Dollar im Umlauf waren, wurde die Bindung von Bretton Woods 1970 suspendiert. Wie schneiden die Staaten im „Soliditäts-Test“ ab? Der Internationale Währungsfonds gibt sich skeptisch. Für 2010 wird das Haushaltsdefizit in Japan und dem Verei- nigten Königreich auf 13 % des BIP geschätzt, Dann kom- men Irland, Spanien und Griechenland mit 9 % und an sech- ster Stelle schon die USA mit 8,8 %. Selbst die offiziellen Planungen der USA sehen in zwei Jahren die öffentliche Ver- schuldung die Schallgrenze von 100 % des Bruttoinlands- produkts durchstoßen. Warum ist das so problematisch? Dazu ein Blick zurück: Als die Väter des Euro die Welt von der Stabilität der neuen Währung überzeugen wollten (sie sollte so fest sein wie die D-Mark), wählte man zwei Mechanis- men. Der eine war kosmetischer Natur. Die Europäische Zentralbank erhielt ihren Sitz in Frankfurt, um nach außen die Tradition, die Kontinuität zu der hervorragenden Arbeit der Bundesbank zu demonstrieren. Die zweite Maßnahme war die Verankerung der sogenannten Maastricht-Kriterien, die bestimmte Standards für eine Mitgliedschaft vor- aussetzte. Nur Staaten mit einem Haushaltsdefizit von weniger als 3 % und einer Staatsverschuldung von 60 % sollte die Teilnahme am Euro ermöglicht werden. Jetzt, da offenbar wird, wie Staaten im Vorfeld gemogelt ha- ben und wie die Konsequenzen ausufernder Haushalte nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden können, wird offensichtlich, wie richtig diese Denke Anfang des Jahrtausends war. Die Verletzung dieser Kriterien führt wie nun jeder sehen kann, tatsächlich zu einer Abwertung. Das ist keine besonders herausfordernde Rechnung. Wie Sie diesen Ansatz in konkrete Investments umwandeln, lesen Sie in unserer Derivate Rubrik. Aber wie kann sich der Euro wieder stabilisieren? Ist die vieldiskutierte solidarische Stützung der anderen Euro-Länder ein Weg aus der Krise? Oder wird das Ergebnis das gleiche sein, wie beim Länderfinanzausgleich oder der Quersubventionie- rung im Krankenkassensystem, nämlich falsche Anreize, die noch mehr kosten? DerWeg aus dem Dilemma führt nur über die Einhaltung der Standards. 2001 saßen Schröder, Chirac und noch einige Staats- und Regierungschefs unter Linden zu einem informellen Gipfel zusammen und vereinbarten, sich nicht gegenseitig wehzutun. Wenn die Kriterien verletzt würden, sei das eben eine flexible Auslegung des Einheitsvertrages. Damit wurde der Grundstein zur jetzigen Misere gelegt, aus der man nicht wieder heraus- kommt, indem man die Statuten des Lissabon-Vertrages, der gegenseitige Hilfsleistungen nur im Falle von Naturkatastrophen vorsieht, erneut bricht. Ottmar Issing, einer der Geburtshelfer des Euro, meinte dieserTage so richtig, daß ein erneuter Bruch der Verträge die internationale Glaubwürdigkeit des Euro völlig zerstören würde. Wie realistisch ist eine Unterstützung für kränkelnde Staatshaushalte? Ein Schutzschirm über Griechenland würde sich noch finanzieren lassen, danach wird es kritisch. Bei den Problemen in Griechenland reden wir über ein Volumen bei den ausfallgefährdeten Bonds von 23 Mrd. €. Noch dar- stellbar. Portugal kommt schon auf 196 Mrd. € und Spani- en auf 800 Mrd. €. Das sind schon ganz andere Haus- nummern, die auf keinen Fall von der Gemeinschaft getra- gen werden können. Aber genau an diesen Zahlen macht sich die Entwicklung des Euro in den nächsten Monaten fest. Kein Problem, das man nicht heilen kann, aber vor- läufig bleibt der Euro schwach. Das ist gut für die Expor- teure und schlecht für die Ölrechnung. Diese vorhersehba- re Bewegung werden wir auch in den nächsten Monaten in besonderem Maß begleiten und Honig aus den interna- tionalen Forex-Transaktionen saugen.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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