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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 30.07.2015

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 30.07.2015:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Yelp - Wettbewerb zerstört Geschäftsmodell: Verkaufen

Yelp hat gestern katastrophale Quartalszahlen abgeliefert. Statt eines Cents Gewinn je Aktie wurde ein Verlust von 2 Cents je Aktie vermeldet. Der Umsatz ist um 51% auf 133,9 Mio. USD gestiegen, leicht höher als von Analysten erwartet. Für das laufende Quartal wird ein Umsatz von 139 bis 142 Mio. USD erwartet, deutlich unter den Analystenerwartungen von durchschnittlich 152,7 Mio. USD. 

Die Aktie ist nach den Zahlen um 29% eingebrochen

Es gibt zwei Gründe für die Wachstumsprobleme:

Zum einen wird Yelp inzwischen in erster Linie als Plattform gesehen, für die man als Einzelhändler Geld bezahlt, um positive Beurteilungen zu erhalten. Der Ansatz, ehrliche Bewertungen über Einzelhändler einzuholen, ist im Zuge der Gewinnmaximierung aufgegeben worden, denn man kann Einzelhändler, die teuer für ihre Aufnahme in die Liste bezahlen, nicht durch schlechte Bewertungen auf der gleichen Plattform in ein schlechtes Licht rücken. Das ist zwar nicht die offizielle Strategie des Unternehmens, dennoch wird Yelp bei den Nutzern so wahrgenommen. 

Zum anderen ist der unabhängige Weg, über die Einzelhändler Geld zu verdienen, gescheitert. Yelp hatte begonnen, Bannerwerbung zwischen den Ergebnissen zu platzieren, die direkt von Einzelhändlern bezahlt werden. Bannerwerbung auf Yelp ist jedoch komplizierter und wesentlich weniger effektiv als über Google und Facebook. Der Umsatz mit Bannerwerbung (bei Yelp heißt das "Branding") ist im abgelaufenen Quartal um 8% zurück gegangen und soll bis zum Jahresende vollständig eingestellt werden. 

Kein tragfähiges Geschäftsmodell

Eine neutrale Bewertungsplattform, die nicht mehr als neutral wahrgenommen wird und deren Geschäftsmodell von der Konkurrenz zerstört wird ist kein tragfähiges Geschäftsmodell. das hat sich offensichtlich auf im Silicon Valley herumgesprochen, denn das Management von Yelp beklagte, dass man den Personalbestand nicht mehr wie beabsichtigt um 40% p.a. anwachsen lassen könne, es gebe nicht ausreichend qualifizierte Bewerber. Yelp ist also kein cooles Internetunternehmen mehr, die hellen Köpfe des Silicon gehen woanders hin. 

Aktuell notiert unsere Yelp-Position mit 44% im Minus, nachdem sie zwischenzeitlich im April bereits mit 20% im Plus notierte. Die Achterbahnfahrt der Aktie zeigt, welche Chancen in dem Geschäftsmodell gesehen wurden, auch von mir, doch gestern schien es, das Management hat vor der übermächtigen Konkurrenz kapituliert. Die Aktie kennt keinen Boden mehr, von internationaler Expansion ist keine Rede mehr und statt Wachstum heißt nun das neue Ziel erst einmal Gewinnmaximierung zu Lasten von Wachstum, solange kein Investor mit viel Bargeld kommt. 

Die erwartete Wachstumsrate wurde von 50% p.a. auf 30% p.a. gekürzt. Entsprechend ist die zukünftige Bewertung sowohl in die Höhe geschossen, als auch aufgrund der verminderten Wachstumsgeschwindigkeit nicht mehr angemessen. Das KGV 2016e steht bei 227. 

Yelp: Die gelben Seiten der Zukunft?

Tut mir leid, dass diese Spekulation nicht aufgegangen ist. Ich hatte Yelp als die Gelben Seiten der Zukunft gesehen. Doch statt das Netzwerk an Bewertungen und Einzelhändlern mit Partnerschaften auszubauen hat Yelp auf organisches Wachstum gesetzt und wurde dabei von anderen Bewertungsplattformen (Google, Facebook) und anderen Geschäftsmodellen (bspw. OpenTable) überflügelt. 

Bis zur Eröffnung der US-Börsen um 15:30 Uhr MESZ ist das Handelsvolumen in dieser US-Aktie sehr dünn, bitte keine unlimitierten Verkaufsorders aufgeben. Ich würde bis 15:30 Uhr warten und dann zum dann aktuellen Kurs eine limitierte Verkaufsorder eingeben. Bitte unbedingt mit Limit arbeiten, da der Handel hier auch nach US-Börseneröffnung nicht sonderlich hoch ist. 

Aktuell scheint mir ein Verkaufslimit von 22,75 Euro erfolgsversprechend. 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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