Yahoo! könnte zweite Chance bekommen

Veröffentlicht von Stephan Heibel am 14.11.2013
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

Heibel-Ticker

Vor etwas mehr als einem Jahr trat Marissa Mayer von Google an, um als CEO von Yahoo! dem alten Internetgiganten neues Leben einzuhauchen. Die Aktie ist seither von 15 auf 35 USD angesprungen. Doch das muss nicht das Ende sein, denn ich könnte mir im kommenden Jahr einen "Überraschungscoup" vorstellen.


Überraschungscoup mit einfachen Worten erklärt

Alan Mullaly kennen die langjährigen Heibel-Ticker Leser unter Ihnen schon. Er hat zunächst Boeing aus den roten Zahlen geführt und für die derzeitige Wachstumsphase ausgerichtet. Anschließend ging er mitten in der Finanzkrise zu Ford und schaffte es, das Traditionsunternehmen davor zu bewahren, staatliche Hilfen - wie General Motors und Chrysler - in Anspruch nehmen zu müssen. Die Aktie von Ford ist seit 2009 von 1,50 USD auf heute 17 USD gestiegen.

Vor einigen Wochen hat Microsoft-Chef Steve Ballmer seinen Rücktritt innerhalb der nächsten zwölf Monate angekündigt. Man suche einen Nachfolger, hieß es, und er werde gehen, sobald ein geeigneter Kandidat gefunden sei.
 

Nun dreht sich das Namenskarussell

Mark Hurd, der bei HP geschasste CEO wechselte zu Oracle und versteht es auch dort, schlechte Ergebnisse zu liefern, die er mit intelligenten Erklärungen klein redet.

Stephen Elop wird genannt, der Nokia-Chef, der zuvor sogar von Microsoft nach Finnland kam und als vermeintlich großartigen Deal für Nokia die Handy-Sparte an Microsoft verkaufte. Er ist nun wieder zu Microsoft gewechselt und macht sich große Hoffnungen auf den Chefsessel.

Und als dritter und derzeit heißester Kandidat wird Alan Mullaly gehandelt. Ein Industriemanager. Was, so ist die erste Reaktion vieler Marktbeobachter, was will Mullaly bei dem Softwaregiganten anstellen?

Nun, meine Antwort ist recht einfach: Mit modernen Managementmethoden den Konzern auf seine Kernkompetenz fokussieren. Mullaly ist ein Zahlenmensch mit Vision. Eine seltene Spezies. Er schaut sich die Zahlen eines Unternehmens an und entwickelt eine tragfähige Vision.

Das ist ein Unterschied zu den Visionären der alten Zunft. Denen waren Zahlen in der Regel egal, sie konnten jedoch durch ihre Überzeugungskraft ausreichend Menschen motivieren, das Unmögliche möglich zu machen. Mullaly hingegen lässt sich von Zahlen lenken und trägt seine Vision anschließend auf dem Fundament der Zahlen vor, was ebenso überzeugend auf die Mitarbeiter wirkt.

Man braucht kein Hellseher zu sein um zu erkennen, welchen strategischen Richtungswechsel Mullaly, sollte er auf dem Chefsessel Microsofts landen, vornehmen würde. Das Surface bleibt trotz technologischer Spitzenwerte hinter den Erwartungen zurück. Apple und Samsung machen hier das Rennen. Die XBox ist nach wie vor ein hochgezüchtetes High-End Gerät, das kaum Gewinne abwirft. Sony sorgt hier für einen zumindest extrem harten Wettbewerb.

Und mit Bing, der Suchmaschine von Microsoft, läuft Microsoft ebenfalls dem Markt hinterher. Google macht hier das Rennen. Bing bleibt eine Randerscheinung, was nicht zuletzt auch schlecht auf Yahoo! abfärbt. Wir erinnern uns: Vor einigen Jahren hat Yahoo! die Weiterentwicklung der eigenen Suchmaschine an Microsoft abgegeben und einen langfristigen Abnahmevertrag für Bing unterschrieben. Yahoo! wollte Kosten sparen, gab jedoch eine Schlüsseltechnologie des Internetkonzerns aus der Hand.
 

Schon heute verfügt Yahoo! über eine Vielzahl von Apps

Wetter-App, Finanz-App, Mail, Flickr, Sports, ... und natürlich auch eine Such-App mit Ergebnissen aus dem Web, aus Bildern, aus Videos und aus Shopping-Seiten. Es ist die Technologie, mit der Yahoo! Traffic generiert und darauf Werbebanner platziert. Es ist das Kerngeschäft von Yahoo!. Nicht von Microsoft.

In meinen Augen gehört die Suchmaschinenlogik zu Yahoo!. Und wenn Microsoft einen CEO wie Mullaly bekommt, dann ist es in meinen Augen nur eine Frage der Zeit, bis die Suchmaschinenlogik zum Verkauf steht. Microsoft verfügt über Software, die inzwischen insbesondere von Unternehmen intensiv eingesetzt wird. Von Server-Applikationen über das Office-Paket bis hin zu durch Skype ermöglichten Konferenzen. Microsoft hat sich heute überwiegend auf Unternehmenskunden konzentriert, denn dort sind die Gewinnmargen wesentlich besser als beim privaten Konsumenten.

Ein technikverliebter Mark Hurd oder ein mobilfunkorientierter Stephen Elop wird versuchen, die im Haus verfügbaren, tollen Technologien weiterzuentwickeln und in ihre Zukunftsvision einzubauen. Microsoft braucht jedoch eine Neuausrichtung bzw. eine Konzentration auf ein Kerngeschäft. Und da ist ein Branchenfremder wie Alan Mullaly in meinen Augen der bessere Kandidat, der ohne ideologische Vorbelastung harte Entscheidungen treffen kann.

Marissa Mayer kommt ursprünglich von Google, sie dürfte sich nicht vom Betrieb einer Suchmaschine abschrecken lassen. Im Gegenteil, bei Google hat sie gesehen, wie man ausgehend von der Suchmaschine verschiedenste Dienste erfinden kann. Ich gehe davon aus, dass Sie Alan Mullaly im Falle eines Falles mit offenen Armen empfangen wird.

Der Kursanstieg von 15 auf 35 USD ist wohl zu einem großen Teil auf die Beteiligung Yahoo!s an Alibaba zurückzuführen, der Suchmaschine für China. 24% von Alibaba gehören Yahoo!, eine alte Beteiligung noch aus den ersten Tagen des Internets, die bis heute nie wirklich zu Geld gemacht werden konnte. Der Verkauf der Anteile am Unternehmen in privater Hand gestaltete sich sehr schwer. Nun steht der Börsengang von Alibaba an, erste Schätzungen taxieren das Unternehmen auf 120 Mrd. USD, das würde Yahoo!s Anteil auf 28,8 Mrd. USD hieven. Bei der Marktkapitalisierung von 37 Mrd. USD ist das der Löwenanteil an Yahoo!, Yahoo! selbst bekommt man fast geschenkt.

Doch Marissa Mayer hat die Bilanz von Yahoo! überarbeitet, es liegen 1,8 Mrd. USD Barmittel bereit. Der Börsengang Alibabas hat zu einem Achtungserfolg der Yahoo!-Aktie geführt, sodass wieder viele institutionelle Anleger einen intensiven Blick auf Yahoo! werfen. Nun ist es an Marissa Mayer, die Strategie für die Zukunft auszugeben.

Chancen sind vorhanden. Die Startposition ist gut. Ich würde ein Auge auf den Nachfolger von Steve Ballmer haben, um mir ein endgültiges Urteil über Yahoo! zu bilden.

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES


Japan hat sich für eine ultralockere Geldpolitik entschieden, Abenomics wird sie genannt, nach dem Premier Abe. Sollten die USA mit dem Tapering, dem Drosseln der ultralockeren Geldpolitik beginnen, dann wird sich dieser Druck auch auf Japan ausweiten. Kapital wird in die USA zurückkehren, da dort eine stabilere Währung und bessere Zinsen zu finden sein werden.

Am Mittwoch hat Janet Yellen, die designierte Nachfolgerin des US-Notenbankchefs Ben Bernanke, eine erste Rede gehalten. Sie hat darin deutlich gemacht, dass Sie keinen Grund zur Eile für das Tapering sehe. War im Sommer noch ein baldiges Tapering erwartet worden, so verschiebt sich seither der Beginn der Drosselung der ultralockeren Geldpolitik auf das Jahresende, nach der Rede Yellens nun auf das Frühjahr 2014.

Das ist toll für Japan, denn solange ALLE eine lockere Geldpolitik betreiben, wird niemand Japan dafür verurteilen und zu einer Abkehr zwingen. Entsprechend hat der Nikkei einen Freudensprung um 7,7% vollzogen, das ist der stärkste Wochenanstieg der vergangenen drei Jahre.

Auch der Dow Jones hat mit 1,8% kräftig zugelegt. Lediglich der DAX konnte mit einem mageren Plus von 0,8% nicht mithalten. Wie auch, wenn das Geld in anderen Ländern unter's Volk gejubelt wird, in Europa jedoch noch zumindest der Anschein des ordentlichen Haushaltens gewahrt wird.
 

Der Goldpreis ist wieder im Rückwärtsgang

Nicht Inflation ist das Schreckensgespenst, sondern Deflation oder Depression. Die anhaltend lockere Geldpolitik bekämpft Deflation und Depression, um Inflation wird man sich vielleicht in ein paar Jahren Gedanken machen müssen - wenn überhaupt. Warum also Gold kaufen, werden sich viele Anleger fragen, während die Unternehmen Rekordgewinne vermelden und sämtliche Börsenindizes von Rekord zu Rekord streben. In meinen Augen ist es noch zu früh, um wieder in Gold zu investieren.

 

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