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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 10.08.2012

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 10.08.2012:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Wunschanalyse: ProSiebenSat.1 Media AG

Tolle Dividendenrendite, aber ist sie sicher? ProSiebenSat.1 Media unterliegt in besonderer Weise Konjunkturschwankungen und ist von daher nicht als sichere Dividendenaktie geeignet. Wachstum kann ich nicht entdecken. Es gibt also keinen Grund, warum ich mich für diese Aktie näher interessieren sollte.

WERBUNG, WERBUNG, WERBUNG


ProSiebenSat.1 Media finanziert sich in erster Linie durch Werbung. Ein riesiger Aparat an Infrastruktur, Sendungsproduktionen und Vertrieb wurde teuer aufgebaut und erzeugt nun einen hohen Cashflow. Aus dieser kurzen Beschreibung können Sie schon sehr schnell die Vorzüge und Nachteile der Aktie ableiten.

Der Vorzug des hohen Cashflows beschert Anlegern in guten Zeiten eine Dividendenrendite von über 8%. Zur Zeit haben wir gute Zeiten. Doch die hohe Abhängigkeit vom Werbemarkt unterwirft das Geschäftsmodell starken Umsatzschwankungen, die sodann zu einer Dividendenkürzung führen können – so geschehen 2008 und 2009, als nur jeweils 2 Cents je Vorzugsaktie ausgeschüttet wurden.
 

BILANZ HART AM WIND


Die 2,9 Mrd. Euro Jahresumsatz müssen derzeit mit 1,8 Mrd. Euro Schulden bedient werden. Gut, das Zinsniveau ist extrem niedrig, und bei der hohen Dividendenrendite von über 8% ist es für das Unternehmen vorteilhafter, Fremdkapital zu einem niedrigeren Zins als die Dividendenrendite aufzunehmen. Clever, denn das Unternehmen kann sich so günstig refinanzieren und seinen Anlegern eben die hohe Dividende bieten.

Doch sollte der Werbemarkt in der nächsten Konjunkturflaute einbrechen, so werden die Finanzierungskosten für das Unternehmen ansteigen. Und in einem solchen Fall würde das Unternehmen natürlich erst einmal auf die eigenen verfügbaren Mittel zugreifen, eben auf die Dividende, die dann nicht oder nur zum Teil ausgeschüttet würde.

Umsatzwachstum gibt es nicht, seit 2007 schwankt der Umsatz zwischen 2,7 und 3,1 Mrd. Euro. Entsprechend ist das KGV mit 9 eher ein Indiz für die derzeit hohe Dividendenrendite. Die niedrige Marktkapitalisierung von 1,9 Mrd. Euro ist der hohen Verschuldung geschuldet. Rechnen wir die Schulden in den Marktwert ein, so beträgt das Kurs/Umstaz-Verhältnis 1,27 und ist in meinen Augen bereits recht hoch.
 

PHANTASIE DURCH DEN „TRIPPLE-PLAY"


Die eierlegende Wollmilchsau der Medienbranche heißt „Tripple-Play" und beschreibt das Zusammenwachsen von Fernsehn, Internet und Telefon. Bei Kabeldeutschland können Sie beispielsweise über das Kabelnetz telefonieren und im Internet surfen und natürlich die Kabel-Fernsehsender empfangen. Entsprechende Angebote gibt es inzwischen auch von der Deutschen Telekom über das Breitbandnetz DSL, und auch andere Anbieter kommen mit entsprechend geschnürten Dreifach-Angeboten auf den Markt.

Die Übertragungsgeschwindigkeiten lassen inzwischen auch Signale für HD-TV zu, also für hochauflösende Sendungen, was bei vielen Kunden das Portmonnaie öffnet. Für mehr Qualität sind Kunden bereit Geld zu zahlen, und das kommt bei den Anbietern der entsprechenden Formate an, eben bei ProSiebenSat.1 Media. Hiervon verspricht sich das Unternehmen steigende Einnahmen.

Doch nicht nur HD-TV regt die Umsatzphantasie an, auch die weit fortgeschrittene Integration der Fernsehsendungen ins Internet. Je näher Fernsehnen und Internet sich sind, desto leichter fällt es den Werbenden, die Zuschauer auf ihre Internetseite zu leiten, was ebenfalls den Umsatz für ProSiebenSat.1 Media anregen soll.

Und natürlich darf auch das Telefon in unserer integrierten Welt nicht fehlen, wobei dem Festnetz-Telefon jedoch wenig Umsatzphantasie zugesprochen wird. Hier sichert man sich höchstens gegen Wettbewerber ab, die andernfalls Zugang zu den Kunden hätten. Doch aus Sicht von ProSiebenSat.1 Media könnten die Werbesendungen mit Telefonnummer natürlich ebenfalls besser integriert werden. Ein Anruf-Knopf könnte künftig beispielsweise auf der TV-Fernbedienung zu finden sein.

Wie beim Smartphone auf dem Handymarkt, verspricht man sich also vom Tripple-Play auf dem Medienmarkt die Möglichkeit, höherwertige Produkte anzubieten und somit kaufkräftigere Kunden zu gewinnen.
 

MEINE EINSCHÄTZUNG: EIN WEITER WEG


Vom Tripple-Play höre ich schon seit zehn Jahren. Für meine Mutter habe ich bereits vor sieben Jahren den Tripple-Play über Kabel Deutschland eingerichtet. Es funktioniert einwandfrei, doch mehr Bezahlt-Sender bucht meine Mutter deswegen nicht. Und mehr telefonieren tut sie auch nicht.

In den USA, wo schon eine Menge Trubel um den Tripple-Play gemacht wird, bleiben die Zahlen meist hinter den Erwartungen zurück. Es ist eine sinnvolle Entwicklung, Fernsehen, Telefon und Internet über ein und dasselbe Kabel zu schicken. Und es ist auch toll, dass die Übertragungsgeschwindigkeiten immer schneller werden, wir also schneller herunterladen können, HD-TV sehen und gleichzeitig telefonieren können. Doch mehr Geld wird dafür noch nicht ausgegeben.

Und selbst diese Entwicklung würde nur die Provider betreffen, also Kabel Deutschland und die Deustche Telekom beispielsweise. Bis dann Mediengesellschaften wie ProSiebenSat.1 Media davon profitieren, ist es noch ein weiter Weg.
 

FAZIT: ES GIBT BESSERE AKTIEN


Es bleibt bei der eingangs formulierten Einschätzung, auch nach näherem Hinschauen: Die hohe Dividende des Unternehmens ist zwar überaus attraktiv, steht aber auf wackeligen Füßen. Das Bewertungsniveau wäre niedriger ohne die hohe Dividendenrendite. Sollte die Dividende also konjunkturbedingt einmal wegfallen, dann fehlt nicht nur dieses Zuckerstück, sondern auch die Aktie würde kräftig einbrechen.

Wer die Aktie hingegen nicht wegen der Dividende sondern wegen des Kurspotentials kauft, der muss sich mit stagnierendem Umsatz und einer in weiter Ferne liegenden Wachstumsphantasie zufrieden geben, nicht gerade ein Katalysator für einen baldigen Kursanstieg.

Es gibt eine andere Aktie der Medienbranche, die neben hoher Dividendenrendite auch noch überproportionale Wachstumsraten aufweist. Das Unternehmen betrachtet das Internet als eigenen Markt und versteift sich nicht auf den „Tripple-Play" der Zukunft, sondern erzielt heute schon den Großteil des Gewinns über das Internet.

Insbesondere vor dem Hintergrund der in meinen Augen unsicheren Dividende ist die Aktie von ProSiebenSat.1 Media eben genau das nicht, was sie auf den ersten Blick verspricht: Eine Dividendenaktie. Ich würde daher die Finger von der Aktie lassen. Es gibt so viele Aktien, warum sich mit diesem Risiko belasten?
 

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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