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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 15.08.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 15.08.2009:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Wunschanalyse Fresenius Medical Care

Nach der Börsenrallye der vergangenen Monate sind viele Anleger wieder in spekulative Titel eingestiegen. Doch sollte die Konjunkturerholung ins Stocken geraten, so drohen wieder heftige Ausverkäufe. In solchen Phasen gewinnen nicht-zyklische (konjunkturunabhängige) Aktien und FMC ist eine solche. Somit ist FMC insbesondere für spekulative Anleger eine Art Versicherung gegen einen verfrühten Nervenzusammenbruch.

Sowohl Privatanleger als auch professionelle Analysten schätzen die solide Bilanz und das konjunkturunabhängige Geschäftsmodell von Fresenius Medical Care. Negative Einschätzungen zum Unternehmen gibt es kaum. Ich werde daher ein besonderes Augenmerk auf mögliche negative Aspekte werfen um sicher zu gehen, dass wir nichts übersehen.
 
 
DIALYSETECHNIK UND KRANKENHAUSMANAGEMENT
 
Hauptprodukt der Bad Homburger sind Dialysegeräte. Unter Dialyse versteht man das Waschen des Blutes, eine Aufgabe, die eigentlich die Nieren übernehmen. Doch immer mehr Menschen erleiden ein Nierenversagen, eine Tendenz die in direktem Zusammenhang mit der steigenden Altersdiabetes steht, die wiederum bei Dicken häufiger auftritt. Also: Wer zuviel wiegt, der riskiert, seine Nieren zu überfordern, riskiert ein Nierenversagen und könnte am Ende regelmäßig sein Blut durch ein Dialysegerät schleusen müssen. Es wird Sie nicht wundern, wenn Sie nun erfahren, dass der mit Abstand größte Markt für
Fresenius Medical Care (FMC) die USA ist.   
 
Sie brauchen sich jetzt nicht den Schweiß von der Stirn zu wischen und denken, dass Sie in unseren Breiten nochmals Glück gehabt haben: Der deutsche Markt trägt auch schon ordentlich zum Umsatz bei. Nicht erst seit ich mit einer Medizinerin verheiratet bin, weiß ich über die vielen Krankheiten Bescheid, die Fettleibigkeit nach sich zieht. Als Schreibtischtäter gehe ich also mehrmals die Woche joggen um die Alster und kämpfe so gegen den Ansatz eines Schwimmrings. So hoffe ich, FMC nur als Aktionär und nicht als Patient kennen zu lernen.   
 
 
UMSATZWACHSTUM DURCH INVESTITIONEN DER VORJAHRE
 
Ich habe eine Aktie gesucht, deren Umsatz- und Gewinnwachstum von den Konjunkturzyklen, von der Finanz- und Liquiditätskrise unabhängig ist. Für FMC trifft dies zu einem großen Teil zu.
Allerdings ist das Unternehmen durch die hohe Finanzierungsquote abhängig von der Liquiditätsversorgung der Finanzmärkte. Aber dazu später mehr.  
 
Nachdem das Unternehmen den Markt der Dialysetechnik dominiert und dort auch noch durch Preisanhebungen weiter den Umsatz steigern kann, hat man im vergangenen Jahr Investitionen in ein neues Geschäftsfeld getätigt: Krankenhausmanagement. Dieser Geschäftsbereich trägt nun zu weiterem Umsatzwachstum bei, allerdings waren hohe Investitionen notwendig. Die langfristigen Schulden von FMC betragen 3,8 Mrd. Euro.
Kurzfristig besteht jedoch kaum Refinanzierungsbedarf, so dass die aktuell angespannte Situation bei der Kreditvergabe keinen negativen Einfluss auf FMC hat.  
 
Damit ist FMC ein Unternehmen, das tatsächlich unabhängig von den aktuellen Turbulenzen weiter wächst und durch die getätigten Investitionen sogar auch den Gewinn steigern kann.  
 
 
SINKENDE PROFITABILITÄT
 
Allerdings ist die Gewinnmarge im vergangenen Quartal leicht zurückgegangen. Trotz Preisanhebungen im Bereich der Dialysetechnik musste FMC eine um 5% geringere operative Marge vermelden. Der Grund dafür wird hauptsächlich in den gestiegenen Kosten für das Blutverdünnungsmittel Heparin gesehen, ein Umstand, der sich im weiteren Jahresverlauf wohl nicht ändern wird.  
 
 
DIVERSIFIZIERUNG IN IHREM PORTFOLIO
 
Doch ich habe Fresenius Medical Care nicht ausgewählt, um Haare zu spalten: Während andere Unternehmen in der aktuellen Krise Umsatzeinbrüche von 30% und Millionenverluste verzeichneten, kann FMC auf verhältnismäßig geringe Auswirkungen der Krise blicken. Wenn Sie also ein Portfolio von Aktien haben, die nach dem jüngsten Umsatzeinbruch nun großes Aufholpotential haben, so brauchen Sie eben auch eine Aktie, die profitieren wird, wenn ihre spekulativen Wetten nach hinten losgehen.  
 
Ich möchte an dieser Stelle nicht auf die Diskussion um eine V-Erholung oder eine W-Erholung eingehen (ich gehe von einer V-Erholung aus, wie Sie in meinem wöchentlich erscheinenden Börsenbrief Heibel-Ticker nachlesen können). Sollte statt der V-Erholung doch ein weiterer heftiger Rückschlag im Laufe dieses Jahres erfolgen, so wird eine Position in FMC für Stabilität im Portfolio sorgen, denn FMC wird steigen, wenn die Gefahr einer sich ausweitenden Rezession steigt.  
 
Nachdem in den vergangenen Monaten der Kursrallye jede Menge Kapital wieder in immer spekulativere Aktien geströmt ist, würde dieses Kapital nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre bei den ersten Anzeichen eines Problems auf der Konjunkturseite sofort aus den spekulativen Aktien gezogen und in nicht-zyklische Aktien gesteckt werden. Man nennt das dann „Gruppenrotation“: Das Kapital rotiert aus den Technologie- und
Industrieaktien heraus und in die Pharma- und Grundversorgungsaktien hinein. Ohne dass die jeweiligen Unternehmen in solchen Zeiten dann grundlegend veränderte Geschäftsverläufe vermelden, steigen plötzlich die nicht-zyklischen Aktien und fallen die zyklischen Aktien.  
 
 
VERNÜNFTIGES BEWERTUNGSNIVEAU
 
Mit einem KGV von 15 ist Fresenius in meinen Augen vernünftig bewertet. Der Umsatz wächst mit 5-8% p.a. selbst in Krisenjahren und sollte die Obama-Gesundheitsreform schwächer ausfallen als angekündigt (ich gehe davon aus!), dann wird auch die Gewinnmarge wieder stärker steigen können.  
 
Der hohe Schuldenberg ist aufgrund des gut planbaren Geschäftes wenig besorgniserregend, dennoch würde ich die langfristigen Schulden nicht aus den Augen lassen. Die Eigenkapitalquote beträgt 38,4% und liegt damit ein einem vernünftigen Bereich, könnte aber für ein Unternehmen dieser Sparte höher sein.  
 
Auch das Kurs/Umsatz-Verhältnis ist mit 0,9 als fair anzusehen: 10,6 Mrd. Euro Umsatz werden mit  9,1 Mrd. Euro Marktkapitalisierung bewertet. Für einen Marktführer mit Wachstumspotential ist das meiner Ansicht nach sogar günstig.  
 
 KURSHISTORIE
 
Eigentlich“ konnte sich die Aktie sehr gut in der Krise im vergangenen Jahr behaupten. Vom Hoch bei 39 Euro zum Jahreswechsel 2007/2008 ging der Kurs bis Oktober auf 32 Euro zurück, was gegenüber dem DAX-Einbruch eine gute relative Stärke bedeutete. Vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Finanzkrise stieg der Kurs dann in den ersten Monaten des laufenden Jahres bis auf 35 Euro an. Hier zeigt sich der nicht-zyklische Faktor dieser Branche.  
 
Doch beim finalen Ausverkauf im März, als Hedgefonds und Anleger alles verscherbelten, was nicht niet- und nagelfest war, geriet auch die Aktie von Fresenius unter die Räder. Der Kurs brach von 35 auf 26 Euro ein.  
 
Es folgte wiederum eine Erholung, diesmal bis auf 33 Euro Anfang Juli. Auch hier ist wieder bemerkenswert, dass FMC gerade im Juni, in dem Monat, als die spekulativeren Aktien eine Verschnaufpause einlegten, kräftig zulegen konnte.  
 
Am 4. August wurde der jüngste Quartalsbericht veröffentlicht. Der Rückgang der operativen Marge (siehe oben) war der Anlass dafür, die FMC-Aktien erneut auszuverkaufen und der Kurs rutschte wieder unter 31 Euro. In meinen Augen ist das eine willkommene Einstiegsgelegenheit für den spekulativen Anleger, der eine kleine Versicherung ins Depot holen möchte.  
 
 
CHARTTECHNIK
 
Werfen wir einmal einen Blick auf die Charttechnik, um Unterstützungen und Widerstände zu lokalisieren: Nach dem heftigen Kurseinbruch auf 26 Euro im Frühjahr befindet sch der Kurs zwischen 26 und 33 Euro im Niemandsland. Erst ein Überspringen der 33 Euro eröffnet der Aktie ein charttechnisches Potential bis 36 Euro. Sollte diese Hürde in den nächsten Wochen nicht genommen werden können, so befindet sich die Aktie in einem Abwärtstrend (seit Anfang 2008) dessen obere Begrenzung derzeit bei 33 Euro verläuft.  
 
Grundsätzlich also gibt die Charttechnik eher negative Signale. Das Risiko eines erneuten Ausverkaufs bis auf 26 Euro ist vorhanden.  
 
Auf der anderen Seite verläuft eine breite Handelsspanne zwischen den Kursen von 33 bis 39 Euro. Findet die Aktie also in diesen Bereich zurück, so kann FMC weiterhin als stabile Aktie gesehen werden, der Ausrutscher nach 26 Euro wäre dann unbedeutend.  
 
 
FAZIT
 
Damit ist FMC keine Aktie, mit der Sie von 100% Gewinn träumen können, jedoch mit Sicherheit eine Aktie, die ihren Wert stabil hält, während Ihre spekulativen Depotpositionen einbrechen. Und in der Baisse ist der Anleger mit den kleinsten Verlusten der Sieger.  
 
Ich erwarte für diesen Herbst nochmals eine Verschnaufpause für die Rallye und werde in dieser Phase dann FMC in mein Portfolio holen. Zwei Katalysatoren gibt es für das Unternehmen: Die nicht-zyklische Natur des Geschäftsmodells sowie eine schwache Gesundheitsreform Obamas.  
 
Damit gibt es zwei Chancen, die für einen Kursanstieg sorgen würden. Das Risiko hingegen ist denkbar gering, denn das Geschäft ist krisensicher, das Bewertungsniveau ist niedrig und die Marktposition von FMC kann als stabil angesehen werden.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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