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Veröffentlicht von CURT L. SCHMITT Informationsdienste am 01.06.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 01.06.2011:

Börsenbrief Frankfurter Börsenbrief
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CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Wie belastbar ist die globale Finanzszene?

Dies ist die eigentliche Frage, die sich aus der Griechenland-Thematik ergibt. Eng damit verknüpft ist das Vertrauen der Banken untereinander und damit auch die Bereitschaft zum gegenseitigen Handel. Letztlich tangiert dies natürlich auch die Kreditvergabe an die jeweilige heimische Wirtschaft, womit die Verfassung der Banken dann letztlich in der Realwirtschaft landet. Die griechische Bankenwelt ist das aktuelle Negativ-Beispiel, aus dem man aber keine überstürzten Pauschalurteile über die Branche ableiten sollte:

 

Die griechischen Banken waren bisher recht unbeschadet durch die Finanzkrise gekommen, da sie auf toxische Papiere weitgehend verzichtet hatten. Dafür liegen die Bestände an griechischen Staatsanleihen nach einer Schätzung von JP Morgan bei mehr als 50 Mrd. €. Dies steht gegen ein bilanzielles Eigenkapital von etwa 30 Mrd. €. Ein Schuldenschnitt um 50 % hieße also wohl, dass der größte Teil des Eigenkapitals verloren wäre. Auch angesichts der Bonität Griechenlands ist der Zugang zum Kapitalmarkt mehr oder weniger zu. Andererseits ziehen private Sparer Kapital ab. Die heimischen Einlagen sind gem. der staatlichen Bank von Griechenland von 245,5 Mrd. € im Dezember 2009 auf über 218 Mrd. € gegen Ende März 2011 zurückgegangen. Seither dürfte weiteres Kapital abgezogen worden sein. Das Überleben der griechischen Bankenszene steht und fällt also mit der Frage, inwieweit die EZB eine weitere Refinanzierung ermöglicht oder nicht. „Griechenland“ hat bei den europäischen Notenbanken ein Volumen von etwa 131 Mrd. €. Dafür sind im Gegenzug Papiere im Nominalvolumen von geschätzt 190 Mrd. € hinterlegt. Selbst bei einem Schuldenschnitt um etwa einem Drittel wären die Notenbanken also wohl noch „über Wasser“. Bei einer Halbierung der Nominalwerte würde man nach einfacher Rechnung 35 Mrd. € verlieren.

Für andere europäische Bankenmärkte gibt es sicherlich Folgewirkungen, die aber unter dem Strich zumindest ökonomisch verkraftbar wären. Frankreich war per Ende 2010 mit etwa 42 Mrd. € dabei. Deutschland stand für etwa 25 Mrd. €. Das sind keine Peanuts, aber die Belastungen wären für das jeweilige Bankensystem tragbar. Generell haben die Banken in den letzten Jahren massive Verbesserungen erzielt, wenngleich man in verschiedener Hinsicht noch nicht am Ziel angelangt ist. In den USA, wo Banken wohl keine wesentlichen direkten Belastungen aus Griechenland hätten, zog die Kernkapitalquote von grob 10 auf etwa 12,2 % der risikogewichteten Aktiva an. In Deutschland gab es eine Verbesserung von vorher grob 8 auf etwas über 10 %. Auch im Falle von Frankreich ist das Polster wesentlich weicher geworden mit einem Anstieg in der Kapitalquote auf etwas über 10 %. Die Mindestgröße nach Basel I lag bei 4 %, nach Basel III sollen es bis 2015 in zwei Schritten mind. 6 % werden. Bei systemrelevanten Instituten dürften die Mindestschwellen sogar etwas höher angesetzt werden.

Die Herausforderung in der aktuellen Diskussion ist die psychologische Komponente. Denn die weitere Vorgehensweise wird den Märkten aufzeigen, was der europäische Rettungsschirm und politisch formulierte oder angedeutete Leitlinien wirklich wert sind. Und damit auch, wie sehr man auch im Hinblick auf Irland und Portugal auf eine tragfähige europäische Auffanglösung bauen kann. Solange dies nicht klar beantwortet ist, wird das private Kapital zurückhaltend bleiben. Ohne privates Kapital aber geht es letztlich nicht. Indikativ: Für 10-jährige griechische Staatsanleihen lag das Renditeniveau jüngst bei etwa 17 %, im Falle von Irland waren es etwa 10,9 % und für Portugal nicht viel günstigere 9,5 %. Mit anderen Worten: Das private Kapital behandelt diese Märkte weiterhin mit größter Vorsicht. Zum Vergleich: Deutsche 10-jährige Staatsanleihen haben derzeit eine Rendite von etwa 3 %. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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