Wer profitiert vom Trend zum „Autonomen Fahren“?

Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 08.07.2015
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Aktionärsbrief

Es gab eine Zeit, da bauten Autohersteller Autos und Computerfirmen bauten Computer. Doch heute ist nahezu jedes Automobil ein rollender Computer mit Dutzenden Sensoren. Als Google im Herbst 2010 seine Flotte selbstfahrender Toyotas enthüllte, die still und heimlich schon mehr als 200 000 Kilometer zurückgelegt hatten, war das für die Autobranche ein Schock und ein Weckruf. Seitdem haben die Autobauer mächtig aufgeholt. Immer neue Fahrassistenz-Systeme, die dem Fahrer Arbeit etwa im Stau abnehmen, finden Schritt um Schritt den Weg in den Alltag. VW hat einen Nothalte-Assistenten, Volvos Modell XC90 bremst notfalls selbst an Kreuzungen, um eine Kollision zu verhindern. Das „selbstfahrende Auto“ wird von Experten als das „next big thing“ bezeichnet, das die individuelle Fortbewegung in den nächsten 15 Jahren revolutionieren wird. Wer sind die langfristigen Top-Profi teure dieses Trends?


Die Autokonzerne selber gehören nicht dazu. Für sie ändert sich bei Marge und Volumenabsatz nicht viel. Die Zulieferer und Dienstleister dieses neuen Megatrends werden die Gewinner sein. Beginnen wir mit den Grundvoraussetzungen: Ein autonom fahrendes Auto muss Folgendes wissen: Wo ist die nächste Ampel, wo ein Zebrastreifen? Welche Fahrspuren biegen demnächst nach links ab? Und wo genau ist das Auto überhaupt? Dazu bedarf es Karten, die exakte, auf Zentimeter genaue Informationen liefern.

NOKIA (WKN: 870 737; 6,49 €) und TOMTOM (WKN: A0T E88; 10,12 €) sind deshalb bei den Autoherstellern heiß begehrt. Um Nokias Kartendienst „Here“ buhlen bereits mehrere Konsortien. Inzwischen werden schon Preise über 3 Mrd. $ aufgerufen. Nokia ist kaum in Zugzwang zu verkaufen, sondern kann entspannt abwarten. Die Gebote dürften weiter steigen. Am Beispiel von TomTom lässt sich beobachten, wie ein Navigations-Spezialist einen beeindruckenden Turnaround schafft. Auch das niederländische Unternehmen schließt strategische Allianzen. TomTom wird künftig seine Verkehrsinformationen nicht nur den Marken Volkswagen und Audi zur Verfügung stellen, auch die neuen Smarts werden mit diesem Navigationssystem unterwegs sein. Mit den Forschern des VW-Konzerns wurde ein Kooperationsvertrag geschlossen, um gemeinsam ein digitales Kartenwerk zu schaffen. Die Lotsen stellen ihr Know-how über Kartenherstellung zur Verfügung, der Automobilhersteller seine Entwicklungen für das hochautomatisierte Fahren. Auch mit Bosch wurde kürzlich eine Partnerschaft vereinbart. Hier wird TomTom seine Navigationstechnologie in die Entwicklung automatischer Fahrerassistenz-Systeme einbringen. Dazu gehören beispielsweise ein intelligenter Tempomat und Warnungen vor Staus oder vorausliegenden Kurven. Die TomTom-Aktie wird inzwischen als heißer Übernahmekandidat gehandelt und ist für langfristig denkende Anleger ein klarer Kauf.

Selbstfahrende Autos müssen „sehen“ können. Hier könnte NVIDIA (WKN: 918 422; 21,17 $) eine große Nummer werden. Das US-Unternehmen präsentierte jüngst einen Computer, der besonders schnell und präzise Objekte in seiner Umgebung erkennen soll. Das System „Nvidia Drive“ unterscheidet zum Beispiel zwischen Fußgängern und Radfahrern und kann auch einzelne Automodelle auseinanderhalten. Der Autocomputer kann gleichzeitig Bilder von bis zu zwölf Kameras verarbeiten. Die Erkennung der Umwelt gilt als eine Schlüssel-Funktion, damit selbstfahrende Autos den Weg in den Alltag fi nden können. Nvidia arbeitet inzwischen eng mit Audi zusammen. Wer mit Weitsicht agiert, legt sich die Nvidia-Aktie ins Depot.

Eine große Nummer im Bereich der KFZ-Sensorik sollte auch NXP SEMICONDUCTORS (WKN: A1C 5WJ; 96,47 €) werden. Dieses erstklassige Unternehmen ist Ihnen aufgrund früherer Empfehlungen bereits bekannt. Inzwischen haben die Niederländer wegweisende Verträge mit namhaften Autozulieferern wie z.B. Delphi unterschrieben, einem der größten Autozulieferer der Welt. Der US-Konzern kauft bei der ehemaligen Philips-Tochter Halbleiter ein, mit denen Fahrzeuge einerseits untereinander sprechen können. Andererseits sind sie bald in der Lage, sich mit Ampeln, Geschwindigkeitsanzeigen oder sogar Baustellen auszutauschen. Dieses Geschäft wird 2016 starten und sich dann bis 2020 sprunghaft entwickeln. Es ist es das erste Mal, dass Chips für das vernetzte Auto in die Massenproduktion gehen. Erster Kunde von Delphi ist wiederum General Motors. Wer Geduld mitbringt, sollte mit NXP Semiconductors auf der langen Zeitschiene einen hohen Profit einfahren. Bitte an der Nasdaq ordern!

Auch zwei deutsche Zulieferer sind überdurchschnittlich mit an Bord - CONTINENTAL (WKN: 543 900; 220,75 €) und LEONI (WKN: 540 888; 59,58 €). Continental hatte die für das autonome Fahren wesentlichen Elemente wie Fahrzeugelektronik und Assistenzsysteme bereits früh für sich entdeckt und ist damit ebenfalls gut positioniert. Klar ist auch: Genauso wichtig sind eine funktionierende elektronische Vernetzung und eine entsprechende Verkabelung im autonomen Fahrzeug. Diese stellen gewissermaßen das Nervensystem des Autos dar. Kabellieferanten und Bordnetz-Experten wie Leoni dürfen sich auf gute Geschäfte freuen. Beide Titel haben eine glänzende Perspektive über die nächsten Jahre.

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