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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 22.02.2013

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 22.02.2013:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Wechselbad der Gefühle

7% hat der Dow Jones allein im Januar zugelegt. Normalerweise bezeichnet man ein Jahr, in dem der Index um 7% zulegen konnte, als ein gutes Jahr. Diesmal hat er es in nur einem Monat geschafft. Nach einem so fulminanten Start, liegt die Messlatte nun extrem hoch für die kommenden Meldungen. Und so werden positive Meldungen inzwischen gerade mal als Bestätigung des bereits erfolgten Kursanstiegs interpretiert. Negative Meldungen hingegen sorgen umgehend für einen Ausverkauf. Schauen wir uns mal die Ereignisse dieser Woche im Einzelnen an.

Unternehmensmeldungen waren überwiegend positiv

Insbesondere hier in Deutschland warteten viele Unternehmen mit guten Zahlen und optimistischem Ausblick auf. Diese Woche meldeten sich Bertrandt, Dürr, die Allianz und Fuchs Petrolub mit guten Quartalszahlen zu Wort. Die Deutsche Bank äußerte sich (zu) positiv über Air Berlin. Auf der anderen Seite brachte die Comdirect durchwachsene Zahlen, Pfeiffer Vacuum bricht der Umsatz in Asien ein und Lufthansa streicht die Dividende.

Hüben und drüben regen Mega-Deals die Phantasie der Anleger an. Warren Buffet kauft Heinz Ketchup. Dell wird von Gründer und CEO, gemeinsam mit einem Venture Capitalist, privatisiert und Vodafone hat Interesse an KabelDeutschland. Wenn Warren Buffet, Michael Dell und Vittorio Colao (CEO von Vodafone) die heutigen Preise als günstig ansehen, warum sollten dann wir Anleger verkaufen?

Vielleicht, weil die Rohstoffpreise einbrechen?

Brechen die Rohstoffpreise ein, weil die US-Notenbank Fed in ihrem gestern veröffentlichten Protokoll von möglichen Anpassungen des QE3 sprach (QE3 - Quantitative Easing, die dritte Liquiditätsspritze seit der Finanzmarktkrise)? Was ist Henne? Was ist Ei?

Die Fed hat eindeutig definiert, ein Inflationsziel von 2,5% und eine Arbeitslosenquote von 6,5% für erstrebenswert zu halten, und sie werde bis zum Erreichen dieser Ziele den Leitzins niedrig lassen. Zusätzlich zum niedrigen Zinsniveau läuft die Liquiditätsschwemme (QE3), die Fed kauft jeden Monat Immobilienkredite auf, sodass die Bankbilanzen entlastet werden. Dieses Programm kann jederzeit reduziert oder aufgestockt werden, auch wenn die Ziele noch nicht erreicht sind.

Im gestern veröffentlichten Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung steht ein Kommentar, das einige Mitglieder bei der nächsten Sitzung gerne über mögliche Anpassungen in diesem Programm sprechen möchten. Dieser Kommentar wird nach den 7% Kursgewinn im Januar nun erst einmal negativ interpretiert: Die Liquiditätsschwemme könnte abebben, die Börsen würden austrocknen und die Kurse fallen.

Nicht bedacht wird bei dieser Interpretation, dass QE3 nur dann reduziert würde, wenn die Konjunkturverfassung dies zulässt. Es wäre also ein Zeichen, dass QE3 nicht mehr so stark benötigt wird wie zuvor. Die Wirtschaft ist gesundet!

Es ist schon extrem, wie Fed-gläubig die US-Investoren sind

Unternehmensmeldungen oder Konjunkturdaten werden kaum mehr zur Kenntnis genommen, die Möglichkeit einer Konjunkturbelebung durch gut wirtschaftende Unternehmen wird völlig verdrängt. Einzig der Fed wird die Fähigkeit zugesprochen, einen Konjunkturaufschwung herbeizuführen.

Warum aber sind die Rohstoffpreise eingebrochen? Gold -3,3%, Öl -3,2% und Kupfer gar -4,6%! Nun, aus China bekommen wir inzwischen gemischte Daten. Der Immobiliensektor in China war Anlass für die restriktivere Geldpolitik Chinas vor zwei Jahren, das Wirtschaftswachstum wurde in Folge dessen von 12% p.a. auf 7% p.a. gedrosselt. Nun zeigt sich dennoch ein recht robuster Immobilienmarkt, und in den vergangenen Tagen kamen Befürchtungen auf, China müsse erneut restriktive Maßnahmen für den Immobilienmarkt umsetzen. Der chinesische Aktienindex hat seinen größten Kursverlust seit zwei Jahren erlitten.

China, das eigentlich die Weltkonjunktur aus dem Sumpf ziehen soll, hat also selber Probleme. Gleichzeitig waren auch die Konjunkturdaten aus Deutschland nicht so gut wie erhofft. Niemand erwartet derzeit gute Zahlen aus den Club-Med Ländern, aber Deutschland ist die Lokomotive Europas und darf sich keine Schwäche erlauben. So war der Rückgang des Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2012 um 0,6% zwar befürchtet worden, aber letztlich die Gewissheit, dass auch Deutschland in eine Rezession schliddert.

Mitten in diese spannungsgeladene Atmosphäre kommt nun ein US-Investor und schreibt einen offenen Brief an die Franzosen: "Ihr seid faul" ist der pauschale Vorwurf des Investors, der kurz zuvor abgelehnt hatte, eine Goodyear-Produktion zu kaufen. Die Franzosen arbeiten seiner Behauptung zufolge nur drei Stunden am Tag, den Rest trinken sie Kaffee und plauschen mit Kollegen.

Der Vorwurf stimmt so natürlich nicht, aber ein wenig Wahres mag da schon dran sein. Und dieser Vorwurf schmerzt in einer Zeit, in der Deutschland seinen EU-Partnern vorwirft, doch endlich die Hausaufgaben zu machen. Vielleicht hat der US-Investor bei Thilo Sarrazin abgeschrieben :-) Es bleibt jedoch für internationale Anleger der fade Nachgeschmack, dass Investitionen in Frankreich nicht zu ertragsstark sein könnten, wie in Ländern mit besserer Arbeitsmoral.

Frankreich unter Beschuss, schauen wir mal nach Italien

Dort wird an diesem Wochenende gewählt, und der 75-jährige el Cavaliere steht wieder mal zur Wahl. Er muss nicht einmal gewinnen, allein seine Präsenz sorgt für Unruhe und für die Angst, dass er ein paar für die Fortsetzung des Reformkurses notwendige Stimmen klauen könnte. Gerät der Reformkurs des Mario Monti in Italien ins Stocken, so befinden wir uns ganz schnell wieder in der Euro-Schuldenkrise.

Danach sieht es derzeit nicht aus, doch als vorsichtiger Anleger wartet man lieber bis nach diesem Wochenende bevor man in europa investiert, um Gewissheit zu haben.

Und dann ist da noch Japan, die sich verhalten wie in der Endphase eines Währungskrieges. Klar, auf dem G20-Treffen hat man sich gegenseitig zugesichert, keine Währungsabwertungen vorzunehmen, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den anderen unfair zu verbessern. Nein, aus diesem Grund macht man das also nicht. Man macht das einfach nur aus dem Grund, um die eigene Wirtschaft anzukurbeln, um aus der Deflationsspirale herauszukommen und flutet daher die Märkte mit Liquidität. Abwertungen der Währungen werden in dieser Interpretation dann als Kollateralschäden hingenommen. Das Kind hat nun also einen anderen Namen.

Schauen wir also einmal, wie sich die wichtigsten Indizes in dieser sich langsam zuspitzenden Situation verhalten haben:

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES


DAX und Dow Jones kommen mit einem moderaten Minus über die Runden, während der japanische Nikkei, dank der Liquiditätsschwemme, kräftig ansteigen kann. Scheint als hätte Japan im Währungskrieg die Nase vorn. Immerhin ist der Yen erstmals nicht stärker abgewertet, als der Nikkei angestiegen ist.

Die Anleihen gewinnen in dieser Situation wieder etwas an Wert, die Rendite sinkt. Auch hier zeigt sich, dass die gemischten Konjunkturdaten aus China und Deutschland Anleger wieder zu mehr Vorsicht mahnen. Gewinne aus dem Aktienmarkt wurden realisiert und das Geld im Anleihemarkt geparkt.

Erschreckend ist tatsächlich der starke Einbruch von Gold, Öl und Kupfer. Öl und Kupfer zeigen den nachlassenden Konjunkturoptimismus korrekt an. Der Goldpreiseinbruch hingegen, passt nicht zur aktuellen Stimmung. Ich werde im Kapitel 04 näher auf den Goldpreis eingehen.
 

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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