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Veröffentlicht von CURT L. SCHMITT Informationsdienste am 18.08.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 18.08.2011:

Börsenbrief Frankfurter Börsenbrief
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CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Was wäre eigentlich wenn... Deutschland den Euro- verbund verlassen würde?

Zugegebenermaßen ist dies zunächst (!) ein hypothetisches und politisch kaum greifbares Gedankenspiel. Auch ergab sich diese Fragestellung bisher kaum, ging es doch in der bisherigen Diskussion eher um die Option, dass ein „Sünderland“ wie Griechenland den Euro-Club verlässt. Immerhin war hier auf dem Weg in die Währungsunion nach Strich und Faden geschummelt worden.

 

 

Doch dieses Szenario ist unwahrscheinlich oder wäre, wenn überhaupt,  dann nur mit brachialen Maßnahmen umsetzbar. Dazu würde wohl gehören, das Kapital über Kapitalverkehrskontrollen im Inland zu behalten und die Freizügigkeit massiv einzuschränken. Würde man die Staatsverschuldung nicht „per Dekret“ in den Drachmen oder eine ähnliche Währung umschreiben, würde der Schuldenberg explodieren, denn natürlich würde eine Drachme massiv abwerten (grob geschätzt um 50 bis 60%).Dazu käme der gleiche Effekt für die private Verschuldung im Ausland und beispielsweise auch die Finanzierung der Banken bei der EZB. Kurzum: Auch wenn der politische Druck nicht unbegrenzt durchzuhalten ist, wäre ein Ausscheren eines Problemlandes aus dem Euroverbund mehr oder weniger ein wirtschaftlicher Infarkt mit Langzeitwirkung.

Für Deutschland indes ergäbe sich eine differenzierte Ausgangslage, bei der es durchaus auch positive Aspekte gäbe. Deutschland hat ein erhebliches Konjunkturpotenzial in der Binnennachfrage. Immerhin lag das Geldvermögen der Deutschen per Ende 2010 nach einem Zuwachs von etwa 5 % bei 4,93 Bill. €. Doch der eigentliche Impuls, Wachstumsund Phantasieträger, kam und kommt aus dem Außenhandel. Nach dem tiefen Knick im Jahr 2009 ging es im letzten Jahr bei den Ausfuhren um 19,4 % aufwärts. Über 71 % der deutschen Exporte im letzten Jahr entfielen auf Europa, 60,3 % entfielen auf die 26 EU-Länder, davon wiederum grob zwei Drittel gingen in die Eurozone. In einem einheitlichen Währungsraum ergibt sich für die Exportunternehmen wesentlich mehr Planungssicherheit in den Kalkulationen und mithin weniger Kosten für Kursabsicherung. Auch profitierte Deutschland vom relativ niedrigen Kursniveau des Euro, was die eigene Wettbewerbsfähigkeit massiv stärkte. Dieser Effekt würde natürlich entfallen oder sich reduzieren, zumindest insoweit die Unternehmen nicht in der Lage wäre, die Rechnungen in D-Mark zu schreiben.

Eine D-Mark auf „Stand Alone“-Basis wäre innerhalb kürzester Zeit etwa 30 bis 40 % teurer gegenüber dem Dollar. Das hieße im jetzigen Euro gerechnet etwa 1,92 Dollar je Euro bzw. nachdemalten D-Mark-Umrechnungskurs grob gerechnet die Parität zwischen Dollarund D-Mark. Für die deutsche Exportwirtschaft wäre dies unweigerlich ein massiver Gegenwind in der Wettbewerbsfähigkeit. Allerdings würde Deutschland auch weiterhin von seiner technologischen Stärke profitieren sowie auch vom Geschäftsmodell und der Ausrichtung in der Produktpalette auf entwickelnde Volkswirtschaften mit ihrem immensen Bedarf an anspruchsvoller Produktionstechnik, Anlagen, Maschinen usw. Mit zunehmendem Service Anteil könnte Deutschland seine Stärke hier noch weiter ausspielen. Die wettbewerbs schwächeren europäischen Peripherie-Länder würden dadurch einen enormen Schub in ihrem jeweiligen Außenhandel erhalten.

Eine solche D-Mark-Aufwertung hieße reziprok eine massive reale Abwertung deutscher Euro-Schulden. Denn die ausstehenden Verbindlichkeiten müssten nicht obligatorisch in DM transferiert werden. Die deutsche Staatsverschuldung liegt derzeit bei etwa 2,034 Bill. € (also etwa 3,978 Bill. D-Mark zum seinerzeitigen Umrechnungskurs). Bei der oben dargestellten Aufwertung der D-Mark würde der Schuldenberg in D-Mark gerechnet (ohne einen einzigen Euro Tilgung) also mal eben um ca. 432 Mrd. € (bzw. 845 Mrd. D-Mark nach dem alten Umrechnungskurs) sinken und die deutsche Staatsverschuldung in D-Mark gerechnet würde in dem Fall auf etwa 64 % (gegenüber aktuell etwa 83,2 %). Dazu käme, dass das ohnehin völlig nach unten verzerrte Zinsniveau sogar noch weiteres Potenzial nach unten hätte, angesichts des reinrassigen Status als „Sicherer Hafen“. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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