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Veröffentlicht von CURT L. SCHMITT Informationsdienste am 08.09.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 08.09.2011:

Börsenbrief Frankfurter Börsenbrief
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CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Was bedeutet in diesen Tagen „Triple A“?

Diese Frage mag offensichtlich erscheinen, aber sie könnte für die internationale Wahrnehmung Deutschlands einen neuen Blickwinkel bringen. Ob daraus Kapitalverlagerungen und damit auch Bewegungen an den Devisenmärkten werden, wäre die Frage. Halten wir fest: Die derzeit wesentliche Betrachtungsgröße für die Bewertung von Staatsverschuldungen ist die Relation von Staatsschuld zu Wirtschaftsleistung. Maastricht sah eine Obergrenze bei 60 % vor. Derzeit liegen die Länder der Eurozone im Schnitt eher bei etwa 90 %, und nur 5 der 17 Länder liegen unter der Grenze. Damit wird das Staatsschuldenthema ähnlich behandelt wie die Verschuldungssituation in einem Unternehmen. Im klassischen Rahmen und inkl. der früheren Mechanismen war dies eine Hilfsgröße, die auch durchaus als Orientierungsgröße Sinn machte. Doch die letztliche Kausalität ist etwas anders gelagert.

 

„Triple A“ bedeutet letztlich eine generelle und absolute Sicherheit für die Rückzahlung und Bedienung von Schulden. Ist ein Land einmal zu solch einer „Institution“ geworden, ist der Prozess schwer rückgängig zu machen, ohne Marktverwerfungen zu riskieren. Viele Adressen bauten auf die Unverbrüchlichkeit einer solchen Qualifizierung, und das Universum von „Triple A“-Anlagen ist zu klein. Letztlich ist ein echtes „Triple A“ für ein Land nur dann gegeben, wenn ein Land oder Währungsraum in seiner eigenen Währung autonom und flexibel „Geld schaffen“ kann. Auf diese Weise ließen sich im negativen Extremfall Staatsschulden monetarisieren. Die Notenbank würde also sozusagen Geld drucken und damit den Staat finanzieren oder zumindest indirekt die Rückzahlung der Verbindlichkeiten garantieren. Damit verbunden ist natürlich das Risiko eines Vertrauensschadens, und nur sehr wenige Länder auf dem Globus könnten sich einen solchen Weg leisten. Aber die Anleger, in diesem Fall besonders institutionelles Geld, erhielten zumindest die Sicherheit, den Nominalwert und den Zins unabhängig von allen anderen Variablen zurückzuerhalten. Man hätte zwar immer noch ein Währungsrisiko (dies ließe sich gegebenenfalls absichern), ein Zinsänderungsbzw. Kursrisiko usw., aber eben kein klassisches Ausfallrisiko mehr, zumindest wenn das politische System nicht kippt. Der feste Yen und das niedrige Zinsniveau in Japan bei hoher Staatsverschuldung und letztlich auch das QE2-Manöver in den USA zeigen auf, dass eine solche Strategie nicht zwangsläufig in eine schwache Währung oder eine große Inflation münden muss. Ob dies langfristig wirklich gesund ist, erscheint zweifelhaft, aber zunächst einmal läuft die „Maschine“ weiter. Für Europa gilt das nicht:

Die europäische Maschine ist buchstäblich stehen geblieben. Die Disziplin bzw. Sparfähigkeit einzelner Länder ist unzureichend. Die Nachfrage nach spanischen und italienischen Neuemissionen ist (trotz Schützenhilfe der EZB) nur mager. Das private Kapital ist also offensichtlich nicht bereit, weiteres Kapital zur Verfügung zu stellen, der europäische Bankenapparat ächzt unter den Risiken. Und das gegenseitige Misstrauen in der Bankenbranche wundert nicht. In dieser Gemengelage ist die EZB mehr oder weniger eine Getriebene. Der politische Rahmen Europas hinter der EZB ist so zerfranst, dass letztere zwar hier und da kleinere Stellschrauben ansetzen kann. Aber letztlich ist sie im bisherigen System nicht in der Lage, die Rückzahlung von Staatsschulden einzelner Länder nach der obigen Definition sicherzustellen. Auch die Idee von Eurobonds ist letztlich kaum mehr als eine Totgeburt, sofern das Rating tatsächlich, wie von Standard & Poor ́s angedroht, auf Ramschniveau liegen würde.

Denkt man diese Kausalität weiter durch, dann wäre es durchaus denkbar, dass auch die Top-Bonität Deutschlands in die Diskussion kommt. Nicht weil unser Schuldenstand zu hoch ist oder die Haushaltspolitik unsolide erscheint, sondern schlicht, weil die Durchgriffsmöglichkeit für den Extremfall fehlt. Ein politischer Linksruck (Stichwort Landtagswahlen in MecklenburgVorpommern) könnte diesen Eindruck verstärken und zusätzliche Kratzspuren in der Wahrnehmung Deutschlands beim internationalen Kapital verursachen. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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