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Veröffentlicht von Redaktion "Actien-Börse" am 14.01.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 14.01.2010:

Börsenbrief Actien-Börse
Actien-Börse

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1963

Unterscheiden Sie also in den nächsten Wochen zwischen den langen Trends und den kurzfristigen Risiken

Denn in der kommenden Woche beginnen auch die ersten deutschen Firmen mit ihren Berichten für 2009 und dem erwähnten Ausblick für 2010. Der Energiesektor hat die Chance, eine Sonderrolle zu spielen. Nach Kopenhagen setzen sämtliche Energieversorger die Akzente neu, als erster RWE. Zu unterscheiden ist: Die Versorger sind die Investoren und späteren Betreiber.

Die Industrie sind die Technologie-Lieferanten, z. B. SIEMENS und alle kleineren. RWE wird sich neu erfinden. Erstmals seit 80 Jahren, als mit Hugo Stinnes ein Unternehmer der wichtigste Mitgründer war, sind jetzt beide Spitzenpositionen von Unternehmern besetzt. Herrn Grossmann als CEO (selbst Stahlunternehmer) und Manfred Schneider als AR-Vorsitzender (Ex- Chef von BAYER). Bis dahin wurde das RWE von Halbunternehmern, Beamten und Juristen geleitet und stand mehr oder weniger komplett unter dem Eindruck der jeweiligen Sonderwünsche kommunaler Aktionäre des Ruhrgebietes. Das RWE bereinigt z. Zt. 10 Jahre falsche Investments, vor allem in der Wasserversorgung in den USA und sonstige Spielereien, die zu dicken Verlusten führten, worüber in Düsseldorf/Essen wenig gesprochen wird. Der an den Kapitalkosten orientierte Verlust dieser Fehlinvestitionen wird auf 12 bis 14 Mrd € veranschlagt. Bester Gewinner aus dieser Kapitalvernichtung war der Vorgänger des jetzigen CEO: Er kassierte für diese Leistung insgesamt rd. 20 Mio € (Gehalt plus Boni). Gut gemacht, oder? Das konnten noch nicht einmal die Banker! RWE verfügt über ein investiertes Kapital von bereinigt um 50 Mrd €. Das Anlagevermögen beziffert sich netto auf ca. 35 Mrd € (nach Devestitionen). Der Konzernumsatz kann mit 45 Mrd € angesetzt werden. Die Lohnquote liegt bei 9 %. Der bereinigte Cash-flow ist mit 5 bis 5,2 Mrd € anzusetzen. Der geschätzte Gewinn müsste nach gleicher Rechnung zwischen 2,7 bis 3 Mrd € liegen. Alle Zahlen sind Proforma gerechnet, also nach Rückzug aus den verschiedenen Fehlinvestments. Inkl. Essent/Holland, wofür 7,3 Mrd € ausgegeben werden, steigen die neuen Ziele für das RWE auf 50 Mrd € Umsatz mit über 6 Mrd € Cash-flow. Die neue Stoßrichtung heißt klassische Energieerzeugung und alternative Energie bis 20 % des Konzernumsatzes. Diese Zahl läßt sich nicht vor 5 Jahren realisieren. Unternehmenskäufe scheiden aus, und der Aufbau der Windkraftparks benötigt Laufzeiten zwischen 5 und 7 Jahren. Sicher ist damit: Knapp zwei Drittel des künftigen Umsatzes entfallen auf Strom, 28 % auf Gas und 3 % auf Öl (DEA). Bevor RWE viel Geld falsch investierte, betrug der Umsatz 42 Mrd € bei 3,3 Mrd € Cash-flow und der Börsenwert lag um 26 Mrd €. Die genannten 50 Mrd € haben jetzt einen Börsenwert von 35 Mrd € oder das 3,5fache des offenen Eigenkapitals. Wie viel Bewertungsreserven stecken in der klassischen Stromerzeugung, speziell in Braunkohle und KKW, wofür die Reserve in der Braunkohle für 240 Jahre reicht? Die direkten Anlageinvestitionen des RWE betrugen in den letzten 5 Jahren zusammen rd. 20 Mrd €, die zu etwa 60 % über Abschreibungen finanziert wurden. Nach dem Rückzug aus den Fehlinvestitionen dürfte der Zinssaldo gegen Null tendieren. Der Spielraum für neue Investitionen ist nicht üppig, liegt aber zwischen 7 bis 10 Mrd € unter Nutzung der eigenen Liquidität plus ordentlichem Fremdkapital. Damit ist RWE in der Lage, die Gesamtkapazität um etwa 20 bis 24 % auszuweiten. Dann wäre das RWE wieder das, was es immer war: Der größte Stromerzeuger des Landes. Unsere Einschätzung lautet: Das RWE ist kein schneller Renner. Mit einer Rendite von ca. 6,6 % ist der Ertrag höher als in jeder Bundesanleihe. Das Korrekturrisiko dürfte kleiner sein als im Gesamtmarkt, weil das RWE weniger als andere von Investoren favorisiert wurde. Die Spitzenkurse von einst sind mindestens eine Orientierung: 98 bis 102 € je Aktie gegen aktuell 68 €. Das ergibt einen runden 50 %-Kapitalgewinn für eine Laufzeit von 2 Jahren. Anmerkung: Das RWE steht in dieser Bewertung nur in Konkurrenz zu E.ON. Auch hier steht ein Managementwechsel bevor, auf den wir noch eingehen. Der alte wird elegant entsorgt.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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