Tanklagerkapazitäten für Rohöl: Ein einträgliches Geschäft!

Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 15.04.2015
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

Aktionärsbrief

Seit Monaten ist der Weltmarkt überversorgt mit Öl, während die Nachfrage eher schwächlich ist. Das hat dazu geführt, dass die weltweiten Lagerkapazitäten annähernd erschöpft sind. Die Ursachen der Ölschwemme sind vielfältig. Zum einen wird zu viel Öl gefördert. Weltweit dürfte der tägliche Angebotsüberschuss bei 1 bis 1,5 Mio. Barrel liegen. Der Impuls für dieses Überangebot war der Fracking-Boom in den USA. Das massenhaft geförderte Schieferöl ließ die Ölproduktion in den Vereinigten Staaten 2014 so dynamisch wachsen wie seit über hundert Jahren nicht mehr.


Diesem Überangebot steht eine zögerliche Nachfrage gegenüber. Weltweit zeigt die Konjunktur Abkühlungstendenzen oder eine nur sehr träge Belebung. Aber auch Effizienzsteigerungen, die besonders in den westlichen Industrienationen zu einem nachlassenden Ölverbrauch führen, dämpfen die Nachfrage.

All das hat den Ölpreis seit dem vergangenen Sommer implodieren lassen. Das hat nun Akteure auf den Plan gerufen, die überzeugt sind, dass es sich lohnt, zu den niedrigen Preisen Öl zu kaufen und zu bunkern, um es dann zu einem späteren Zeitpunkt zu einem höheren Preis wieder zu verkaufen. Begünstigt wird das Ganze dadurch, dass Öl mit Liefertermin in der Zukunft teurer ist als Öl zur sofortigen Lieferung. Die Terminkurse liegen also über dem Spot-Preis. Diese Konstellation wird „Contango“ genannt. Ein Beispiel: An der New Yorker Rohstoffbörse NYMEX kostet ein Barrel Rohöl der Sorte WTI zur Lieferung im Mai derzeit knapp 50 $, während ein Barrel zur Lieferung in einem Jahr über 58 $ einbringt.

Aber auch in anderer Hinsicht sind die Akteure im Ölgeschäft spitzfindig. So werden viele Öltanks mehr befüllt als ursprünglich vorgesehen. Üblicherweise sind 3 bis 5 % des Tankvolumens als Sicherheitspuffer vorgesehen, um bei Erwärmung ein Überlaufen des Tanks zu verhindern. Dieser Überlaufschutz wird mittlerweile zumindest zu einem Teil mitverwendet. Konsequent angewandt, könnten auf diese Weise allein in den USA rund 20 Mio. Barrel mehr gelagert werden.

Die knappen Lagerkapazitäten für Rohöl haben die CME Group zur Schaffung eines neuen Finanzinstruments bewogen. CME, der Betreiber der NYMEX, hat einen Öllager-Future geschaffen. Dieser gibt dem Käufer das Recht, aber nicht die Pfl icht, für einen Monat 1.000 Barrel Öl in Tanks in Louisiana zu lagern. Monatlich werden 7.000 Kontrakte versteigert. Vorletzte Woche war Premiere. Der Mai-Future wurde zu einem Kurs von 120 $ gehandelt.

Damit ist der Erfi ndungsreichtum der Branche aber noch längst nicht erschöpft. Sogar auf Schiffen wird mittlerweile das Öl zwischengelagert. Das „Wall Street Journal“ zitierte zuletzt Schiffsbroker, nach deren Aussage derzeit Öltanker mit einer Kapazität von insgesamt 30 Mio. Barrel zu Lagerzwecken vermietet sind. Dieser Trend hat sich insbesondere in den letzten Wochen dynamisiert. Allerdings ist diese Art der Lagerung deutlich teurer als an Land. Société Générale hat errechnet, dass mindestens ein Contango von 11 $ pro Fass benötigt wird, damit die Lagerung auf Schiffen überhaupt profitabel ist. Wie kann der Anleger am Lagergeschäft für Rohöl partizipieren?

Eine der besten Möglichkeit ist sicherlich die Aktie der KONINKLIJKE VOPAK (A1C YGK; 53,12 €) aus den Niederlanden. Hierbei handelt es sich um den weltweit größten Betreiber von Tanklagern. Vopak betreibt in 28 Ländern 78 Terminals mit einer Gesamtkapazität von 34 Mio. Kubikmeter. Erst im laufenden Jahr dürfte das Lagergeschäft mit dem billigen Rohöl so richtig auf die Zahlen durchschlagen. Der Umsatz wird laut Analystenschätzungen um gut 6 % steigen, während der Gewinn je Aktie sogar 30 % höher bei 2,53 € erwartet wird.

PLAINS ALL AMERICAN PIPELINES (917 437; 49,39 $) betreibt Pipelines in den USA. Zudem verfügt man in Cushing, Oklahoma, mit einer Kapazität von 35 Mio. Barrel eines der größten Tanklager der Vereinigten Staaten. In Cushing wird Öl der Sorte Western Texas Intermediate (WTI) gelagert. Werden WTI-Terminkontrakte fällig, erfolgt die Lieferung in Cushing. Deshalb ist die ansonsten eher unbedeutende Stadt der Hauptumschlagplatz für Erdöl in den USA. Die Lagerkapazitäten dort summieren sich auf ca. 80 Mio. Barrel, doch selbst das hat sich oft genug als Flaschenhalsfaktor erwiesen.

Bei den Öltankerunternehmen fällt NORDIC AMERICAN TANKERS (394 869; 12,44 $) positiv auf. Die Firma hat ihren Sitz in Norwegen. NAT betreibt 24 Öltanker der „Suezmax“-Größe, also Schiffe, die so groß sind, dass sie in beladenem Zustand gerade noch den Suez-Kanal passieren können. Aufgrund der erfreulichen Marktlage kann NAT seine Schiffe derzeit für 35.000 $ pro Tag vermieten. Die Gewinnschwelle liegt bei 12.000 $. NAT profi tiert auch von der Tatsache, dass derzeit wegen des US-Schieferölbooms westafrikanisches Öl weniger nach Nordamerika, sondern mehr nach Asien verschifft wird.

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