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Veröffentlicht von Redaktion "BÖRSE am Sonntag" am 14.06.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 14.06.2009:

Börsenbrief BÖRSE am Sonntag
BÖRSE am Sonntag

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

STADA: Geht die Rally weiter?

Seit dem Mehrjahrestief im März dieses Jahres schnellte der Aktienkurs des Pharmakonzerns STADA um fast 90% in die Höhe. In den vergangenen vier Wochen kämpfte das Papier mit einer Widerstandszone im Bereich von 17,85 und 18,60 Euro, konnte diese aber noch nicht überwinden. Ein Ausbruch darüber spräche aus charttechnischer Sicht für weitere Zuwächse. Können vielleicht die jüngst bekräftigten Ziele für 2009 die nötigen Impulse liefern?

Firmenlenker Hartmut Retzlaff betonte auf der Hauptversammlung am Mittwoch: „STADA ist kein Unternehmen in der Krise“. Er erläuterte außerdem, dass für das laufende Geschäftsjahr, mit einer weiteren Geschäftsbelebung im zweiten Halbjahr, unverändert die Chance besteht, nicht nur das bereinigte, sondern auch das ausgewiesene Umsatzniveau des Vorjahres zu erreichen und sogar zu übertreffen. Deutschlands drittgrößter Generikahersteller peilt beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) unverändert einen Wert von 250 Mio. Euro an. Bei der erwarteten Belebung im zweiten Halbjahr ist es den Angaben zufolge sogar durchaus möglich, wieder das Gewinnniveau von 2008 zu erreichen und zu überschreiten. Im vergangenen Jahr hatte STADA mit 1,65 Mrd. Euro (+5%) Umsatz einen neuen Rekord erzielt und wuchs damit bereits das 13. Jahr in Folge. Bereinigt um Akquisitionen, Desinvestitionen sowie Währungseffekte war es 1% Plus. Das EBITDA ging indes um 11% auf 255,4 Mio. Euro zurück und der Nachsteuergewinn verringerte sich um 27% auf 76,2 Mio. Euro. Um Sondereffekte bereinigt lagen das EBITDA bei 294,3 Mio. Euro (-7%) und der Profit bei 116 Mio. Euro (-20%). Zuversichtlich für das laufende Geschäftsjahr stimmt den Vorstand auch das gute Abschneiden von STADA bei den Rabattverträgen mit den Allgemeinen Ortskrankenkassen AOK, die seinen Worten zufolge eine Ausweitung des Marktanteils am deutschen Generikamarkt wahrscheinlich erscheinen lässt.


Patentfreie Wirkstoffe

STADA konzentriert sich im Gesundheits- und Pharmamarkt auf die Entwicklung und Vermarktung von Produkten mit patentfreien pharmazeutischen Wirkstoffen. Die Hessen betreiben dabei mit Blick auf Kosten und Risiken bewusst keine eigene Forschung, sondern setzen auf Präparate, die ohne gewerbliche Schutzrechte zugänglich sind. Diese sogenannten Generika sind meist preisgünstiger, weshalb sie auch bei Konsumenten oder dem staatlichen Gesundheitswesen gern als Alternativen genommen werden. STADA setzt mit seiner Strategie dabei weltweit auf wachsende Märkte und verfügt über ein internationales Netz lokaler und somit marktnaher Vertriebsgesellschaften. Das Geschäft mit Generika trug im ersten Quartal 2009 etwa 72% zu den Umsätzen bei.


Langfristige Wachstumspotenziale

Die zweite große Konzernsäule ist der Bereich Markenprodukte mit einem Umsatzanteil von etwa 24,5%. Auch hier liegt der Fokus auf Produkten mit patentfreien Wirkstoffen. Bekannte Präparate sind Grippostad (Mittel gegen Erkältung) und Mobilat (gegen Schmerzen und Schwellungen). Nach Angaben von STADA zeichnet sich auch das Segment Markenprodukte durch langfristiges Wachstumspotenzial aus, da sich hier ebenfalls wesentliche wachstumsfördernde Trends wie die zunehmende Lebenserwartung bemerkbar machen sollten. Allerdings hängt dieses Segment stärker von konjunkturellen Einflüssen in einzelnen nationalen Märkten ab, da die Präparate oft von den Patienten selbst bezahlt und nicht oder nur bedingt erstattet werden. Trotzdem können auch Markenprodukte von regulatorischen Eingriffen wie beispielsweise veränderten Erstattungsregeln oder Vorgaben zur Preisfindung betroffen sein, allerdings mit geringerer Frequenz und weniger ausgeprägten operativen Folgen als im Segment Generika.


Gutes Quartal


Mit seinen beiden Kernsegmenten besitzt der Konzern zwei starke Säulen, mit denen der profitable Wachstumskurs der vergangenen Jahre künftig fortgesetzt werden sollte, auch wenn es aktuell dämpfende Faktoren gibt. Die im Mai vorgelegten Quartalszahlen konnten dennoch überzeugen. So verringerten sich die Umsätze im Zeitraum Januar bis März zwar um 6% auf 375,9 Mio. Euro und waren damit erwartungsgemäß rückläufig, um Akquisitions- und Desinvestitionseffekte, Ab- und Aufgabe von Geschäftsaktivitäten sowie Währungseffekte bereinigt, verbesserten sie sich jedoch um 4%. Das Segment Generika erreichte dabei mit 269,5 Mio. Euro das Niveau des Vorjahresquartals von 269,4 Mio. Euro. In dem Segment Markenprodukte gab es ein Umsatzplus von 4% auf 92 Mio. Euro, bereinigt waren es sogar 10% Zuwachs. Die Wirtschaftskrise hat damit bisher nicht zu einer Nachfragedämpfung für die überwiegend von Patienten selbst gezahlten Markenprodukte des Konzerns geführt. Das EBITDA verringerte sich im ersten Quartal um 12% auf 67,5 Mio. Euro. Unter dem Strich verdiente die Gesellschaft mit 24,1 Mio. Euro rund 20% weniger. In den Ertragskennzahlen enthalten sind jedoch sowohl einmalige Sondereffekte als auch nicht operativ bedingte ertragsbeeinflussende Effekte aus Währungseinflüssen und Zinssicherungsgeschäften. Ohne diese Faktoren verringerte sich das EBITDA um 11% und der Nachsteuergewinn um 13%.


Fazit:

Für den Medikamentenhersteller STADA gibt es strukturelle und operative Wachstumschancen. Dazu gehören die immer älter werdende Bevölkerung und der zunehmende Kostendruck im staatlichen Gesundheitswesen, weshalb Generika immer häufiger als Alternative eingesetzt werden. Dabei sorgt der stetige Ablauf von Patenten oder anderen gewerblichen Schutzrechten immer wieder für eine Ausweitung des Produktportfolios. Durch das rasante Wachstum des Generikamarktes und den dort vorhandenen Wachstumschancen werden jedoch auch immer mehr Pharmakonzerne auf dieses Gebiet aktiv, was den Wettbewerb erhöht und künftig den Preisdruck verstärken könnte. Daneben ist der Pharmamarkt stark von regulatorischen Einflüssen geprägt, was ebenfalls den Druck auf die Preise erhöht. Wie die Vergangenheit gezeigt hat, gibt es dabei immer wieder gesundheitspolitische Eingriffe, wie durch vom Staat verlangte Preissenkungen, die dämpfend auf die Geschäfte einwirken können. Allerdings können staatliche Eingriffe auch positive Effekte haben, z.B. in Form von Anreizen für die Verordnung von preisgünstigeren Generika. Neben diesen branchenspezifischen Unwägbarkeiten stellt aktuell die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise eine Herausforderung dar. Das Geschäftsmodell von STADA ist jedoch unserer Meinung nach stabil genug, sodass auch künftig profitables Wachstum möglich ist. Sollte es der Aktie daher nun gelingen, ihre Widerstandszone von 17,85 bis 18,60 Euro nachhaltig zu überwinden, können spekulative Käufe in Erwägung gezogen werden. Anschließend sollte dann eine Absicherung bei spätestens 16,50 Euro erfolgen.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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