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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 17.03.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 17.03.2010:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Solar-Fabrik braucht stark anziehende Nachfrage um den Liquiditätsengpass zu überwinden

Die Solar-Fabrik hatte einen strategischen Fehler gemacht: Sie hat eine eigene Silizium-Fabrik in Südostasien aufgebaut. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als Silizium rar und teuer war. Sodann folgte der Siegeszug der Dünnschichttechnologie, die mit einem Bruchteil von Silizium auskommt, sowie die Finanzkrise, in deren Umfeld der Siliziumpreis einbrach. Silizium gibt es wie Sand am Meer - Silizium ist nämlich Sand.

Der Engpass entstand aufgrund der Herstellungskapazitäten und ist inzwischen nicht mehr vorhanden. Die teure Investition seitens der Solar-Fabrik wurde inzwischen wieder verkauft und der Verlust wurde abgeschrieben.

Gleichzeitig ist der Markt für Solarmodule eingebrochen: Die Solar-Fabrik konnte aufgrund der hohen kalkulatorischen Kosten für Silizium keine wettbewerbsfähigen Solarmodule anpreisen. Die Produktion stand zum Teil still, die Lagerhallen sind voll mit Modulen. Der Vorratsbestand ist im Septemberquartal des vergangenen Jahres um das Fünffache angestiegen. Hohe Lagerbestände binden Kapital.

Alte Solarmodule können zu einem späteren Zeitpunkt teilweise nicht mehr kostendeckend verkauft werden, so entsteht hier nochmals ein Verlust, wenn der Lagerbestand abgeschrieben wird. Der freie Cashflow hat sich aufgrund dieser Kapitalbindung sehr negativ entwickelt, die liquiden Mittel sind von 26 Mio. auf 1,8 Mio. Euro gefallen - für ein Unternehmen wie die Solar-Fabrik bedeutet das, dass es praktisch von der Hand in den Mund lebt. Während die langfristigen Verbindlichkeiten leicht zurückgegangen sind, stiegen die kurzfristigen Verbindlichkeiten stark an. Ich interpretiere daraus, dass die Solar-Fabrik keine langfristigen Finanzierungen mehr auf die Reihe bekommt, sondern stets nur kurzfristige Verlängerungen der Rahmenkredite erhält.

Die beschleunigte Förderkürzung erhöht den Druck auf die Preise für Solarmodule, so dass auch künftig vielleicht ein Anziehen der Nachfrage, jedoch keine Entlastung beim Preisdruck zu erwarten ist. In meinen Augen ist die Zukunft der Solar-Fabrik sehr kritisch zu sehen. Das Unternehmen braucht dringend neue langfristige Kredite, bekommt diese jedoch nicht. Irgendwann werden die Banken den Hahn zudrehen, wenn nicht eine Trendwende erfolgt - und diese Trendwende erwarte ich eben nur im Volumen-Bereich, nicht im Preis. Unternehmensangaben zufolge bessert sich die Ergebnislage im laufenden Jahr, doch ich fürchte, dass dort eine Menge Zweckoptimismus in der Prognose enthalten ist.

Ein Ausweg könnte der Weg sein, den Solon beschreitet: Solon hat in Aussicht gestellt bekommen, vom Deutschlandsfonds Bürgschaften und Kredite zu erhalten, weil die Probleme der Solarbranche unmittelbar auf die Finanzkrise zurückzuführen sind.  Sollte Solon erfolgreich sein, könnte eine solche Hilfe auch für die Solar-Fabrik in Frage kommen. Doch das ist ein Halm, an den man sich hier klammern würde. Insgesamt ist die Situation kritisch und ich würde die Aktien nur noch als sehr spekulative Position betrachten.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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