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Veröffentlicht von Redaktion "BÖRSE am Sonntag" am 22.03.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 22.03.2009:

Börsenbrief BÖRSE am Sonntag
BÖRSE am Sonntag

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

SGL CARBON: Bilanz und neuer Aktionär

Die Aktie des Kohlenstoffspezialisten machte zu Beginn der vergangenen Woche einen kräftigen Satz nach oben. Es war aber wohl nicht die vorgelegte Bilanz 2008, auch wenn neue Spitzenwerten zeigend, oder die wie erwartet ausgefallene Einschätzung rückläufiger Ergebnisse im laufenden Geschäftsjahr, die die Kurse antrieb.

Vielmehr dürfte der Einstieg der Investmentgesellschaft SKion für Fantasie gesorgt haben. Es geht dabei gar nicht einmal um Spekulationen auf eine Übernahme, die zudem ausgeschlossen wurde. Unserer Meinung nach untermauert der Einstieg vielmehr die langfristig vielversprechenden Aussichten des Unternehmens. Die Beteiligungsgesellschaft SKion GmbH der bekannten Milliardärin Susanne Klatten scheint diesem Umstand ebenfalls Rechnung zu tragen und nutzte wohl die niedrigen Kurse zum Einstieg. Sie erwarb zunächst knapp 8% an dem Konzern und kündigte an, die Beteiligung relativ zeitnah ausbauen zu wollen. Eine Mehrheitsübernahme wurde dabei allerdings klar ausgeschlossen, man will den Anteil lediglich auf knapp unter 25% erhöhen. Übernahmefantasie ist somit offenbar nicht angesagt. Dennoch könnte der medienwirksame Einstieg für andere potenzielle Investoren ein Anlass sein, sich das Geschäftsmodell von SGL einmal genauer anzuschauen. Möglicherweise führt dies dazu, dass sich neben der SKion GmbH, die die SGL als sehr forschungsstarkes  und innovatives Unternehmen bezeichnete, das gut in das Portfolio passt, auch weitere Anleger von der Wachstumsstrategie des Konzerns überzeugen lassen.


Gefragte Hightech-Materialien

Vor allem der Trend, dass Hightech-Materialien auf Kohlenstoffbasis, wegen ihrer Eigenschaften leicht und dennoch stabil, zunehmend andere Materialien ersetzen können, dürfte ein wichtiges Argument sein. Aufgrund des von Energie- und Rohstoffknappheit getriebenen Paradigmenwechsels im Materialeinsatz werden diese Stoffe von immer mehr Industrien nachgefragt. Sie finden sich beispielsweise in Bremsscheiben, Flugzeugleitwerken oder bei der Verstärkung von Beton. Andere Einsatzgebiete sind Textilien, Dämmstoffe oder Windräder. Letzteres passt zu SKion besonders gut, ist die Gesellschaft doch mit 20% an dem Hersteller von Windkraftanlagen, Nordex, beteiligt, der wiederum ein Kunde von SGL ist. Das Geschäft mit Carbonfasern und Verbundwerkstoffen gilt als wachstumsstärkstes innerhalb des SGL-Konzerns. Die mittelfristigen Ziele sehen hier jährliche Umsatzsteigerungen von mehr als 15% vor. Auch im vergangenen Jahr wurden in diesem Bereich die größten Zuwächse erzielt, wozu allerdings auch Zukäufe beigetragen haben, mit denen die Marktposition ausgebaut wurde. Der Umsatz verbesserte sich um fast 40% auf 228,5 Mio. Euro und trägt damit nun 14% zu den Konzernerlösen bei. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) verbesserte sich von 3,3% auf 4,5%. Die EBIT-Marge lag bei 2%. Mittelfristig strebt man bei dieser Kennzahl mehr als 10% an. Aber nicht nur hier will SGL CARBON weiter zulegen, sondern auch in den beiden traditionellen Geschäftsfeldern.


Mittelfristige Ziele bestätigt

Größte Einnahmequelle ist der Geschäftsbereich Performance Products (Umsatzanteil etwa 60%). Hier fertigt SGL Kohlenstoff- und Grafitelektroden sowie Kathoden, die beispielsweise zur Einschmelzung von Stahlschrott, aber auch zum Schmelzen anderer Stoffe wie Siliziummetall, Phosphor oder zur Aluminiumproduktion eingesetzt werden. 2008 profitierte das Unternehmen dabei von einer bis weit in das dritte Quartal hinein anhaltenden guten Stahlkonjunktur sowie einem ganzjährig starken Wachstum der Aluminium- und Siliziumindustrie. Der Umsatz verbesserte sich daher um 15,5% auf 965,6 Mio. Euro. Gleichzeitig kletterte das EBIT um rund 20% auf 296 Mio. Euro. 2009 dürfte hier die globale Rezession die Geschäftsentwicklung bremsen, mittelfristig hält die Gesellschaft aber an ihrem Ziel fest, eine EBIT-Marge von mehr als 20% zu erzielen. Damit dürfte er der ertragsstärkste Bereich bleiben. 2008 wurde hier die operative Gewinnspanne von 29,4% auf 30,7% verbessert. Künftig soll die neue Produktionsstätte in Malaysia mit niedrigen Kosten und führender Technologie dazu beitragen, die Marktposition in diesem Segment weiter zu stärken. Im zweitgrößten Geschäftsfeld Grafitspezialitäten (Umsatzanteil: etwa 26%), die beispielsweise in vielversprechenden Bereichen wie Lithium-Ionen-Batterien, Solar-, LED- und Halbleiterprodukten eingesetzt werden, legten die Erlöse 2008 um 13% auf 411,9 Mio. Euro zu. Das EBIT kletterte um 18% auf 57,6 Mio. Euro und die Marge erreichte mit 14% in etwa das Niveau des Vorjahres. Für den Bereich werden jährlich mittelfristige Umsatzzuwächse von 6% bis 8% sowie eine Umsatzrendite von mehr als 10% angestrebt.


Auch 2009 schwarze Zahlen

Mit den drei Geschäftsbereichen ist der Konzern bestens positioniert, um auch künftig profitabel zu wachsen. Nach Rekordergebnissen 2008 stellt sich der Kohlenstoffspezialist im laufenden Jahr jedoch auf ein rückläufiges Geschäft ein. Firmenlenker Robert Koehler erläuterte, dass auch SGL CARBON die Auswirkungen der globalen Rezession zu spüren bekommen wird. Er rechnet deshalb mit einem Umsatzrückgang im Vergleich zu 2008. Ferner dürfte der operative Gewinn überproportional sinken. Der Vorstand ist aber zuversichtlich, auch in diesem Krisenjahr schwarze Zahlen zu schreiben. Das gilt auch für das erste, traditionell schwächste Quartal im Jahresverlauf, trotz des anhaltenden Lagerabbaus der Kunden. Er betonte ferner, dass man strukturell und finanziell so gut wie möglich für die derzeit schwierige konjunkturelle Lage aufgestellt ist. 2008 hatte der Konzern seinen Umsatz um 17,4% auf 1,61 Mrd. Euro gesteigert. Das EBIT verbesserte sich um 18,3%. Unter dem Strich verdiente er 189,6 Mio. Euro und damit 133,5 Mio. Euro mehr als im Vorjahr. Das Ergebnis je Aktie (EPS) kletterte von 2,05 auf 2,78 Euro. Eine Dividende für 2008 will der Konzern wegen der hohen Risiken und fortgesetzter Investitionen aber nicht zahlen.


Fazit:

Nach steigenden Ergebnissen in den Vorjahren sowie neuen Spitzenwerten im Jahr 2008 dürfte die SGL Group im laufenden Geschäftsjahr eine Wachstumspause einlegen. Dies kommt jedoch nicht unerwartet und die Investoren haben angesichts der globalen Rezession die Erwartungen bereits deutlich zurückgenommen, was auch der in den vergangenen Monaten kräftig gesunkene Aktienkurs verdeutlicht. Seit dem Allzeithoch im Mai 2008 von 50,34 Euro ging es zwischenzeitlich bis auf 13,70 Euro abwärts. Diesem im Oktober vergangenen Jahres erreichten Tief näherte sich der Kurs in der Vorwoche an, drehte aber vorher wieder nach oben ab, wozu auch die insgesamt aufgehellte Stimmung am Gesamtmarkt beigetragen hat. Jüngst kam nun die Fantasie durch den Einstieg von SKion hinzu, was unserer Meinung nach vor allem die Erwartung weiterhin guter Geschäfte in den nächsten Jahren untermauert. Zu dieser Annahme passen auch die bestätigten mittelfristigen Ziele. Insgesamt betrachtet könnte die Aktie von SGL daher nun wieder verstärkt in den Fokus rücken und womöglich weitere Käufer anziehen. Entsprechend sind nun erste spekulative Käufe erwägenswert.


OPTIONSSCHEIN-TRADING


Investoren, die sich der Risiken bewusst sind, können versuchen, mögliche Kurssteigerungen mit Derivaten zu hebeln. Auf den Basiswert SGL CARBON steht dem Anleger dazu eine große Auswahl an Hebelzertifikaten zur Verfügung. Interessant ist beispielsweise der Mini Future Optionsschein der BNP Paribas. Ausgestattet mit einer theoretisch unbegrenzten Laufzeit liegt die Knock-out-Schwelle aktuell bei 14,27 Euro und damit knapp unter unserem bevorzugten Stop-Loss auf Aktienkursbasis von 14,80 Euro. Der Hebel beträgt aktuell etwa 3,4.   


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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