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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 07.03.2013

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 07.03.2013:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Senken Sie Ihr Portfolio-Risiko durch die Varianz-Strategie!

Die Turbulenzen der vergangenen Jahre haben bei den Anlegern immer mehr den Wunsch nach risikoärmeren Investmentalternativen geweckt. Eine dieser Alternativen basiert auf einer niedrigen Volatilität der zugrundeliegenden Assets. Entsprechende Fonds und ETFs hatten wir bereits in der Ausgabe 42/12 vorgestellt.

Dass sich in den vergangenen Jahren die Kursausschläge und somit auch das Risiko erhöht haben, entspricht nicht nur dem Empfinden der Anleger, sondern ist empirisch nachweisbar. Die Kursausschläge an den Aktienmärkten, z. B. beim Platzen der Dotcom-Blase oder der Lehman-Pleite, sind durchaus keine Einzelfälle mehr. Standard & Poor‘s hat untersucht, wie häufig im S&P 500 tägliche Kursausschläge von 3 % oder mehr stattgefunden haben. Im Zeitraum von 1950 bis 1999 traten sie an insgesamt 75 Tagen auf. Seit Beginn des neuen Jahrtausends hat sich die Häufigkeit solcher Vorkommnisse allerdings massiv erhöht: In den Jahren 2000 bis 2012 schwankte der S&P 500 an 126 Tagen um 3 % oder mehr.


Eine Diversifizierung des Portfolios ist also angeraten. Anleihen sind hier allerdings wenig geeignet, bieten doch in der aktuellen Niedrigzinsphase Bonds von Emittenten guter Bonität nur Renditen im untersten einstelligen Prozentbereich. Statt einer risikoarmen Rendite erhält der Anleger also ein renditeloses Risiko. Ein Phänomen, dass der US-Finanzmarktökonom Robert Haugen übrigens auch am Aktienmarkt festgestellt hat. Die Anleger werden dort nicht angemessen für ihre zusätzlichen Risiken entlohnt. Haugen konnte im Rahmen seiner Untersuchungen beweisen, dass das Portfolio mit dem geringsten Risiko eine größere Rendite aufweist als das Portfolio, das den Markt 1:1 abbildet. Eine absurde Situation für den Anleger!


Aus Haugens Erkenntnissen ist eine Reihe von Strategien entstanden, die auf einer Senkung der Volatilität basieren und dadurch das Chance-/Risiko-Profil verbessern. Zu den bisher erfolgreichsten Strategien zählt das Varianz-Prinzip. Hierbei wird durch eine Kombination verschiedener Assetklassen mit unterschiedlichen Korrelationen und Volatilitäten zueinander eine Reduzierung der Abwärtsrisiken angestrebt. In den vergangenen Jahren haben Fonds-, Zertifi kate- und ETF-Anbieter damit begonnen, Produkte anzubieten, die auf diesem Varianzprinzip aufsetzen.


• Das „DAXPLUS MINIMUM VARIANCE GERMANY INDEX“-Zertifi kat (DE000AA0KFZ2; 33,52 €) der Royal Bank of Scotland ist eines der ältesten Varianz-Passivprodukte auf dem deutschen Markt. Es wurde im August 2008 aufgelegt und basiert auf dem DAX. Werte, die eine niedrige Varianz und Korrelation aufweisen, werden im Index stärker gewichtet als die übrigen Titel. Die Gewichtung der einzelnen Werte wird jedes Quartal angepasst. Derzeit sind 13 Titel enthalten, darunter Beiersdorf, Fresenius und Henkel.


Die Outperformance des Zertifi kats ist beeindruckend. In den vergangenen 12 Monaten konnte das Zertifikat einen Kursgewinn von 16,4 % verbuchen, während der DAX lediglich auf 13,2 % kam. Auf Dreijahressicht ist die Performance noch überzeugender: Das Zertifikat legte um 45,9 % zu, während der DAX im selben Zeitraum nur um 34,3 % anstieg. 2008, im Jahr der Lehman-Pleite, verbuchte das Zertifikat allerdings einen Verlust von 16,9 %. Das ist zwar unerfreulich, aber der DAX gab im selben Jahr um satte 40 % nach! Die Minimum- Varianz-Strategie kann also Verluste nicht verhindern, sie aber deutlich dämpfen.


Wer allerdings das Emittentenrisiko scheut, das mit dem Kauf eines Zertifi kats verbunden ist, kann auch auf ETFs ausweichen, die ein Sondervermögen darstellen und im Zuge einer Insolvenz nicht gefährdet sind. Ossiam, ein Tochterunternehmen von Natixis, bietet seit einiger Zeit verschieden ETFs an, die Varianzstrategien abbilden.


• Den ETF „EUROPE MINIMUM VARIANCE NR (LU0599612842) hatten wir Ihnen bereits in der Ausgabe 42/12 erstmals vorgestellt. Ossiam trifft bei diesem Produkt die Aktienauswahl aus dem Stoxx 600 auf Basis der historischen Rendite, der Volatilität und der Korrelationsparameter. Das Gewicht einzelner Werte darf höchstens 5 % betragen, wobei der Anteil einzelner Sektoren maximal 20 % ausmachen darf. Auch hier kann sich die Performance sehen lassen: Während der Stoxx 600 in den vergangenen 12 Monaten um 9,6 % zugelegt hat, ist der Kurs des ETFs um 15,8 % gestiegen.


Ossiam wendet die selbe Strategie beim US MINIMUM VARIANCE NR EURO an, der in US-Werte investiert. Der „WORLD MINIMUM VARIANCE NR EURO“ investiert dagegen weltweit. Da er erst im Oktober 2012 aufgelegt worden ist, gibt es hier kaum aussagefähige Performance-Daten. Ebenfalls sehr jung ist der „EMERGING MARKETS MINIMUM VARIANCE NR EURO“, der in den Schwellenländern investiert. Hier wurde zwar in den vergangenen sechs Monaten ein Verlust von 0,3 % gemacht, was aber angesichts der dynamischen Abwärtsbewegung, die die Emerging Markets zum Teil gezeigt haben, immer noch ein gutes Ergebnis ist.


Wichtigste Erkenntnis für Sie: Minimum-Varianz-Strategie-Investments können zwar keine Verluste vermeiden, diese aber deutlich abmildern. Befindet sich der Markt allerdings in einem steilen Hausse-Trend, zeigt die Varianz-Strategie relative Schwäche. In solchen Phasen sollte das Risiko nicht vermieden, sondern eher gesucht werden, da es Überrenditen verspricht!


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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