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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 02.07.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 02.07.2010:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Rückwärtsgang mit Beschleunigung

Nachdem ich in der vergangenen Woche den „Bid underneath“ erklärt habe, folgt der Ausverkauf auf dem Fuße und heute stehen die Börsen kurz über genau dem von mir benannten Niveau. Dabei ist an sich nichts Dramatisches passiert: Der G20-Gipfel in Kanada wurde zum Schmusekurs für die Regierungschefs. Verschiedene Positionen wurden bekannt gegeben und als keine Einigung zu erzielen war, bekräftigte man, dass man die Argumente der anderen verstehe und aber an der Umsetzung der eigenen Überzeugungen weiterarbeiten werde. Resultat? Keines.

Diese Woche endete der Juni und der Kuli begann. Normalerweise werden zum Monats- und diesmal sogar Quartals- und Halbjahresende die Aktien ins Depot geholt, die in den Vormonaten am besten liefen. Kein Portfoliomanager möchte sich vorwerfen lassen, die besten Aktien der abgelaufenen Periode NICHT in seinem Portfolio zu haben. Doch nachdem wir seit einigen Wochen bereits eine Seitwärtsbewegung erleben, gab es nicht unbedingt die großartigen Aktien, die jeder in seinem Portfolio haben wollte. Mir sind kaum Aktien aufgefallen, die ohne besondere Nachrichten angestiegen wären. Komisch. Untypisch! Der neue Monat begann am gestrigen Donnerstag und normalerweise bekommen Fondsmanager Anrufe ihrer Kunden, die nach Abrechnung des Vormonats nunmehr ihren Spargroschen an den Fonds überweisen. Fondsmanager können sodann auf Einkaufstour gehen und treiben so die Kurse tendenziell in die Höhe. Doch gestern ist der Dow Jones um knapp ein halbes Prozent nach unten gegangen. Komisch. Untypisch! Oder wäre der Index andernfalls noch stärker eingebrochen? Als Hauptgrund für die Zurückhaltung wird China ausgemacht: Gleich zweimal hat das Land der Mitte diese Woche vermeintliche Hiobsbotschaften veröffentlicht. Zum einen ist das Wirtschaftswachstum auf 7% zurückgegangen. Zum anderen hat der chinesische Einkaufsmanagerindex eine sich eintrübende Stimmung verkündet. Zusätzlich wird für Mitte Juli der Börsengang der Agricultural Bank of China erwartet, der größte Börsengang der Finanzgeschichte. Wer da mitmachen will, der spart schon jetzt darauf. So befindet sich der Shanghai Aktienindex auf dem tiefsten Stand seit 15 Monaten. Die Industrienationen, die auf die Nachfrage von China angewiesen sind, fürchten einen Nachfrageeinbruch. Insbesondere im Rohstoffsektor macht sich diese Angst bemerkbar. Doch in der Zwischenzeit hat sich der Euro stabilisiert. Die „Angriffe“ der Spekulanten auf den Euro sind erfolgreich abgewehrt, die Banco Santander steht wieder deutlich höher als zu Krisenzeiten und mit jeder Woche, die der Supergau ausbleibt, steigt das Vertrauen in die eigene Wirtschaft. Doch dann ... ... meldet sich die Bundesregierung mit dem Vorhaben, die Krankenkassenbeiträge zu erhöhen. Ein weiterer Nadelstich für alle Arbeitssuchenden, denn Arbeitgeber werden zunächst abwarten, welche zusätzlichen Kosten künftig auf sie zukommen, bevor neue Jobs geschaffen werden. Und das ist symptomatisch für die politischen Aktionen weltweit. Weltweit gibt es Politiker, die das Volk hinter sich wissen, wenn sie den Staatshaushalt konsolidieren – sprich die Geschwindigkeit, mit der neue Schulden gemacht werden, etwas verlangsamen. Und da werden Tabu-Themen angefasst, die andernfalls nicht durchsetzbar wären. Ich fürchte, dass wir in den nächsten Monaten noch viele solche Themen diskutieren werden. Und genau das hindert den DAX daran, über 6.300 Punkte zu springen. Schauen wir einmal, was die Börsen in den vergangenen Tagen gemacht haben.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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