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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 02.10.2015

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 02.10.2015:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Royal Dutch Shell - Ölangebot wird verknappt

Gestern hat Royal Dutch Shell (RDS) bekannt gegeben, seine Ölsuche im Pazifik vor Alaska einzustellen. Es fallen Abschreibungen in Höhe von 4,1 Mrd. USD an. Das Investitionsvolumen des Konzern werde sich auf der anderen Seite um jährlich rund 1 Mrd. USD verringern. Die Aktie ist in Folge dieser Meldung gegen den Markttrend angestiegen. 

Anfang des Jahres hatte bereits der norwegische Ölkonzern Statoil sein Johan Castberg in der Arktis aus Eis gelegt (sorry, konnte nicht widerstehen). Russlands Rosneft sowie Frankreichs Total haben ihre Ölsuche in der russischen Arktis ebenfalls eingefroren ( ;-). Bereits i Dezember 2014 hatte Chevron die Ölsuche im arktischen Meer vor Alaska eingeschmolzen. Am Dienstag hat Russlands Umweltministerium sämtliche Bohraktivitäten Rosnefts und Gazproms in der Arktis um drei Jahre verschoben. 

Viele Projekte sind extrem teuer. Sie wurden zu einem Ölpreis über 110 USD/Fass eingegangen. Allein Tiefseebohrausrüstung kostet am Tag sechsstellige Beträge. Diese teuren Ölprojekte werden also derzeit kräftig zurückgefahren. 

Auch das Schieferöl in den USA sowie das Auspumpen letzter Reserven aus alten Ölvorkommen mit Hilfe des Seitwärtsbohrens ist extrem teuer. Viele dieser Projekte wurden vor über einem Jahr eingeleitet. Aufgrund der extrem kurzen Lebensdauer dieser Prjokte dürfte auch von dieser Seite schon sehr bald kein neues Angebot mehr auf die Märkte strömen. 

Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass das Hauptproblem am Ölmarkt das Überangebot ist, es wird zu viel produziert. Doch diese Überkapazitäten könnten bald abgebaut sein, die Branche reagiert zumindest mit entsprechenden Entscheidungen. 

Ungeachtet dessen könnte die Nacht nochmals dunkler werden, bevor wir die Morgenröte sehen. Die aus Sicht der Ölkonzerne drohende US-Zinserhöhung würde die Finanzierungskosten, häufig basierend auf einem variablen Zins, in die Höhe schrauben während gleichzeitig der Ölpreis nach wie vor unter 50 USD/Fass verharrt. Unternehmen wie beispielsweise die brasilianische Petrobras könnten in einem solchen Szenario Liquiditätsprobleme bekommen. 

Sollte ein großer Ölkonzern sogar die Grätsche machen, würden Schockwellen die Ölbranche erschüttern, sämtliche Ölaktien würden nochmals ausverkauft. Allerdings würde das nicht bedeuten, dass die Ölindustrie morgen überflüssig in unserer Gesellschaft ist. So schnell wird die Energiewende nicht erfolgen, ich würde in einem solchen Fall an der Aktie RDS festhalten, gegebenenfalls sogar nachkaufen. 

Dies als kleine Situationsbeschreibung der Ölbranche: Ich denke, dass hier bereits die Kapazitäten deutlich reduziert werden, was den Ölpreis eigentlich auf dem aktuellen Niveau stabilisieren sollte. Einzig die US-Zinsentwicklung könnte nochmals auf Sicht der nächsten Monate für heftige Verwerfungen sorgen, die ich dann jedoch als Kaufgelegenheit betrachten würde. 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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