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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 08.04.2015

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 08.04.2015:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Royal Dutch Shell - Megadeal: 64 Mrd. EUR für BG Group 

Royal Dutch Shell gab gestern bekannt, den britischen Gasförderer BG Group für 64 Mrd. Euro in bar und Aktien zu kaufen. Der größte und drittgrößte Flüssiggaskonzern Englands schließen sich zusammen und bilden einen Konzern der Größe von Exxon. Der Kaufpreis liegt 50% über dem gestrigen Schlusskurs von BG Group. Analysten haben einen verwässenden Effekt für Royal Dutch Shell von 8% errechnet. 

Die Aktie von BG Group notieren heute 35% höher als gestern, Royal Dutch Shell hingegen sacken um 6,5% ab. Man rechnet nicht mit kartellrechtlichen Problemen, dennoch wird es bis Anfang 2016 dauern, bis der Deal abgeschlossen werden kann. Aufgrund dieser langen Zeitspanne hat weder BG Group den vollen Preissprung vollzogen, noch Royal Dutch Shell die vollständige Verwässerung eingepreist, es besteht ja dennoch die Möglichkeit, dass der Deal noch aus irgendwelchen Gründen platzt. Ein Jahr ist eine lange Zeit. 

Royal Dutch Shell hat sich ohnehin bereits auf die Gewinnung von Flüssiggas konzentriert. Mit der BG Group erhält das Unternehmen nun Vorkommen in Brasilien, Ostafrika, Australien, Kasachstan und Ägypten, die Reserven steigen um 25%. Zudem hat die BG Group bereits eine Infrastruktur von Flüssiggas-Terminals, Pipelines, speziellen Tankschiffen, Bohrausrüstung, Flüssiggasspeichern und Gasgewinnungsanlagen aufgebaut. Das alles klingt strategisch recht sinnvoll. 

Ich halte jedoch den Kaufpreis, eine Prämie von 50% auf den gestrigen Schlusskurs, für ziemlich hoch. Der Gaspreis hat sich im vergangenen Jahr halbiert und Royal Dutch Shell verfügt über einen üppigen Cashflow, mit dem die hohe Dividende gesichert ist. Es besteht keine Not, eine so teure Übernahme zu stemmen, warum also der heftige Aufpreis?

Immerhin hat sich Royal Dutch Shell bereits zur Beibehaltung der hohen Dividende bekannt, andernfalls wäre der Kurs vermutlich noch kräftiger abgestürzt. Durch die Übernahme erkauft sich Royal Dutch Shell Wachstum, denn insbesondere die Vorkommen in Brasilien sind vielversprechende Zukunftsquellen, die auf eine moderatere brasilianische Regierung warten, um gefördert zu werden. Wir hatten Royal Dutch Shell jedoch als Dividendentitel ins Portfolio geholt. 

Abgesehen von der Randbemerkung, die Transaktion habe keine Auswirkung auf die Dividende, habe ich noch nichts über die zu erwartende Entwicklung des Cashflows erfahren - Wie hoch werden die Investitionen sein, welche Synergien werden erwartet? Ich werde diese Frage im Auge behalten. 

Die Aktie hat mit dem heutigen Kursverlust wieder unser Kaufniveau erreicht. Ich würde jedoch vorerst abwarten welche Details wir in den kommenden Tagen noch erfahren, bevor ich über einen Nachkauf oder gegebenenfalls auch Verkauf entscheide. Mein erster Eindruck: Strategisch (also langfristig) gut, jedoch zu einem Preis, der kurzfristig auf dem Aktienkurs lasten könnte. 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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