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Veröffentlicht von Weimer Media Group GmbH am 12.08.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 12.08.2011:

Börsenbrief zertifikate kompakt
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Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

Pharmaindustrie – auf lange Sicht attraktiv

Bei den Pharmaaktien herrscht Nachholbedarf. Vergangenes Jahr blieben sie in der breiten Masse hinter dem Markt zurück. Viele Branchenwerte haben die Aktienrally nicht mitgemacht, da Anleger eher auf konjunktursensitive Aktien setzten. Aus diesem Grund finden Anleger auch vergleichsweise attraktive Bewertungen bei Pharmaunternehmen. Wertorientierte Anleger können sich zudem über ansehnliche Dividendenrenditen freuen.

 

In den vergangenen eineinhalb Jahren hat sich im Pharmasektor eine Kluft zwischen den langfristigen Perspektiven der Branche und der kurzfristigen Performance der Anteilsscheine an den Börsen aufgetan. Langfristig verzeichnet die Branche ein überdurchschnittliches Wachstum: Das globale Bruttoinlandsprodukt ist nach Angaben des Internationalen Währungsfonds von 2003 bis 2010 im Schnitt um 4,7% jährlich gewachsen. Die Umsätze der Pharmaunternehmen sind im gleichen Zeitraum nach Angaben des ResearchHauses IMS Health Market Prognosis im Schnitt aber um 7,2% gestiegen. Für 2011 erwartet IMS ein weltweites Umsatzwachstum von 5% bis 7%. Der kurzfristige Blick auf das vergangene Jahr jedoch zeigt ein anderes Bild: 2010 hat der Sektor deutlich schlechter abgeschnitten als der breite Markt. So konnte der FTSE Global

Pharmaceuticals Aktien-Index im vergangenen Jahr gerade einmal um rund 1% zulegen, während der FTSE All WorldIndex um über 10% kletterte. Ein Grund ist sicherlich darin zu sehen, dass die Anleger während der Erholungsphase an den Börsen zyklische Werte bevorzugten und die scheinbar langweiligeren Pharmawerte links liegen ließen. Doch es gibt hierfür auch fundamentale Gründe: Die großen Pharmakonzerne haben kurzund mittelfristig mit branchenspezifischen Problemen zu kämpfen. Und auch dies drückt auf die Bewertungen.

Auslaufende Patente, ausufernde Kosten

Viele große Pharmahersteller stehen vor dem Problem, dass in den kommenden Jahren zahlreiche Patente auslaufen werden. Alleine in den USA laufen 2011 Patente im Wert von rund 26 Mrd. USDollar aus. Bis 2015 wird sich dieser Wert auf 120 Mrd. US-Dollar aufsummieren. Hinzu kommt: Die USA und Europa müssen den Gürtel enger schnallen und bei den steigenden Gesundheitskosten sparen. Dies spiegelt sich laut IMS Health in einem niedrigeren Wachstum der Arzneimittelausgaben wider: Betrug die jährliche Steigerung in den letzten fünf Jahren umgerechnet noch 6,2%, so wird dieser Wert bis 2015 auf 3% bis 6% pro Jahr absinken. 

Auf der Unternehmensebene kommt die Abhängigkeit von den Forschungsergebnissen und der Marktzulassung einzelner Präparate hinzu. Die Entscheidung einer Zulassungsbehörde für Medikamente kann beträchtlichen Einfluss auf das Wachstum und die Umsatzerwartungen eines Unternehmens haben. Der Darmstädter Pharmakonzern Merck musste beispielsweise einen empfindlichen Kursverlust hinnehmen, als im Juni ein neu entwickeltes Mittel gegen Multiple Sklerose in Europa und den USA im klinischen Test durchfiel. Auch wird die Zulassung der Wirkstoffe immer aufwändiger und damit teurer. Auch dies trägt dazu bei, dass die Pharmaunternehmen die wegbrechenden Einnahmen aufgrund auslaufender Patente nur schwer kompensieren können.

Generikaproduzenten im Aufwind

Generikahersteller wie STADA aus Deutschland oder der Weltmarktführer Teva aus Israel gehören zu den Profiteuren auslaufender Pharmapatente. Die Unternehmen sind darauf spezialisiert, vorhan

dene Wirkstoffe nach Ablauf des Patentschutzes zu kopieren. Sie produzieren Nachahmerpräparate, die in ihrer Wirkung mit den Originalpräparaten identisch sind. Da die Aufwendungen für Entwicklung und Marktzulassung deutlich geringer ausfallen, können Generika erheblich günstiger angeboten werden. Dafür fallen die Gewinnmargen und Gesamtumsätze für Generikaproduzenten niedriger aus. So stehen nach Schätzungen von IMS Health den 120 Mrd. US-Dollar Umsatz, die bis 2015 durch Patentabläufe bei den Originalpräparaten verloren gehen, nur rund 22 Mrd. US-Dollar an neuen Generika-Umsätzen gegenüber. Trotzdem ist dieser Sektor mittlerweile auch für die großen Pharmakonzerne, die primär als Originalhersteller auf dem Markt agieren, interessant geworden. Durch Übernahmen und Fusionen versuchen sie, sich Marktanteile zu sichern. So gehört beispielsweise Sandoz, der zweitgrößte Generikahersteller weltweit, mittlerweile zu dem Schweizer Pharmariesen Novartis.

Übernahmen und Partnerschaften

Eine weitere Strategie der Großkonzerne besteht darin, innovative Biotechnologieunternehmen mit viel versprechenden Produktpipelines aufzukaufen. Dabei wurden in den letzten Jahren nicht nur kleinere Unternehmen übernommen, sondern auch einige Branchengrößen in der Biotechnologie von den Pharmakonzernen geschluckt: ImClone durch Eli Lilly, Millennium durch die japanische Takeda, der größte europäische Biotech-Konzern, die Schweizer Serono, durch die deutsche Merck, Genentech durch Roche und in diesem Frühjahr Genzyme durch Sanofi-Aventis. Auch sind die Pharmariesen mittlerweile zu Lizenzübernahmen und Partnerschaften mit kleineren Biotech-Unternehmen bereit. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft zu sichern, scheuen die Pharmakonzerne auch vor drastischen Kostensenkungsmaßnahmen nicht zurück. Anfang des Jahres verkündete beispielsweise Bayer trotz Milliardengewinnen, in den nächsten zwei Jahren rund 4.500 Arbeitsplätze abzubauen.

Günstiges Niveau erreicht

Die Konzerne verfügen zumeist über hohe Cash-Bestände und sind im Branchendurchschnitt günstig bewertet: Im DJ Health Care Titans 30-Index liegt das durchschnittliche KGV inzwischen bei zehn, die Dividendenrendite hingegen bei attraktiven 4%. Der DJ Health Care Titans 30-Index zeichnet sich auch durch eine vergleichsweise attraktive Performance aus: In den letzten zwölf Monaten konnte er fast 19% zulegen – deutlich höher als die rund 3,4% des FTSE Global Pharmaceuticals. Interessierte Anleger können im Pharmasektor zwischen mehreren europäischen und weltweiten Indizes und den entsprechenden Tracker-Zertifikaten wählen. Ein Investment in einzelne Aktien ist dagegen aufgrund der oben geschilderten Abhängigkeit der Unternehmen von einem oder wenigen Präparaten bzw. deren Zulassung mit vergleichsweise hohen Risiken behaftet.

Für Anhänger des Value-Investments ist die Pharmabranche aufgrund der günstigen fundamentalen Bewertung allemal interessant. Denn auch die langfristige Story ist nach wie vor intakt: Die Regierungen versuchen zwar, bei den Gesundheitsausgaben auf die Kostenbremse zu treten. Doch ändert dies nichts daran, dass eine alternde Bevölkerung in den westlichen Industriestaaten immer mehr und immer teurere Arzneimittel und Therapien benötigt. Zusätzlich entstehen in den Schwellenländern neue Absatzmärkte mit einem riesigen Potenzial: Die Analysten vom IMS Health rechnen damit, dass sich die Arzneimittelausgaben in diesen Ländern in den nächsten fünf Jahren auf 285 bis 315 Mrd. US-Dollar (heute 151 Mrd. US-Dollar) nahezu verdoppeln – auch wenn 80% der Arzneimittelausgaben in diesen Ländern auf Generika entfallen. Damit könnten diese Staaten ab 2015 zum zweitgrößten Pharmamarkt nach den USA aufsteigen.

Fazit:

Die Pharmabranche ist attraktiv bewertet. Die großen Konzerne haben sich auf die Problematik auslaufender Patente durch Übernahmen und Partnerschaften eingestellt und abgesichert. Außerdem gilt: Pharmainvestments haben sich in unruhigen Zeiten zumeist als sicherer Hafen erwiesen. Zwar haben Anleger während des Aufschwungs im letzten Jahr zyklische Branchen bevorzugt. Doch nachdem wieder größere Unsicherheit an den Märkten herrscht, könnten die konjunkturunabhängigen Arzneimittelriesen vor einer Wiederentdeckung stehen. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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