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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 11.12.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 11.12.2009:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Obamas Gratwanderung der Umweltpolitik

Dubai ist noch nicht aus dem Gröbsten raus und Griechenland wurde von der EU angemahnt, die Stabilitätskriterien einzuhalten. Das Rating des Landes Spanien wurde von einer Ratingagentur gesenkt und China weigert sich, von der Politik des schwachen Yuan abzurücken. Ich finde, die Meldungen von den Währungsmärkten sind recht besorgniserregend, oder?

Pauschalisiert kann man sagen, dass der aufgeblasene  Finanzsektor dadurch gerettet wurde, dass der öffentliche  Sektor sowie die Notenbanken die drohende Implosion durch das  Hineinpumpen liquider Mittel gerettet haben ... doch nun sind  die Schuldenberge der öffentlichen Haushalte sowie vieler  Notenbanken aufgeblasen. Die Blase wurde vom Immobilienmarkt  über den Finanzsektor in die Staatssäckel umgeleitet. Und der  Staatssäckel gehört: uns allen.


Sie kennen mich: Ich bin weiß Gott kein Pessimist und schon gar  kein Weltuntergangsprophet, doch ich möchte Sie dennoch erneut  darauf aufmerksam machen, dass wir die Finanzkrise nicht  überstanden sondern lediglich in großmütigere Hände verlagert  haben. Einen baldigen Kollaps befürchte ich nicht, dazu sind zu  viele Konjunkturprogramme am Laufen und dazu gibt es zu viele  positive Meldungen von der Unternehmens- und Konjunkturfront.  Doch ich werde in den nächsten Jahren ein Auge auf die  Währungsmärkte haben, denn wenn dieser Aufschwung endet, dann  vermutlich mit Problemen seitens der Währungsmärkte. Und  bislang ist noch jeder Aufschwung irgendwann zu Ende gegangen.


Vorerst jedoch prasseln überwiegend positive Meldungen auf uns  ein. Der Einzelhandel meldet gute Umsätze, die  Zwangsversteigerungen in den USA gehen weiter zurück und die  Arbeitsmarktdaten der USA überraschen Woche für Woche positiv.  Fast jedes Technologieunternehmen hat inzwischen gute Zahlen  vermeldet, Texas Instruments hat sogar seine Prognose für 2010  angehoben.  


Der Ölpreis ist diese Woche um 8,3% eingebrochen. Ist dies ein  Zeichen für ein nachlassendes weltweites Konjunkturwachstum?  Oder war der Ölpreis zu stark angestiegen und ist der Rückgang  in Folge dessen als gesunde Konsolidierung zu sehen? Ich denke  letzteres trifft zu.


Noch immer befindet sich der Ölpreis zu einem großen Teil in  Abhängigkeit von Spekulanten, die niemals an die Lieferung des  Öls denken, mit dem sie handeln. Stark gehebelt spekulieren  diese Marktteilnehmer auf die Preisentwicklung des Öls, ohne  einen eigenen Bedarf zu haben.  


Ich verstehe, dass sich diese Wetten auf die Ölpreisentwicklung  grundlegend von Wetten im Lotteriegeschäft unterscheiden: Das  Ergebnis, auf das gewettet wird, ist beim Lotteriegeschäft ein  absoluter Zufall, bei der Ölpreisspekulation ist das Ergebnis  eine volkswirtschaftliche Entwicklung, die der eine besser und  der andere schlechter abschätzen kann. Doch der unangenehme  Nebeneffekt dieser Ölpreiswetten ist, dass sie selbst die  Ölpreisentwicklung, also das Ergebnis, beeinflussen.  


Das ist, wie wenn Sie am Roulette Tisch mit allen anderen  Spielern beschließen, dass als nächstes Rot kommen soll ... und  sodann kommt genau das Ergebnis, auf das die meisten gesetzt  haben.  


Und so kommt es zu manch irrer Schlussfolgerung aus der  Ölpreisentwicklung: Solange der Ölpreis steigt, sehen die  Marktteilnehmer dies als eine Bestätigung des weltweiten  konjunkturellen Aufschwungs und die Aktienkurse steigen. Auch  die Aktienkurse der Unternehmen, die überwiegend Öl einsetzen,  um Produkte herzustellen, steigen. Schauen Sie sich  beispielsweise mal die Kurse der Chemie-Unternehmen an. Dabei  steigen deren Kosten für Einsatzstoffe, was wiederum den Gewinn  schmälert. Doch davon will man an der Börse derzeit nichts  wissen.


Im Umkehrschluss lastet ein fallender Ölpreis auf den Nerven  der Anleger: Sollte dies ein Zeichen dafür sein, dass der  weltweite Aufschwung doch auf tönernen Füßen steht? Dabei ist  ein rückläufiger Ölpreis so etwas wie eine Steuererleichterung:  Alles wird günstiger, selbst das Einkaufen von  Weihnachtsgeschenken, wenn Sie mit dem Auto in die Stadt  fahren.  


In meinen Augen sind die Finanzmärkte noch lange nicht gesund.  Nicht nur die Währungsmärkte, sondern auch der Ölmarkt ist noch  nicht so, wie er sein sollte. Aber ich wiederhole auch  nochmals, dass ich dennoch kurzfristig keine Probleme sehe. Die  Konjunkturprogramme und das niedrige Zinsniveau sind geeignet,  die Rallye noch eine Weile am Laufen zu halten.  


Aber eines funktioniert schon: Die eingangs aufgelisteten  positiven Meldungen, die guten US-Arbeitsmarktdaten  insbesondere sowie die guten Einzelhandelsumsätze, geben der  US-Notenbank den Rückhalt, in absehbarer Zeit zu einer festeren  Geldpolitik zurückzukehren. Und das wirkt sich stabilisierend  für den US-Dollar aus. Dieser hat in den vergangenen zwei  Wochen eine Kehrtwende vollzogen und zeigt gegenüber dem Euro  erst einmal eine Gegenreaktion. Diese dürfte noch ein paar  Wochen anhalten.  


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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