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Veröffentlicht von Redaktion "BÖRSE am Sonntag" am 21.06.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 21.06.2009:

Börsenbrief BÖRSE am Sonntag
BÖRSE am Sonntag

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

MorphoSys: vielversprechendes Biotechinvestment

Nach dem Zwischenhoch zu Jahresbeginn von 19,35 Euro ist bei der Aktie des Biotechnologiekonzerns ein Kurseinbruch zu erkennen. Bis zum Tief im März ging es um 40% abwärts. Seither bildete sich jedoch ein Aufwärtstrend heraus. Eine Tendenz, die sich weiter fortsetzen könnte, überzeugt MorphoSys doch auch aus fundamentaler Sicht.

In der vergangenen Woche gab das Unternehmen bekannt, dass der US-Pharmakonzern Schering-Plough seine bestehende Option ausgeübt hat, die Kooperation zwischen den beiden Firmen um ein weiteres Jahr zu verlängern. Die im Mai 2006 unterzeichnete Zusammenarbeit hat eine maximale Laufzeit bis ins Jahr 2011 und kann von Schering- Plough nach jedem vollen Jahr erneuert werden. Derartige Partnerschaften sind ein wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells von MorphoSys.


Maßgeschneiderte Antikörper

Die Gesellschaft gehört eigenen Angaben zufolge zu den weltweit führenden Firmen bei der Entwicklung von vollständig menschlichen Antikörpern, die sowohl für die Forschung und Diagnostik als auch für die Therapie von Krankheiten eingesetzt werden können. Kerntechnologie des 1992 gegründeten Unternehmens ist die Antikörperbibliothek HuCAL (Human Combinatorial Antibody Library), die eigenen Angaben zufolge mehrere Milliarden unterschiedliche humane Antikörper umfasst. Mit Hilfe des HuCALKonzeptes lassen sich schnell und automatisiert maßgeschneiderte Antikörper herstellen. MorphoSys entwickelt die Antikörper im Segment „Therapeutische Antikörper“ für die eigene Medikamentenforschung sowie für andere Unternehmen. Zu den vielen Partnerfirmen gehören namhafte Pharmaund Biotechnologiekonzerne wie Novartis, Merck & Co, Pfizer und Roche. Im Rahmen dieser Partnerschaften bezieht das Unternehmen Lizenzund Meilensteinzahlungen und ist über umsatzabhängige Tantiemen auf die Endprodukte am Erfolg der Entwicklungen beteiligt. Derzeit umfasst die Pipeline aus Forschungskooperationen 58 aktive therapeutische Projekte. Im zweiten Konzernbereich vermarktet Morpho- Sys unter dem Namen AbD Serotec Antikörper für nichttherapeutische Einsatzbereiche in den Bereichen Forschung und Diagnostik.


Ziel: weltweiter Standard

Im Rahmen der jüngsten verlängerten Vereinbarung mit Schering-Plough gewährt MorphoSys seinem Partner weiterhin Zugang zur firmeneigenen HuCAL Antikörperbibliothek und bekommt dafür jährliche Lizenzzahlungen. Daneben beinhaltet der Vertrag die Option für Schering-Plough, HuCAL-basierte Antikörperprogramme zu entwickeln und zu kommerzialisieren, wofür MorphoSys exklusive Lizenz- und Meilensteinzahlungen sowie Tantiemen erhält. Finanzielle Einzelheiten wurden nicht genannt. Firmenlenker Dr. Simon Moroney betonte mit Blick auf die jüngste Vereinbarung jedoch, dass dies einmal mehr verdeutlicht, dass die Kerntechnologie HuCAL für eine Vielzahl der Pharmakonzerne weltweit die Grundlage der antikörperbasierten Medikamentenentwicklung ist. Die Gesellschaft scheint damit ihrem Ziel ein Stück näher zu kommen, die Antikörperbibliothek weltweit als Standard für die Entwicklung von Antikörpern der nächsten Generation für Medikamente sowie für Forschung und Diagnostik zu etablieren.


Höhere Investitionen

Dies soll sich künftig auch immer mehr in barer Münze auszahlen. So werden 2009 aus den angebotenen Dienstleistungen für Partner Umsätze von mehr als 50 Mio. Euro erwartet. Ab 2010 sollen es dann mehr als 320 Mio. Euro sein. Bei den Meilensteinzahlungen rechnet der Vorstand im laufenden Jahr mit 10 Mio. Euro und ab 2010 mit mehr als 250 Mio. Euro. Zudem werden künftig Tantiemen von mehr als 1 Mrd. Euro angestrebt. Es sieht also nach deutlich steigenden Einnahmen aus, mit denen dann weitere eigene Forschungs- und Entwicklungsvorhaben vorangetrieben werden dürften. Derzeit sind drei eigene Medikamente in Arbeit. Die Substanz „MOR103“ gegen entzündliche Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis ist dabei am weitesten fortgeschritten. Sie befindet sich aktuell in der Phase 1 der klinischen Studien und soll in der zweiten Jahreshälfte in die klinische Phase 2 gebracht werden. Um die eigene Wirkstoffpipeline zu verbreitern, will MorphoSys die Forschungs- und Entwicklungsausgaben bereits im laufenden Jahr deutlich erhöhen. Vorgesehen sind für 2009 nun 18 bis 20 Mio. Euro, nach 7,7 Mio. Euro im Vorjahr. Damit könnte die Pipeline bis Jahresende auf bis zu acht Entwicklungsprogramme wachsen.


Solide Gewinne

Trotz der höheren Investitionen rechnet der Vorstand aber wie in den Vorjahren mit einem soliden Gewinn, auch wenn dieser nun wegen der höheren Ausgaben geringer ausfallen dürfte als im vergangenen Jahr. 2008 hatte der Konzern 71,6 Mio. Euro umgesetzt und dabei ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (Betriebsergebnis) von 16,4 Mio. Euro erzielt. Unter dem Strich blieb ein Überschuss von 13,2 Mio. Euro übrig. Für 2009 peilt MorphoSys Umsätze zwischen 80 und 85 Mio. Euro an. Das Betriebsergebnis soll 8 bis 11 Mio. Euro erreichen. Der Konzern scheint auf gutem Weg, diese Ziele zu erreichen, wie die Entwicklung in den ersten drei Monaten zeigt. Hier konnte die Gesellschaft ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17% auf 19,1 Mio. Euro verbessern. Zudem stieg das Betriebsergebnis von 4,06 auf 4,22 Mio. Euro. Der Nachsteuergewinn legte von 3,26 auf 3,5 Mio. Euro zu. Neben der guten Ergebnissituation weiß der Konzern auch durch seine Bilanz zu überzeugen. Ende März hatte er liquide Mittel und kurzfristig verfügbare Wertpapiere von zusammen 136,1 Mio. Euro. Daneben gibt es keine langfristigen Bankschulden und die Eigenkapitalquote beträgt mehr als 82%.


Fazit:

Auch im derzeit schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld dürfte MorphoSys den erfolgreichen Kurs der vergangenen Jahre fortsetzen. Ein starkes Geschäftsmodell sowie eine vielversprechende Technologie bilden dafür eine sehr gute Basis. Neben den gefragten Dienstleistungen seitens der Pharmakonzerne birgt außerdem die eigene Medikamentenforschung Fantasie. Die Kombination aus beiden Tätigkeitsbereichen ist sinnvoll. Zum einem kann man als Dienstleister für die Pharmaindustrie regelmäßige Einnahmen generieren. Dadurch kann man nicht nur die eigene Entwicklung finanzieren, sondern minimiert gleichzeitig die Risiken, falls die eigenen Medikamentenprojekte nicht zum gewünschten Erfolg führen. Gerade für kleine Firmen wie MorphoSys ist dies ein riesiger Vorteil. Denn sollte es bei der eigenen Forschung tatsächlich einen Fehlschlag geben, ein Risiko, das bei der Medikamentenentwicklung immer besteht, hat die Gesellschaft dennoch eine Geldquelle, mit der neue Projekte finanziert werden können. Für Investoren, die von den Chancen kleinerer aufstrebender Biotechfirmen profitieren wollen, ist MorphoSys daher unserer Ansicht nach ein vielversprechender Kandidat.   


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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