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Veröffentlicht von Redaktion "CFDs kompakt" am 19.05.2009

Mit CFDs Zinsentwicklungen handeln

Mit CFDs Zinsentwicklungen handeln

Zinspapieren haftet oft der Geruch des Langweiligen und Biederen an. Bei einem gehebelten Trading mit CFDs ist das allerdings ganz und gar nicht der Fall. Gerade in Zeiten der Finanzkrise gibt es bei den Anleihe- Futures heftige Kursbewegungen, die Trader für sich nutzen können. Das Motto für viele CFD-Trader heißt: Schnell rein und schnell wieder raus. Anleihe-CFDs sind also mit Sicherheit keine Witwen- und Waisenpapiere, aber sie bieten eine gute Gelegenheit, ein Tradingkonto über das Aktien- und Indexsegment hinaus sinnvoll zu diversifizieren.

Bei vielen CFD-Tradern stehen DAX & Co. auf der Beliebtheitsskala immer noch an erster Stelle. Spekulationen auf Zinsentwicklungen mit CFDs werden von Privattradern eher selten umgesetzt. Das mag daran liegen, dass diese sich gerne auf Indizes oder bekannte Aktientitel fokussieren. Erfolgreiche Trader sollten die Einflussfaktoren auf die Preisentwicklung der Basiswerte genau beachten. Während Einzeltitel stark von den entsprechenden Unternehmens- oder Branchennachrichten beeinflusst werden, sind im Anleihesektor volkswirtschaftliche Daten und Zinsentscheidungen der Notenbanken von entscheidender Bedeutung für Marktbewegungen.


Besonderheiten der Anleihe-CFDs

Anleihe-CFDs haben als Basiswert die an den Terminbörsen der Welt gehandelten Futures-Kontrakte. Zu den liquidesten und wichtigsten Anleihe-Futures für den Euroraum zählt der Bund-Future. Er umfasst deutsche Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von 8,5 bis 10,5 Jahren. Daneben gibt es für mittlere und kürzere Restlaufzeiten der Anleihen den Bobl-Future (4,5 bis 5,5 Jahre) bzw. den Schatz-Future (1,75 bis 2,25 Jahre). Einer der wichtigsten Anleihe-Futures im Dollarraum ist der T-Bond-Future auf die 30-jährigen US-amerikanischen Staatsanleihen. Da Basiswerte der CFDs Futures- Kontrakte sind, muss beachtet werden, dass Futures im Gegensatz zu einer Aktie eine begrenzte Laufzeit haben. Trader, die CFDs auf Fixed Income Futures handeln, sollten sich bei ihrem CFD-Broker genau über die Konditionen beim Auslaufen des Futures erkundigen. Teilweise wird vom Broker automatisch in den nächst fälligen Future gerollt, somit ist der CFD auch an die Laufzeit des Futures gebunden und muss zum Fälligkeitsdatum verkauft werden. Ansonsten gelten für Anleihe- CFDs analog die Regeln, die auch für andere CFDs gelten, z. B., dass auf Margin gehandelt werden kann. Da das Angebot der Basiswerte geringer ist als bei Aktien-CFDs sollten Interessenten schon im Vorfeld überlegen, welche Basiswerte für sie interessant sind und dies bei der Auswahl des Brokers berücksichtigen. Vor allem der Spread, also der Preisunterschied zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs des CFDs, ist als Kostenfaktor zu beachten.


Beliebter Bund-Future

Trader, die auf Zinsentwicklungen setzen wollen, kommen am Bund-Future kaum vorbei. Der Future-Kontrakt bezieht sich auf einen fiktiven Anleihenkorb deutscher Staatsanleihen im Gegenwert von 100.000 Euro mit 6% Zins-Kupon. Die kleinste Veränderung beträgt 0,01% von 100.000 Euro, d. h. zehn Euro. Der Bund-Future notiert in Prozent des Nominalwerts der Anleihe. Notiert der Bund-Future beispielsweise bei 123,16 und der Futures-Trader setzt mit einem Kontrakt auf steigende Kurse, so hat er bei einer Kursveränderung auf 123,17 einen Buchgewinn von zehn Euro gemacht. An der Terminbörse Eurex, dem Handelsplatz des Bund-Futures, werden die drei nächst fälligen Kontrakte der Monate März, Juni, September und Dezember gehandelt. Die einzelnen Monate sind durch unterschiedliche Buchstaben gekennzeichnet, wobei der Buchstabe M für Juni steht. Zu beachten ist, dass ein steigender Bund-Future mit fallenden Zinsen einhergeht und umgekehrt. Auf den CFD-Plattformen wird allerdings meist nur der nächst fällige – der so genannte Front Month-Kontrakt – gehandelt. Gegenwärtig ist das also der Kontrakt mit Fälligkeit im Juni. Die Front Month-Kontrakte sind in der Regel auch die liquidesten. Ein Beispiel soll den CFD-Handel auf den Bund-Future beleuchten. Ein Trader setzt auf einen steigenden Bund-Future und kauft einen CFD-Bund Long bei 123,14 Punkten. Der Bund-Future steigt von 123,14 auf 123,58 Punkte. In diesem Fall macht der Trader 44 Punkte und damit 440 Euro Gewinn, da er pro Punkt Kursgewinn zehn Euro verdient. Auf den CFD-Plattformen werden auch Mini-Varianten angeboten. In diesem Fall bewirkt eine Veränderung um 0,01 Punkte im Bund-Future keine Kursveränderung beim CFD von zehn Euro sondern nur von zwei bzw. einem Euro.


Euribor-Future

Ein wichtiger Basiswert im Rentenhandel, der auch für CFD-Trader zur Verfügung steht, ist der Euribor. Der Euribor-Future ist ein Zinsterminkontrakt, der eine Laufzeit von einem Monat (Ein-Monats-Euribor) bzw. drei Monaten (Drei-Monats-Euribor) aufweist. Das Underlying bildet der Interbanken- Zinssatz für Termingelder in Euro, d. h. der Zinssatz, den sich Banken wechselseitig bei kurzfristigen Geldausleihungen in Rechnung stellen. Die Bezeichnung „Euribor“ steht als Abkürzung für „European Interbank Offered Rate“. Gehandelt wird der Euribor-Future an den Terminbörsen Eurex und Liffe. Die Notierung des Euribor erfolgt in Prozent. Von der Basis 100% wird der gehandelte Zinssatz abgezogen. Ein Kurs von 98,72% entspricht somit einem Zins von 1,28%.


T-Bond & Co.

Neben Zins-Futures, die die Entwicklung im Euroraum abbilden, gibt es auch in anderen Währungsräumen bedeutende Zinsbarometer. Dazu zählt vor allem der USamerikanische T-Bond-Future und der japanische JGB-Future, ein Future auf japanische Staatsanleihen. Wichtige Handelsplätze dieser Zinsfutures sind die Terminbörsen CBOT in Chicago und Liffe in London. CFD-Trader müssen beim Handeln des T-Bond-Futures den Wechselkurs zwischen Euro und USDollar im Auge behalten. Ansonsten funktioniert der CFD-Handel analog zum Bund-Future. Notiert der Thirty Year T-Bond-Future bei 124,80 und steigt auf 125,20, so hat der CFD-Trader beim Kauf eines Long-Kontrakts und einer Veränderung von 0,01 Punkten nach oben zehn Dollar und somit insgesamt 400 Dollar verdient.


Makrodaten beachten


Da Anleihen teilweise anderen Einflussfaktoren ausgesetzt sind als Unternehmensnachrichten, ist es unabdingbar, sich mit diesen Faktoren auseinanderzusetzen. Trader von Zins-CFDs sollten die Termine der Notenbanken, an denen Zinsentscheidungen bekannt gegeben werden, im Hinterkopf behalten. Darüber hinaus können auch wichtige volkswirtschaftliche Daten – wie beispielsweise die Bekanntgabe der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA oder das Verbrauchervertrauen – Auswirkungen auf Anleihe-Futures haben. Bei solchen Ereignissen ist mit stärkeren Kursausschlägen zu rechnen, die ein erfahrener Trader einplanen muss. Bedingt durch die Finanzkrise pumpten die Notenbanken in gigantischem Umfang Geld in die Märkte und senkten massiv die Zinsen. Im Gegenzug dazu stiegen die Staatsanleihen im Kurs. Die britische Notenbank beispielsweise hat die Zinsen auf das tiefste Niveau seit Gründung der Bank im Jahre 1694 gesenkt. Darüber hinaus haben die amerikanische und die japanische Notenbank durch die Ankündigung von Staatsanleihekäufen die Kurse weiter nach oben getrieben. Teilweise gehen Experten daher mittlerweile von einer Blasenbildung im Bereich der Staatsanleihen aus. Kein sicheres Umfeld also für Investoren, die den vermeintlich sicheren Hafen gesucht haben. Trader hingegen können die Volatilität gut für sich nutzen.


Handelsansätze

Neben den volkswirtschaftlichen Daten, die Einfluss auf die Zinsentwicklung haben, ist der Handel in den Zins-Futures auch stark durch charttechnische Vorgaben bestimmt. Trader können sich Basiswerte mit einem stabilen Trend heraussuchen und bei kurzfristigen Rücksetzern innerhalb dieses Trends wieder auf den Trend aufspringen. Ein brauchbares Hilfsmittel dabei kann die Verwendung von gleitenden Durchschnitten und Trendlinien im Chart sein. Da die Auswahl an Basiswerten bei den Zins-CFDs im Vergleich zu Aktien-CFDs überschaubar ist, eignet sich der Handel mit Anleihe-CFDs auch sehr gut für Trader, die sich gern auf einen bestimmten Basiswert konzentrieren und diesen dauerhaft beobachten wollen. Zwar ist der Trader im Zinsbereich vor unvorhergesehenen Unternehmensmeldungen gefeit. Allerdings sollten gerade bei dem Ausstehen von Zinsentscheidungen und der Veröffentlichung wichtiger volkswirtschaftlicher Daten diszipliniert und konsequent Stops eingehalten werden. Strategisch betrachtet können Trader solche Termine nutzen, um Ausbrüche im Chart zu handeln oder sich in diesen Phasen vom Markt zu verabschieden und erst danach wieder zu positionieren. Durch CFDs ist der Bereich der Zinsderivate für die Privatanleger umfangreich zugänglich gemacht worden. Der Handel mit Zins-Futures an den Terminbörsen ist im Vergleich zum CFD-Handel mit höheren Hürden belegt. Das betrifft beispielsweise die Höhe der benötigten Einlagen beim Broker. In jedem Fall sollten CFD-Trader für sich prüfen, ob der Bereich der Anleihe-CFDs für ihren Tradinghorizont die passenden Produkte liefert.  


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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