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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 03.09.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 03.09.2010:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Lohnsteigerung und Sondersteuern

Ohh wie schön kann doch eine Rallye sein. Genießen Sie diese Tage, damit Sie sich in schweren Zeiten gern daran erinnern. Unsere Tradingempfehlung zu Dialog Semiconductor hat binnen zwei Tagen 16% zugelegt. Damit hat die Aktie unser Jahresziel schon fast wieder erreicht. Und auch HeidelbergCement hat im Wochenvergleich um schlappe 8% zugelegt. Ich habe im Kapitel 03 eine ausführliche Analyse zu HeidelbergCement erstellt, in der ich das Unternehmen von den allgemeinen Markterwartungen abgrenze.

Doch so, wie mir manchmal in schweren Zeiten mein Optimismus zum Vorwurf gemacht wird, werde ich heute überwiegend auf das eingehen, was schief gehen kann. Wie Sie wissen, unterscheiden wir zwischen langfristigen Titeln und kurzfristigen Spekulationen. Ich finde Spekulationen super und verwende viel Zeit dafür, entsprechende Ideen aufzuspüren und für Sie auszuarbeiten. Wenn Sie aber nach dieser Rallye euphorische Freudensprünge vollführen, weil Ihr Portfolio deutlich stärker angestiegen ist als der breite Markt, dann müssen Sie sich dessen bewusst sein, dass Ihr Portfolio bei der nächsten Korrektur auch wesentlich stärker korrigieren wird. Daher sind spekulative Titel in einem langfristig ausgerichteten Depot höchstens eine Beimischung, um den Nervenkitzel hervorzurufen, den Sie brauchen, um das Interesse an der Börse nicht zu verlieren. Den ganzen Sommer über schreibe ich bereits, dass Unternehmen in Deutschland und den USA wesentlich bessere Gewinne ausgewiesen haben, als es sich in der Kursentwicklung niederschlägt. Doch die Kursentwicklung spiegelt mögliche künftige Entwicklungen wider und es ist natürlich nicht gesagt, dass ein Konjunkturaufschwung unendlich weiterläuft. Vielmehr gibt es insbesondere in den USA starke Bedenken. Bereits für das zweite Halbjahr 2010 wurde eine deutliche Zunahme des Wachstums erwartet, doch die Arbeitsmarktdaten sowie die Einzelhandelsumsätze schüren die Befürchtungen, dass diese Dynamik ausbleiben könnte. Ich messe insbesondere einem Faktor eine bedrohliche Wirkung zu: dem Arbeitsmarkt. Und das sowohl in den USA als auch bei uns. In den USA haben wir die „jobless recovery“, also die Konjunkturerholung ohne neue Arbeitsplätze. In Deutschland freuen wir uns über unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit aufgrund der mehrjährigen Zurückhaltung der Gewerkschaften bei den Lohnforderungen. Gegenüber beiden Entwicklungen regt sich Widerstand in der Bevölkerung. So könnte ich mir gut vorstellen, dass Obama irgendwann an die Unternehmen herantritt, die trotz Aufschwung und Rekordgewinnen in den USA keine neuen Arbeitsplätze schaffen. Eine Sondersteuer für Unternehmensgewinne ohne neue Arbeitsplätze wäre eine Idee, die Obama populistisch zum Besten geben könnte. Oder aber einfach eine Ausnahmeregelung der breiten Steuererhöhungen für diejenigen Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen. So oder so ist es eine lukrative Einnahmequelle für den Staat, die in der Bevölkerung umgehend einen breiten Rückhalt gewinnen würde. In Deutschland haben wir zwar derzeit keine hohe Arbeitslosigkeit, im Gegenteil, aber wann haben Sie das letzte Mal ungefragt eine Gehaltserhöhung erhalten? Bei den meisten dürfte das lange her sein. Toll, das Deutschland international so wettbewerbsfähig ist und toll, dass Unternehmen dicke Gewinne erwirtschaften können. Doch beim Volk kommt davon wenig an, wie wir den aktuellen Statistiken über die Einzelhandelsumsätze entnehmen können. Es ist schwer, hier die Balance zu finden. Nachdem gut organisierte Gewerkschaften über einen langen Zeitraum viele Arbeitsplätze in Deutschland vernichteten, führte die folgende Lohnzurückhaltung nun zu dicken Unternehmensgewinnen, die leider gar nicht mehr beim Volk ankommen. Der nächste Schwenk wird sicherlich nicht zugunsten der Unternehmen stattfinden, schon gar nicht bei unserer Kanzlerin. So sollten Sie sich schon jetzt gegen die Wehklagen der Wirtschaft hüben wie drüben stählen, damit Sie am Ende dieser Rallye nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden. Wenn Sie also in Ihrem Portfolio Titel haben, die in diesen Tagen überproportional zugelegt haben, dann schauen Sie ganz genau hin, wie lange Sie diese Titel behalten wollen. Ein enger Stopp Loss ist in meinen Augen ratsam. Und vergessen Sie nicht, einfach mal ein paar Gewinne mitzunehmen. Das geht leichter bei steigenden Kursen als zu Crash-Zeiten.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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