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Veröffentlicht von Redaktion am 13.07.2011

Kerry Group: Bleibt auf Wachstumskurs

Kerry Group: Bleibt auf Wachstumskurs

Im Zusammenhang mit Irland sorgten in den vergangenen Monaten vor allem die dortige Schuldenkrise und die schwächelnde Wirtschaft für Gesprächsstoff. Die Aktie des Weltmarktführers für Nahrungsmittelzusatzstoffe und Aromen zeigte sich davon aber weitgehend unbeeindruckt und glänzt weiterhin mit einem intakten übergeordneten Aufwärtstrend seit dem Tief von Anfang 2009. Jüngst kletterte das nach Marktkapitalisierung drittgrößte irische Papier sogar auf ein neues Hoch. Zwar wurde es nicht gehalten, zuvor wirkte aber wohl die Firmenpräsentation vor Investoren aus der Vorwoche nach, bei der die Gesellschaft ihre langfristigen Wachstumsziele aktualisierte und einen insgesamt positiven Eindruck hinterließ. Die Kerry Group bleibt demnach wohl auf einem profitablen Wachstumskurs, was die Aktie als Investment interessant macht.

Das Unternehmen hat eine beeindruckende Entwicklung hinter sich. Nach den bescheidenen Anfängen 1972 mit einer ersten Molkerei in Irland entstand durch organisches Wachstum und Zukäufe ein weltweit tätiger Konzern mit einem Jahresumsatz von zuletzt rund 5 Mrd. Euro. Das Unternehmen ist heute in 23 Ländern mit Produktionsstätten und in 20 anderen Ländern mit Vertriebsgesellschaften präsent. Verkauft werden die mehr als 15.000 Produkte in über 140 Staaten. Größte Absatzregion ist mit 60% der Wirtschaftsraum EMEA, bestehend aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Auf Rang 2 liegen Nord- und Südamerika mit zusammen 30%. Die restlichen 10% entfallen auf die Wachstumsregion Asien-Pazifik.

Zusatzstoffe und Aromen

Stärkste Einnahmequelle ist der Bereich Nahrungsmittelzusatzstoffe und Aromen, auf den 2010 etwa 68% der Konzernumsätze entfielen und in dem ferner das meiste Geld verdient wird. Kerry bietet hier Produkte für die Nahrungsmittel- und Getränke-, aber auch die Pharmaindustrie. Mit ihnen werden beispielsweise Geschmack, Textur und Aussehen von Lebensmitteln verbessert. Sie dienen aber auch zur Unterstützung der Produktionsprozesse bei der industriellen Herstellung. Daneben entwickelt die Gesellschaft neue Zusatzstoffe und Aromen. Diese kommen bei Innovationen im Bereich der Nahrungsmittel zum Einsatz.

Fokussiert auf Wachstumstrends

Das Unternehmen hat sich in seiner größten Konzernsparte auf Wachstumstrends fokussiert, wie den steigenden Bedarf an Convenience Food, also bereits verzehrfertigen oder nur noch zu erhitzenden oder aufzutauenden Speisen. Daneben treiben die großen Nahrungsmittelkonzerne ihre internationale Expansion voran und müssen dabei landesübliche Geschmäcker berücksichtigen. Zudem winken in den Entwicklungsländern Osteuropas, Südamerikas und Asiens große Wachstumschancen, wovon auch Kerry als Zulieferer für die Nahrungsmittelindustrie profitiert. Hatte sich der Umsatzanteil der Entwicklungsländer in dem Segment Zusatzstoffe und Aromen von 2006 bis 2010 von 15% auf 22% erhöht, soll er bis 2017 auf 30% zulegen. Darüber hinaus ist in den vergangenen Jahren der Trend zu beobachten, dass Fertiggerichte deutlich höheren Ansprüchen genügen müssen, indem beispielsweise frische natürliche Zutaten verwendet werden, weshalb andere Zusatzstoffe und natürliche Aromen benötigt werden. Als ein weiteres aussichtsreiches Wachstumsfeld gilt der Markt für gesunde Lebensmittel. Hier werden einerseits künstliche Aromen oder im Übermaß genossen gesundheitlich bedenkliche Zutaten wie Zucker und Salz weitgehend eliminiert. Andererseits werden die Lebensmittel mit Mineralien, Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen und anderen Stoffen aufgepeppt, um sie so gesünder zu machen oder mit einem Zusatznutzen auszustatten, der vor Krankheiten schützen soll, was bei vielen Verbrauchern das Verlangen nach einem gesunden Lebensstil bedient. Kerry hat sich frühzeitig auf all diese Wachstumstreiber hin ausgerichtet und kann dank der vorhandenen Innovationskraft sowie Technologien die immer größer werdenden Anforderungen der weltweiten Nahrungsmittelindustrie erfüllen. Die Zusatzstoffe und Aromen finden auch im Konzern Verwendung, stellt er in seiner zweiten Säule Kerry Foods (Umsatzanteil: 32%) doch auch selbst Nahrungsmittel (z. B. Wurst, Käse, Fertiggerichte, abgepackte verzehrfertige Sandwiches) her. Sie werden vor allem in Irland und Großbritannien verkauft, in denen das Unternehmen bei Kühl- und Tiefkühlprodukten zu den umsatzstärksten Anbietern gehört und einige der eigenen Marken in ihren Segmenten führend sind.

Kontinuierlich steigende Gewinne

Mit seinem Geschäftsmodell war das Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten sehr erfolgreich. Bestes Beispiel dafür ist die Gewinnentwicklung. Seit dem Jahr des Börsengangs 1986 steigerte Kerry sein um immaterielle Abschreibungen und nicht zum Kerngeschäft gehörende Sondereffekte bereinigtes Ergebnis je Aktie (EPS) kontinuierlich von 0,076 auf 194,5 Cent. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 14,5%. In den vergangenen vier Jahren lag sie bei 10,6%. Absolut erzielte der Konzern 2010 einen Profit von 324,2 Mio. Euro und damit 61,1% mehr als in dem von der weltweiten Wirtschaftskrise beeinträchtigten Vorjahr mit 201,2 Mio. Euro. Der Umsatz verbesserte sich gleichzeitig von 4,52 auf 4,96 Mrd. Euro.

Weiteres profitables Wachstum erwartet

An die glänzende Entwicklung der vergangenen Jahre will das Unternehmen anknüpfen und auch in den nächsten Jahren weiter profitabel wachsen. In der Vorwoche hatte es sich Investoren präsentiert und dabei die langfristigen Wachstumsziele aktualisiert. Beim bereinigten EPS will Kerry in den nächsten fünf Jahren demnach weiterhin um durchschnittlich mehr als 10% pro Jahr zulegen. Wie Firmenlenker Stan McCarthy erläuterte, will der Konzern dazu zum einen beim Absatzvolumen stärker wachsen als die Branche und peilt eine durchschnittliche organische Steigerungsrate von 3% bis 5% pro Jahr an. Das Segment Zusatzstoffe und Aromen soll dabei um 4% bis 6% zulegen und dabei vor allem in den Entwicklungsländern mit 10% überproportional wachsen. In der Nahrungsmittelsparte Kerry Foods sind Zuwächse von jährlich 2% bis 3% anvisiert. Zum anderen sollen steigende Margen und weitere positive Effekte aus den laufenden Effizienzsteigerungsprogrammen ("1 Kerry", "Kerry Connect") die Profitabilität im Konzern erhöhen. Beispielsweise will man die Strukturen im Konzern durch die Implementierung eines globalen IT-Systems optimieren. Wie der Vorstand weiter erläuterte, ist man auch auf Kurs, die Ziele für 2011 zu erreichen. Kerry will das bereinigte EPS von rund 1,95 Euro im Vorjahr auf 2,10 bis 2,18 Euro steigern.

Fazit

Der irische Konzern besticht durch eine sehr solide Geschäftsentwicklung in der Vergangenheit, die dank eines etablierten und erfolgreichen Geschäftsmodells wohl fortgeschrieben werden dürfte. Kerry sollte dabei in beiden Geschäftsbereichen auch künftig von seinen starken Positionen, der hohen Innovationskraft und dem technologischen Know-how profitieren und die sich bietenden Wachstumschancen nutzen. Davon scheinen auch die Investoren überzeugt. Seit dem Tief im Januar 2009 zeigt die Aktie einen übergeordneten Aufwärtstrend, markierte jüngst ein neues Hoch, kam dann jedoch wieder etwas zurück. Die Hürde von 30,11 Euro bleibt aber in Reichweite. Ein nachhaltiger Ausbruch käme einem Kaufsignal gleich. Trotz der positiven Performance in den vergangenen Monaten ist die Bewertung der Aktie mit einem KGV (2011e) von etwa 14 nicht zu teuer. Vor dem Hintergrund der guten fundamentalen Verfassung könnten nach einem erfolgten nachhaltigen Ausbruch somit spekulative Käufe in Erwägung gezogen werden.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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