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Veröffentlicht von kurs plus GmbH am 17.10.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 17.10.2011:

Börsenbrief PortfolioJournal
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kurs plus GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Februar 2005

Katastrophenanleihen – eine Wette gegen die natur

Das kombinierte Flut- und Reaktorunglück in Japan, die Erdbebenserie in Neuseeland und zuletzt der Hurrikan Irene: 2011 hat die Natur gewütet wie selten zuvor und Schäden im dreistelligen Milliardenbereich verursacht. Immer mehr Versicherungskonzerne transferieren die Risiken solcher Extremereignisse an den Kapitalmarkt. Die so genannten Cat Bonds locken mit hohen Zinsen, sind aber nicht ohne Risiko.

 

Es ist durchaus unüblich, bereit im Juli eine Bilanz für das gesamte Jahr zu ziehen. Doch der Rückversicherungs-Riese Munich Re wagte angesichts der zahlreichen Katastrophen in der ersten Jahreshälfte diesen unorthodoxen Schritt. 2011 sei bereits nach Ablauf der ersten Hälfte das schadenträchtigste Jahr aller Zeiten. Die „ungewöhnliche Häufung schwerster Naturkatastrophen“ hatte wirtschaftliche Schäden in Höhe von 265 Milliarden US-Dollar verursacht. Ein Großteil entfiel dabei auf den Tsunami in Japan.

Ungeachtet der jüngsten Ereignisse zeichnet sich ein eindeutiger Trend ab: Die Zahl der großen Naturkatastrophen ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten spürbar angestiegen.

Während das Auftreten geophysikalischer Ereignisse wie Vulkanausbrüche oder Erdbeben weitestgehend konstant bleibt, kommt es immer häufiger zu Temperaturextremen, Unwettern und Überschwemmungen.Viele Ereignisse sind letztlich auf den Klimawandel und menschliche Eingriffe in die Natur zurückzuführen – im Umkehrschluss dürfte mit einer weiteren Zunahme zu rechnen sein.

Die Rückversicherer reichen ihre Risiken angesichts dieser Perspektiven immer häufiger an den Kapitalmarkt weiter. Dort erfreuen sich Katastrophenanleihen, auch CatBonds genannt, steigender Beliebtheit. 2010 waren nach Angaben der Munich Re 13 Milliarden US-Dollar in dieser Asset-Klasse investiert Rekord. Im laufenden Jahr soll der Markt im Saldo zwischen 1,5 und zwei Milliarden Dollar zulegen.

Lösgelöst vom Aktienmarkt

Die Pro-Argumente für Cat Bonds liegen auf der Hand: „Einerseits erzielen sie in der Regel eine deutliche Mehrrendite gegenüber herkömmlichen Anleihenportfolios bei geringerer Volatilität. Andererseits sind CatBonds gegen Zinsänderungsund Kreditrisiken weitgehend immun“, sagte Dr. Rainer Grünig, CEO Plenum Investments AG, die kürzlich einen Publikumsfonds auf den deutschen Markt gebracht hat. Die Abkopplung vom Aktienmarkt ist ein schlagendes Argument: Selbst im Krisenjahr 2008 legte der Swiss Re Cat Bond Index noch um 2,28 Prozent zu. Zwischen 2002 und 2010 hat er sich annähernd verdoppelt.

Verzinsungen zwischen drei und sieben Prozent über dem Geldmarktsatz sind durchaus verlockend – gerade in den Zeiten, in denen sichere Staatsanleihen kaum noch etwas abwerfen. „Durch das niedrige Zinsumfeld am Kapitalmarkt werden Katastrophenbonds zunehmend für große institutionelle Investoren wie etwa Pensionskassen interessant, die bisher nicht in diese Anlageklasse investiert haben“, erklärte Munich-ReVorstandsmitglied Thomas Blunck, der auch für das Risk Trading zuständig ist, noch zu Jahresbeginn. Dabei ist die Assetklasse noch recht jung: Der erste Cat Bond wurde 1996 aufgelegt. Eigentlich handelt es sich dabei um Versicherungsverbriefungen. Der Anleger bekommt eine Geldmarktverzinsung plus einen Risikoaufschlag in Abhängigkeit für das Eintreten des zu versichernden Ereignisses geboten. Dabei kann es sich um Windstürme in Europa, Hurrikanes in den USA oder Erdbeben in Japan handeln.

Worst Case:Totalverlust

Dass ein solches Ereignis eintritt, muss nicht automatisch zum Schadenfall führen. Wann sich die Anleger von einem Teil ihres Geldes oder gar der kompletten Summe inklusive Zinsen verabschieden müssen, hängt nicht automatisch von der Höhe und Art der verursachten Schäden ab. Wichtig ist auch, welche Schäden wo entstanden bzw. versichert sind. Bei dem verheerenden Hurrikan Katrina im Südosten der USA im Jahr 2005 hatten viele Betroffene keine Versicherung gegen die folgende Überflutung. Deswegen setzten einige ihre Häuser in Brand – denn dieses Risiko war abgesichert.

Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Schadensmodelle: Bei „Parametric“ muss eine bestimmte Messgröße wie eine Magnitude bei einem Erdbeben erreicht werden. Dies war im Frühjahr in Japan der Fall, als ein Fonds nicht zahlen musste, da das Beben in Tokio zu schwach war. Andere Varianten sind „Indemnity“ (Schaden für den Versicherer) oder „Indexed to Industry Loss“ (Schaden für die gesamte Versicherungsbranche).

Wer in Cat Bonds investieren will, muss für die übliche Laufzeit von drei bis fünf Jahren starke Nerven haben. Passiert in dieser Zeit nichts, gibt es das Geld plus Verzinsung zurück. Im Schadenfall müssen Anleger sich schlimmstenfalls von ihrem Investment und den Zinsen verabschieden. Totalverluste hat es seit 1996 aber noch nicht gegeben. In drei Fällen mussten Investoren bis zu 75 Prozent abschreiben.

Institutionelle Anleger bislang im Fokus

Eine Alternative zu dieser „Principal at Risk“-Variante ist dieVersion „Principal Protected“: Unabhängig davon, ob der Schadensfall eintritt oder nicht, erhalten die Anteilseigner den Nominalwert zurück. Dafür werden mindestens 50 Prozent des Emissionserlöses in Zero Bonds mit höchstem Rating inve

stiert. Unter dem Strich gibt es jedoch einen deutlich geringeren Risikoaufschlag.

Bislang tummeln sich in dem Segment vornehmlich Institutionelle Anleger. Pensionskassen und Hedgefonds greifen bei den Anleihen, die meist zwischen 50 und 300 Millionen Dollar Gesamtvolumen haben, immer häufiger zu. Emittenten wie Munich Re, die Allianz und Swiss Re weiten ihr Angebot weiter aus. Allerdings ist der Einstieg erst ab 250.000 Dollar möglich.

Inzwischen gibt es erste Angebote für Privatanleger. Seit Juli ist der Plenum CAT Bond Fund des Schweizer Anbieters Plenum Investments in Deutschland zum Vertrieb zugelassen. Der Fonds investiert in mehrere Cat Bonds, wobei der Anlagefokus auf Windund Erdbebenrisiken in entwickelten Regionen mit hohen versicherten Werten wie dem Südosten der USA, Westeuropa oder Japan liegt. Als Zielrendite werden vier Prozent über dem Libor angestrebt. Hier ist der Einstieg bereits ab 100 Euro möglich – und die Risiken sind breiter gestreut. Auch Clariden Leu und die Falcon Private Bank haben entsprechende Produkte im Angebot. In Zukunft dürften es noch mehr werden. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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