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Veröffentlicht von CURT L. SCHMITT Informationsdienste am 20.10.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 20.10.2011:

Börsenbrief Frankfurter Börsenbrief
Frankfurter Börsenbrief

CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Jetzt wieder auf die Realwirtschaft achten!

Die Märkte kreisen um das leidige Schuldenkrisen-Thema und blicken dabei mitunter zu wenig auf das, was bei den Unternehmen tatsächlich geschieht. Äußerungen von Politikern treiben die Kurse hoch und runter, wie es beliebt. Befeuert wird das Ganze von im Ansatz zwar durchaus verständlichen Protesten auf der Straße, bei denen allerdings breitflächig die erforderliche Sachkenntnis für den konkreten und aktuellen Marktrahmen zu fehlen scheint.

 

 Einseitige Schuldzuweisungen durch die Politik in Richtung Banken machen definitiv keinen Sinn ebenso wenig wie die teils tendenziös negative Berichterstattung in den Medien. Dies gilt unabhängig davon, dass eine Redimensionierung und Neudefinition der Banken im Sinne der nachhaltigen Entwicklung an den Finanzmärkten durchaus wünschenswert erscheint (und sich auch letztlich nicht wird vermeiden lassen). Gleichwohl bringt es der frühere Siemens-Cheflenker Klaus Kleinfeld richtig auf den Punkt: „Es sieht fast so aus, als ob die Welt sich selbst in eine weitere Rezession hineinsorgt“ und: „Der Hauptgrund für das schwache Quartal sind diese Ängste, nicht ein schrumpfendes Geschäft.“ Passend dazu war der jüngste ZEW-Erwartungsindex, wo mit minus 48,3 Punkten im Oktober die kälteste Eiszeit seit knapp 3 Jahren angesagt war. Die führenden Institute waren bereits vorgelaufen mit ihrem Herbstgutachten, in dem man für das vierte Quartal ein Schrumpfen der Wirtschaft und auch für Anfang 2012 nur ein leichtes Wachstum avisierte. Nach 2,9 % Wirtschaftswachstum in 2011 wird für 2012 ein Mini-Wachstum von 0,8 % avisiert. Dies dürfte konservativ angesetzt sein und bedeutet ein positives Überaschungspotenzial.

Es gibt Anzeichen für eine Verlangsamung, gleichwohl aber durchaus auch positive Signale von der Konjunktur. Auf die optimistische Linie bei Unternehmensinsidern hatten wir bereits hingewiesen. Das Insiderbarometer von Fifam/Commerzbank Wealth Management zeigte in jüngerer Zeit ein Niveau von 158 Punkten und lag damit im eindeutigen Kaufbereich. Dies deckt sich mit dem ersten Eindruck aus der angelaufenen Berichtssaison. Vereinzelt gab es zwar auch Warnungen (z.B. Infineon, Dt. Lufthansa, Dt. Bank), aber durchaus auch positive Ausreißer (z.B. SAP) und mithin sogar Prognoseerweiterungen (z.B. IBM, Hochtief, Dürr, Gerresheimer, Gildemeister, Dialog Semiconductor). Durchaus ähnlich ist das Bild in den USA, wo per Dienstag Abend etwa zwei Drittel der bereits vorgelegten Berichte (von Unternehmen aus dem S&P 500) besser lagen als am Markt erwartet. Darunter beispielsweise auch Intel, wo von einer vermeintlichen Schwäche des PC-Marktes wenig zu sehen war.

Auch beim Konsum scheinen Stimmung und Verhalten auseinanderzulaufen. Ergänzend zur Scherenentwicklung zwischen Stimmung und Konsum in den USA (s. FB vom 15.10.2011): Auch in Deutschland ist das Negativ-Gerede lauter als die Taten. Wie das ManagerMagazin berichtete, möchten 65 % der Deutschen ihr Konsumverhalten unverändert halten. 10 % planen sogar eine Ausweitung der Ausgaben und nur ein knappes Viertel (24 %) will weniger ausgeben. Letzterer Wert ist der niedrigste Anteil seit 2006. Grob jeder Zweite der Befragten sieht die eigene finanzielle Lage als „sehr gut“ oder „gut“. Mit einem Geldvermögen von etwa 4,825 Bio. € nur bei den deutschen Privathaushalten (also ohne Sachwerte wie Immobilien) würden die Deutschen ohnehin auf einem sehr hohen Niveau jammern.

Auch in der Industrie gibt es positive Signale. Beispiel USA: Die Kapazitätsauslastung hat zwar noch nicht das Niveau vor der Krise erreicht (ca. 81 %), aber der Trend ist aufwärts gerichtet, die Auslastung in der Industrie befindet sich mehr oder weniger auf dem höchsten Niveau seit August 2008. Ähnliches gilt für die US-Industrieproduktion, die sich ebenfalls auf dem Top-Level seit August 2008 befindet. Wie sieht es in Deutschland aus? Der Verband Dt. Maschinenund Anlagenbau (VDMA) zeigt sich optimistisch, im kommenden Jahr den Rekordwert aus dem Jahr 2008 mit dem Rückenwind eines Wachstums von 4 % knacken zu können nach immerhin voraussichtlich plus 13 bis 14 % in diesem Jahr. In den ersten acht Monaten des Jahres ging es sogar um 16,7 % aufwärts. Die Auftragsreichweite liegt bei 5,8 Monaten im Schnitt und geht damit bereits in das kommende Jahr hinein. Natürlich sind das nur Schlaglichter, und regional gibt es sicherlich erhebliche Unterschiede (Südeuropa), aber auch diese positiven Schlaglichter gehören zu einer sinnvollen Betrachtung des aktuellen Bildes von Chancen und Risiken an den Märkten. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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