Ist das eine technische Erholung oder steckt mehr dahinter?

Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 06.07.2011
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

Aktionärsbrief

Die Absegnung des Sparprogramms im griechischen Parlament sowie die grundsätzliche Einigung zur privaten Gläubigerbeteiligung haben die Aktienmärkte in der letzten Woche haussieren lassen.


 

Ein Wochenplus von 5,5 % im S&P 500 gab es seit vielen Jahren nicht mehr. Der V-DAX, der die von den Marktteilnehmern erwartete Schwankungsbreite innerhalb der nächsten 30 Tage misst, ist auf den niedrigsten Stand seit über zwei Monaten gesunken. Das ist ein eindeutiges Indiz, dass sich

die Verunsicherung langsam löst.

Der US-Industrie geht es wesentlich besser als dem Verbraucher. Das zeigten die Daten vom Freitag in Form des Einkaufsmanager-Index. Darin liegt auch der Kern für die in der nächsten Woche beginnenden Berichtssaison der Unternehmen. Hier wird sich zeigen, dass die Abschläge von teilweise mehr als einem Viertel in den Kursen vieler Einzelwerte einfach überzogen waren. Daraus resultieren kräftige Erholungsansätze, aus denen sich in den nächsten Wochen etwas machen lässt. Die Bewertungen spielen jedenfalls mit. Ein KGV von 9,6 im DAX sowie 7,9 im Euro Stoxx 50 ließen sich nur dann rechtfertigen, wenn die Unternehmensgewinne nicht weiter zulegen würden. Das ist trotz Wachstumsabschwächung aber nicht zu erkennen. Die deutsche Autoindustrie ist ein wichtiger Indikator. Die Hersteller kommen derzeit kaum mit ihrer Produktion nach. Sie sind dann der Motor, der in Prozent gerechnet nicht die größten Gewinne verspricht, aber die beste Stimmung. Wie geht es nun weiter?

Steigt der S&P 500 in den kommenden Tagen bis 1.360 und der DAX bis 7.600, wird es spannend. Dann hat der Markt zwei Möglichkeiten:

1.) DAX-Durchmarsch bis 8.200. Das wären über 600 Punkte oder von jetzt 10 %. Das wäre die Fortsetzung des Trends seit 2009. Ein solcher Durchmarsch bedarf allerdings eindeutiger Impulse aus der Berichtssaison und fehlender Störfeuer. Besonders letzteres ist fraglich. So hat Standard & Poor‘s bereits durchklingen lassen, bei einer Umsetzung des französischen Plans zur privaten Gläubiger-Beteiligung Griechenland als zahlungsunfähig einzustufen. Portugal steht mit der jüngsten Abstufung durch Moody‘s erneut im Brennpunkt. Auch das Auslaufen von QE2 (Anleihenkäufe der Fed) zum 30.06. könnte eine dämpfende Rolle spielen, da dem Markt damit Liquidität entzogen wird. Das Ganze bleibt also ein Seiltanz.

2.) Prallt der DAX bei 7.600 ab und fällt kürzerfristig zurück, besteht das technische Risiko einer Topbildung auf hohem Niveau. Dann bleibt uns der Seitwärtstrend zwischen dieser Marke und der unteren Unterstützung um 7.000 über den August und September erhalten.

Fazit: Die Stimmung wird besser. Ein Garant für eine neue Rally ist das gleichwohl nicht. Die Gefahr neuer Störfeuer bleibt vakant. Dennoch kann die Investitionsquote wieder leicht erhöht werden. Viele Einzelwerte, besonders in der zweiten Reihe, sehen gut aus. 

 

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