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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 02.06.2016

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 02.06.2016:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Investmentstory Vietnam - Bewertungen am unteren Level

Vietnam gilt als der große Gewinner der Globalisierung. Zuletzt hat das südostasiatische Land Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union und Südkorea abgeschlossen. Auch ist man Teil der von den USA vorangetriebenen Transpazifi schen Partnerschaft (TPP), durch die der weltweit größte Handelsblock entstehen soll. Mit der Schweiz laufen gegenwärtig Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen.

Vietnam verfügt über reichlich Investitionsanreize. Unter anderem ist das Land reich an Bodenschätzen wie Erdöl, Erdgas und Eisenerz. Hinzu kommt eine sehr günstige geografische Lage, die großen Märkte China und Indien sind nicht weit weg.

Aufgrund seiner jungen Bevölkerungsstruktur, geringen Lohnkosten und geographischen Lage hat Vietnam die besten Zukunftsaussichten. Das Land ist einer der größten Profi teure von TPP. Wenn die Handelsbeschränkungen wegfallen, wird es noch attraktiver, in Vietnam zu produzieren. Schon jetzt verlagert sich die Produktion zunehmend von China nach Vietnam. Für Samsung ist das Land schon heute der wichtigste Produktionsstandort außerhalb Koreas. Seit Jahren werden denn auch immer mehr Arbeitsplätze aus der ganzen Region nach Vietnam verlagert, was sich an den rasant steigenden ausländischen Direktinvestitionen ablesen lässt. Sie sind 2015 zum Vorjahr um 17,4 % auf 14,5 Mrd. $ angewachsen. Das entspricht rd. 10 % des BIP und übertrifft gemessen daran die ausländischen Direktinvestitionen in China oder Indien um ein Vielfaches. Prognosen zufolge werden im Jahr 2020 die Arbeitskosten in China um rund 170 % höher ausfallen als in Vietnam.

Konsumboom. Der Kapitalzufl uss aus dem Ausland hat zugleich den Konsum nachhaltig befeuert. Im Vorjahr wurden 50 % mehr Neuwagen verkauft als 2014. Eine solche Wachstumsrate kann auf Dauer nicht aufrechterhalten werden. Trotz der sich verlangsamenden Zulassung von Autos werden nach Schätzungen der Credit Suisse die Privathaushalte im laufenden Jahr 6 % mehr für Konsumgüter ausgeben als 2015.

Gleichwohl steht das Land noch ganz am Beginn. Der Rückstand gegenüber den Industrienationen ist nach wie vor groß. Das Bruttoinlandsprodukt liegt bei nur 2.500 $ pro Kopf. Der Durchschnittsdeutsche kommt auf umgerechnet 43.000 $.

Das Wachstum brummt. Während anderswo in Asien die Exportwirtschaft bereits seit Ende 2014 an Schwung verliert, sind Vietnams Ausfuhren im Vorjahr um 8,1 % gewachsen. Davon gehen 20 % auf Samsung zurück. Und während sich anderswo in der Region die Konjunktur deutlich abkühlt, wird Vietnams Bruttoinlandsprodukt laut IWF im laufenden Jahr um 6,5 % expandieren. Das Analysehaus Pricewaterhouse Coopers sagt für Vietnam bis 2050 jährliche Wachstumsraten von 5,3 % voraus. Dafür spricht nicht zuletzt die Demografie, rund 60 % der Bevölkerung sind im erwerbsfähigen Alter zwischen 16 und 54 Jahren.

Eine einheimische Exportindustrie gibt es nicht. Das deckt auch eine anhaltende strukturelle Schwäche des Landes auf. Anders als etwa in China sind bisher nur wenige, weltweit konkurrenzfähige einheimische Unternehmen entstanden, durch die das Land erfolgreich die Wertschöpfungskette heraufsteigen könnte. Das spiegelt sich auch am lokalen Aktienmarkt, der stark auf die Binnenwirtschaft ausgerichtet ist. 2015 ebnete die Regierung einen wichtigen Weg. Seit dem 1. September entfallen die bisherigen Beteiligungsobergrenzen. Bis dahin durften ausländische Investoren nicht mehr als 49 % an einem einheimischen Unternehmen halten. Lediglich Unternehmen aus Sektoren mit besonderer nationaler Bedeutung, beispielsweise aus dem Bankensegment, bleiben reguliert. Bei Banken gelten 30% als Obergrenze für ausländische Investoren.

Politisch ein ähnliches Modell wie China. Wie in China hat die Kommunistische Partei die Macht, sie stellt die Regierung. Sie hat sich 1986 jedoch zu einem wirtschaftlichen Kurswechsel entschlossen und betreibt seitdem eine zunehmend marktfreundliche Politik. Die auch als „Doi Moi“ bezeichnete Öffnung hat Wirtschaft und Währung stabilisiert und einen deutlichen Aufschwung bewirkt. Die Regierung bemüht sich, bürokratische Hindernisse abzubauen und die Ansiedlung von Unternehmen zu beschleunigen.

Die Börse führt noch ein Schattendasein. Gelistet sind knapp 700 Unternehmen mit einem Börsenwert um gerade einmal 65 Mrd. €. 90 Prozent der Aktien sind bisher von Vietnamesen oder von Unternehmen mit Sitz im Land gehandelt worden. 2015 haben ausländische Investoren nur für rd. 600 Mio. $ vietnamesische Aktien gekauft. Das durchschnittliche KGV liegt bei 12, bei zweistelligen Gewinnzuwächsen. In den vergangenen zwölf Monaten konnten sich die Investoren nicht beklagen, liegt die lokale Börse doch anders als alle anderen fernöstlichen Aktienmärkte deutlich im Plus (s. Rand). Für ausländische Anleger sorgte die schwache einheimische Währung jedoch für Verluste.

Wie investiert man in Vietnam? Der Kauf von Einzelwerten ist für den Privatanleger kaum machbar. Die Dt. Bank ist jedoch mit einem DB-X-TRACKERS-FTSE-VIETNAM-INDEX-ETF (WKN: DBX 1AG; 20,51 €) unterwegs. Mit kleinem Geld lässt sich ein Kauf rechtfertigen. Auf Sicht der nächsten fünf Jahre könnte hier ein Vervielfacher winken.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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