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Veröffentlicht von Redaktion "Frankfurter Börsenbrief" am 10.12.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 10.12.2009:

Börsenbrief Frankfurter Börsenbrief
Frankfurter Börsenbrief

CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

In der Wahrnehmung von Emerging und Developed Markets ist ein Umdenken angebracht

Die globale Überliquidität hat sicherlich an vielen Stellen der Asset-Märkte zu Verwerfungen geführt, mitunter wohl auch zu kleineren Blasenbildungen. Aber der Markt ist immer noch in der Lage, Risiken zu unterscheiden, und daran ändert auch der Dubai-Schluckauf wenig. Im Gegenteil - die Stolperfalle schärft die Sinne, doch das Ergebnis dürfte anders ausfallen, als man dies erwarten könnte. Indikativ ist dabei wohl, daß Libanon in jüngerer Zeit ohne große Mühe 500 Mio. Dollar einsammeln konnte (teils sogar mit langer Laufzeit von 15 Jahren). Ebenfalls ein interessantes Schlaglicht ist, daß die Rating-Agentur Fitch die Türkei gleich um 2 Stufen hochsetzte auf BB+. Damit ist das frühere Sorgenkind unter den Emerging Markets nur noch eine Stufe von einem Investment-Grade im Rating entfernt.

Andererseits kippte Griechenland im Rating ab. Fitch senkte das Rating für die Griechen von A- auf BBB+ und ergänzte dazu noch einen negativen Ausblick. Damit folgte Fitch der Senkung des Rating-Ausblicks, die vorher bereits die Rating-Gesellschaft Moody´s für Griechenland vorgenommen hatte. Die Versprechen Athens zum Schuldenabbau sind das Papier nicht wert, auf dem darüber berichtet wird. Es erscheint höchst unwahrscheinlich, daß Griechenland ohne fremde Hilfe wieder auf Kurs kommt. Staatsdefizit in diesem Jahr wohl etwa 12,7 % und damit etwa doppelt so hoch wie avisiert (soviel zum Thema Glaubwürdigkeit). Selbst im kommenden Jahr wird die Neuverschuldung mit etwa 9,1 % wohl in etwa bei dem Dreifachen liegen von dem, was die Maastrichter Regelung vorsah. Letztlich wird daraus ein europäisches Problem werden. Mit anderen Worten: Der Euro-Club wird einspringen. Die bloße Zugehörigkeit zur westlichen Welt ist aber kein echter Stabilitätsfaktor mehr. Man sollte die Warnung von Moody´s an Großbritannien und die USA nicht überbewerten. Aber Fakt ist, daß sich auch für diese Länder das finanzielle „Standing“ reziprok zur steigenden Verschuldung verschlechtert.


Gerade einige Emerging-Markets hingegen haben dicke Pluspunkte auf ihrer Seite. Während in der westlichen Welt mitunter die öffentlichen Verschuldungen explodierten, ergab sich bei einer Reihe von Ländern ein extremer Anstieg bei den Devisenreserven. Musterbeispiel ist hier natürlich China, wo die Reserven von etwa 450 Mrd. Dollar noch im Jahr 2004 auf inzwischen etwa 2,27 Billionen Dollar hochgefahren wurden. Indien steht für etwa 286,7 Mrd. Dollar, Südkorea für etwa 270,9 Mrd. Dollar. Die russischen Reserven (Gold und Devisen) sind mit etwa 441,7 Mrd. Dollar anzusetzen. Mit derartigen Polstern stehen die Länder in einer völlig anderen Situation und können sogar Investment-Chancen wahrnehmen (wie beispielsweise China in Afrika).


Dazu kommen deutlich attraktivere Wachstumsraten in einigen Regionen. China schaffte im dritten Quartal ein Wachstum von 8,9 %. Indien kam auf plus 7,9 %. Damit ergibt sich eine erhebliche Magnetwirkung für Kapital in einzelnen Emerging Markets. Indikativ: Der indische Sensex Index schaffte vom jüngeren zyklischen Tief plus 114 %, der brasilianische Bovespa bringt etwa plus 132 % auf die Waage. Wenn man es breiter betrachtet fällt z.B. der e-Mini MSCI Emerging Markets Index auf mit plus 104 %. Dies steht gegen einen Zuwachs beim S&P 500 von 64 %. Ebenfalls indikativ ist, daß bei Neuemissionen gerade auch von Emerging-Market-Börsen wie Hongkong, Shanghai, São Paulo, Kuala Lumpur, Bombay usw. Kapital eingesammelt werden konnte. Hier in Deutschland gelang noch nicht einmal der Börsengang der eher defensiven Concessions-Sparte von Hochtief. Emerging Markets können derzeit also eine Menge Kapital anlocken, was in diesen Zeiten ein wichtiges strategisches As im Ärmel ist und zukünftig noch stärker in den Fokus rücken könnte.


Fazit: Emerging Markets sind nicht mehr blind auch mit höherem Risiko gleichzusetzen. Vielmehr sollte man differenziert denken und den Ball so spielen, wie er kommt.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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