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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 04.12.2015

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 04.12.2015:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

IBM - US-amerikanisches IT- und Beratungsunternehmen

Heute hat die Aktie der IBM Corp. die Abstimmung zu unserer Wunschanalyse gewonnen. IBM ist ein US-amerikanischer Großkonzern, dessen Entwicklungen in der Vergangenheit bis weit in die heutige Zeit hineinreichen. Umso tragischer ist es, dass es IBM leider oftmals versäumt hat seine Entwicklungen auch selbst richtig zu monetarisieren. Exemplarisch hierfür steht der Spruch des langjährigen Konzernchefs Thomas J. Watson, der im Jahr 1943 sagte: „Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt". Schauen wir uns daher jetzt gemeinsam an, wo IBM heute steht.

KLEINE UNTERNEHMENSGESCHICHTE

Die heutige IBM geht im Prinzip zurück auf die durch Herman Hollerith 1896 gegründete Tabulating Machine Company, einem Hersteller von Maschinen zur Auszählung und Erfassung per Lochkarten eingegebener Daten. Denn am 16. Juni 1911 schlüpften die Bundy Manufacturing Company, die Computing Scale Corp, die International Time Recording Company sowie eben die Tabulating Machine Company unter das Dach einer Holding mit dem Namen Computing-Tabulating-Recording Company (CTR) mit Hauptsitz in Endicott im US-Bundesstaat New York.

Die Führung des neuen Konzerns, der sich zunächst auf die Herstellung und den Vertrieb von Lochkarten sowie kommerziellen Waagen und Uhren spezialisierte, übernahm dann im Jahr 1914 der eingangs bereits angesprochene Thomas J. Watson. Unter dessen Führung, die bis ins Jahr 1955 hinein andauerte, kam es schließlich 1924 zur Umbenennung in International Business Machines, kurz: IBM. In dieser Phase produzierte die Gesellschaft in erster Linie Locher, Lochkartenmischer und -sortierer, Prüfer sowie Tabelliermaschinen und vermietete diese. So gelang es dem Konzern im Bereich der standardisierten Lochkarten eine nahezu monopolartige Marktstellung zu etablieren.

Zunächst noch bekannt für die Produktion der ersten Großrechner sowie darüber hinaus von Bandstationen, Druckern, Magnetplatten- und Trommelspeichern erfand IBM im Jahr 1981 – quasi als Antwort auf den damals sehr erfolgreichen Apple II – den IBM-PC. Doch konzentrierte sich der Konzern anschließend alleine auf die Hardware und kaufte das Betriebssystem für diesen Rechner von einem damals noch völlig unbekannten Studienabbrecher namens Bill Gates, der so Microsoft begründen konnte.

Inzwischen hat der Konzern erkannt, dass Hardware andere besser und vor allem günstiger produzieren können und konzentriert sich daher heutzutage nahezu ausschließlich auf das Beratungs- und Dienstleistungsgeschäft. Daher wurde PwC Consulting im Jahr 2002 zugekauft und wenig später die eigene Festplattensparte an die japanische Hitachi sowie die eigene Computersparte an die chinesische Lenovo veräußert.

Im Jahr 2010 war IBM das achtzehnte Jahr in Folge das Unternehmen mit den weltweit meisten Patentanmeldungen. Zum Jahreswechsel 2011/2012 übernahm dann mit Virginia Rometty erstmals eine Frau die Führung des Konzerns. Bisher agiert die Vorstandschefin jedoch glücklos.


KLEINES UNTERNEHMENSPROFIL

Heute ist die IBM ein US-amerikanisches IT- und Beratungsunternehmen mit Hauptsitz in Armonk im US-Bundesstaat New York. Gemessen am Umsatz ist der Konzern dabei aktuell das weltweit drittgrößte Software-Unternehmen (hinter Microsoft und Oracle sowie direkt vor SAP) und beschäftigt weltweit rund 380.000 Mitarbeiter, davon über 20.000 in Deutschland.


AKTUELLE KONZERNSTRUKTUR

Zurzeit ist der Konzern in vier Hauptgeschäftsbereiche unterteilt. Der größte und wichtigste Geschäftsbereich sind dabei die IBM Global Services, die wiederum unterteilt sind in die – aus der Übernahme von PricewaterhouseCoopers Consulting (PwC) hervorgegangen – IBM Global Business Services (GBS) sowie die IBM Global Technology Services (GTS). Die weiteren Geschäftsbereiche sind IBM Global Finance (IGF), die IBM Software Group (SWG) sowie die IBM Systems and Technology Group (STG).

Die IBM Business Services stehen dabei inzwischen für insgesamt knapp 2/3 des gesamten Konzernumsatzes. Innerhalb der IBM Business Services stehen wiederum die IBM Global Business Services für 1/3 und die IBM Global Technology Services für 2/3 des Umsatzes. Die IBM Software Group steht für rund 1/4 des gesamten Konzernumsatzes, das in der IBM Systems and Technology Group gebündelte verbliebene Hardwaregeschäft für inzwischen weniger als 10% des gesamten Konzernumsatzes und IBM Global Finance für gerade mal gut 2% des gesamten Konzernumsatzes.

Daher hängt das Wohl und Wehe des Unternehmens heute in erster Linie von technischen Dienstleistungen wie dem e-Business Hosting, den integrierten Technologielösungen, dem IT-Management, dem strategischen IT-Outsourcing, der IT-Sicherheit und dem technischen Support sowie darüber hinaus dem Unternehmensberatungsgeschäft (Business Consulting) ab.


EIN AKTUELL SCHRUMPFENDER IT-GIGANT

Problematisch ist jedoch, dass zuletzt alle Geschäftsbereiche schrumpften. Dabei fiel jedoch der Umsatzrückgang im wichtigsten Geschäftsbereich IBM Global Services mit gut -2% deutlich geringer aus als bspw. in der IBM Software Group (-12%). Wenngleich daher der gesamte Konzern ein schrumpfender IT-Gigant ist, so verschieben sich die Geschäfte doch immer mehr in Richtung der technischen Dienstleistungen (-1,6%) sowie des Unternehmensberatungsgeschäfts (-3,2%).

Allerdings muss sich CEO Virginia Rometty dabei die Frage stellen, in wie fern sie zukünftig noch auf das Unternehmensberatungsgeschäft setzen möchte. Denn dieses spült dem Konzern zwar hohe Umsätze in die Kasse, zugleich lässt jedoch der Gewinn aufgrund hoher Personalaufwendungen eher zu wünschen übrig. Während die IBM Global Services zwar für knapp 2/3 des Konzernumsatzes stehen, tragen sie weniger als 50% zum Konzernergebnis bei. Einen fast genauso hohen Anteil zum Konzerngewinn steuert die IBM Software Group bei, immerhin noch rund 10% des Konzerngewinns stammen aus der Sparte IBM Global Finance. Im Hardwaregeschäft, von dem sich IBM unter Rometty ganz verabschieden möchte, drohen dem Konzern dagegen rote Zahlen.

UMSATZ- UND GEWINNENTWICKLUNG

Seit dem Geschäftsjahr 2011 verzeichnete IBM einen Umsatzrückgang von seinerzeit knapp 107 Mrd. US-Dollar auf inzwischen nur noch knapp 93 Mrd. US-Dollar (-13,2%). Zugleich reduzierte sich der Konzerngewinn jedoch nur leicht und der Gewinn je Aktie stieg – bedingt durch seit Jahren umfangreiche Aktienrückkäufe – sogar von 13,06 auf zuletzt 15,60 US-Dollar (+19,4%).

In den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres 2015 hat IBM einen Umsatz von knapp 60 Mrd. US-Dollar (-13,1%) sowie einen Gewinn je Aktie von 9,03 US-Dollar (-10,2%) erzielt. Für das Gesamtjahr 2015 erwarten die Analysten daher nun im Durchschnitt einen Jahresumsatz von knapp 80 Mrd. US-Dollar (-13,8%) bei einem Gewinn je Aktie von 14,93 US-Dollar (-4,3%).

Dabei sanken jedoch zuletzt die Prognosen der Experten deutlich, nachdem IBM selbst seine Gewinnprognose von zuvor 15,75-16,50 US-Dollar auf 14,75-15,75 US-Dollar je Aktie abgesenkt hatte.


UMSATZ- UND GEWINNERWARTUNGEN: AB 2017 KEHRT DAS WACHSTUM WIEDER ZURÜCK

Nach einem Umsatz von knapp 80 Mrd. US-Dollar sowie einem Gewinn je Aktie in Höhe von 14,93 US-Dollar in 2015 erwarten die Analysten für 2016 eine Stagnation des Jahresumsatzes um die 80 Mrd. US-Dollar bei einem leichten Anstieg des Gewinns je Aktie auf 15,11 US-Dollar (+1,2%).

Für das Geschäftsjahr 2017 und darüber hinaus liegen derzeit noch keine aktuellen Umsatz- und Gewinnprognosen von IBM selbst oder den Analysten vor. Es ist jedoch zu erwarten, dass ab dem Geschäftsjahr 2017 sowohl der Konzernumsatz als auch der Gewinn je Aktie weiter anziehen. Dabei fällt das Gewinnwachstum auf Basis des Gewinns je Aktie aufgrund der fortgesetzten Aktienrückkaufprogramme wohl überproportional gut aus.

Ich kalkuliere daher für das Geschäftsjahr 2017e mit einem Umsatzwachstum von gut +4% auf knapp 83,5 Mrd. US-Dollar bei einem Gewinn je Aktie von 16,50 US-Dollar (+9,2%) sowie für das Geschäftsjahr 2018e mit einem Umsatzwachstum von knapp +5,4% auf rund 88 Mrd. US-Dollar bei einem Gewinn je Aktie von 18,40 US-Dollar (+11,5%).

IBM zahlt zurzeit bereits eine Dividende von 1,30 US-Dollar je Aktie pro Quartal, die folglich in 2017e auf 1,50 US-Dollar je Aktie pro Quartal und 2018e auf 1,75-1,80 US-Dollar je Aktie pro Quartal angehoben werden könnte.


FUNDAMENTALE BEWERTUNG

Auf Basis der Geschäftszahlen für 2015 wird IBM gegenwärtig mit einem KUV von ca. 1,7 sowie einem KGV von gut 9 bewertet. Obwohl das Unternehmen zuletzt schrumpfte, halte ich dies für sehr günstig. Zumal IBM derzeit schrumpft, um zukünftig umso stärker wachsen zu können.

Belege ich den erwarteten Umsatz und Gewinn des Jahres 2018e mit diesen Kennziffern, so läge der fundamental faire Wert dann zwischen knapp 151 Mrd. US-Dollar (KUV ca. 1,7) und 167,1 Mrd. US-Dollar (KGV ca. 9). Ich tendiere hier jedoch dazu, dass das Unternehmen eher im Bereich von 167,1 Mrd. US-Dollar fair bewertet ist, da bis 2018e ja auch das Wachstum zurückkehren und sich sogar leicht beschleunigen soll.

Ich setze daher den fairen Unternehmenswert mit 165 Mrd. US-Dollar an, was einem Aktienkurs von ziemlich genau 170,00 US-Dollar entsprechen würde. Dies entspräche einem Kurspotenzial von immerhin knapp +22%. Da die Börse zumeist bis zu einem Jahr in die Zukunft schaut, wäre dieses Kursziel bis frühestens Ende des Jahres 2017 zu erwarten, also auf Sicht von 24 Monaten.

Zu den möglichen Kursgewinnen addieren sich jedoch voraussichtlich auch noch Dividendenzahlungen in Höhe von 11,20 US-Dollar. Alles in allem läge das Gewinnpotenzial (inkl. Dividenden) also bei knapp +30% auf Sicht von zwei Jahren, was einer durchschnittlichen Jahresrendite von knapp +14% entspräche. Nicht schlecht für einen solchen Bluechip.


FAZIT: EIN ANTIZYKLISCH ABSOLUT KAUFENSWERTER BLUECHIP

Vor dem Hintergrund dieser Aussichten versteht man jetzt, warum der legende Investor Warren Buffett über sein Investmentvehikel Berkshire Hathaway zuletzt bei IBM eingestiegen ist und die Aktie in fallende Kurse hinein sukzessive nachgekauft hat. So besitzt Berkshire Hathaway zurzeit bereits 8,2% des Aktienkapitals, und Buffett hat angekündigt fallende Kurse weiter zum Zukauf nutzen zu wollen.

Vom Bauchgefühl her dachte ich zunächst, dass Warren Buffett hier erneut falsch liegen könnte (wie zuletzt bei Tesco sowie dem ein oder anderen Investment im Ölsektor), aber nachdem ich mir IBM nun en détail angeschaut habe, sind diese Zweifel bei mir verflogen. Vielmehr glaube ich, dass IBM ein antizyklisch absolut kaufenswerter Bluechip ist, der in den kommenden beiden Jahren Gewinne in Höhe von knapp 30% (inkl. Dividenden) einbringen dürfte.

Dabei bin ich sowohl bei meinen Umsatz-, Gewinn und Dividendenschätzungen als auch bei der angesetzten Bewertung noch sehr vorsichtig geblieben. Denn angesichts eines nach 2016 langsam beschleunigenden Umsatz- und Gewinnwachstum hätte man durchaus auch ein KUV von bis zu 2 sowie ein KGV von 10 oder mehr ansetzen können – mit entsprechend positiven Auswirkungen auf den fundamental fairen Wert und somit das Kursziel der Aktie.

Ich jedenfalls halte die Aktie der IBM auf dem gegenwärtigen Kursniveau, genauso wie Warren Buffett, für kaufenswert und sehe ein Kursziel auf Sicht der nächsten 24 Monate in Höhe von mindestens 170,00 US-Dollar. Dabei eignet sich die Aktie, die zurzeit eine Dividendenrendite von 3,7% p.a. abwirft, sogar für eher konservative Anleger. Auch bei einer Aktie wie IBM sollte man sich jedoch mit Hilfe eines Stoppkurses, ich empfehle diesen bei 122,78 US-Dollar zu setzen, gegen an der Börse natürlich jederzeit mögliche Kursverluste absichern.
 

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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