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Veröffentlicht von Redaktion "BÖRSE am Sonntag" am 26.04.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 26.04.2009:

Börsenbrief BÖRSE am Sonntag
BÖRSE am Sonntag

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

IBM: Big Blue bleibt auf Rekordkurs

Während der Bilanzsaison werden die Ergebnisse einiger Unternehmen ganz besonders unter die Lupe genommen, da sie Aufschluss über die Entwicklung einzelner Branchen oder der gesamten Wirtschaft geben können. Ein Beispiel dafür ist der Computer- und IT-Riese IBM, dessen Zahlen und Prognosen der gesamten IT-Branche als wichtiger Gradmesser dienen. Kein Wunder also, dass sie auch dieses Mal genau analysiert wurden. Der Konzern konnte dabei zwar nicht in allen Belangen überzeugen, er hält aber trotz der Wirtschaftskrise an seiner Ergebnisprognose für das Gesamtjahr 2009 fest. Womöglich kann dies der Aktie weiteren Rückenwind geben!

Die im Vorfeld auszumachenden Befürchtungen von einigen Marktteilnehmern, dass die Quartalszahlen von IBM hinter den Erwartungen zurückbleiben könnten, bewahrheiteten sich im Großen und Ganzen nicht. Stattdessen zeigte sich der Konzern weiterhin in guter Verfassung und trotzt damit der Wirts cha f t s f l aut e . Ein kleiner Wermutstropfen war allerdings der auf den ersten Blick deutlich rückläufige Umsatz, der im Vorjahresvergleich um 11% auf 21,7 Mrd. US-Dollar schrumpfte und damit schlechter ausfiel als durchschnittlich von den Analysten erwartet. Der Rückgang lag aber vor allem am starken US-Dollar. Um Währungseffekte bereinigt verringerten sich die Erlöse lediglich um 4%.


Höhere Bruttogewinnspanne

Mit Blick auf die einzelnen Segmente lief es im traditionellen Hardwaregeschäft besonders schlecht. Hier brachen die Umsätze um 23% auf 3,2 Mrd. US-Dollar ein. Währungsbereinigt waren es minus 18%. Im Softwarebereich gingen die Erlöse dagegen nur um 6,3% auf 4,5 Mrd. US-Dollar zurück. Ohne negative Währungseffekte konnte IBM hier sogar um 2% zulegen. In den wichtigen und gewinnträchtigsten Servicesparten, die beispielsweise Outsourcing-Dienstleistungen anbieten, gab es Rückgänge von 9,5% auf 8,75 Mrd. US-Dollar (Global Technology Services) und 10,5% auf 4,4 Mrd. US-Dollar (Global Business Services). Ohne Währungseffekte fielen aber auch hier die Einbußen mit 1% und rund 2% nicht sonderlich groß aus. Zudem konnten beide Bereiche, wie auch das Softwaresegment, ihre Bruttogewinnspannen verbessern. Und auch insgesamt kletterte die Bruttomarge von 41,5% auf 43,4%. Absolut sank der Bruttogewinn jedoch um 7,2% auf 9,43 Mrd. US-Dollar. Nahezu stabil zeigte sich der Nachsteuergewinn, der lediglich um 1% auf 2,3 Mrd. US-Dollar nachgab. Geholfen haben dabei Kosteneinsparungen. Das Ergebnis je Aktie (EPS) legte sogar von 1,64 auf 1,70 US-Dollar zu, was an der durch Aktienrückkäufe verringerten Anzahl ausstehender Aktien lag.


Gute Performance

Firmenlenker Samuel J. Palmisano sprach mit Blick auf die vorgelegten Ergebnisse von einer guten Performance innerhalb eines sehr schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes. Er hob dabei erneut die in den vergangenen Jahren umgesetzten Maßnahmen im Rahmen der langfristigen strategischen Ausrichtung hervor. IBM rückte vom klassischen Hardwaregeschäft ab und legte seinen Schwerpunkt auf das gewinnträchtigere Softwareund Servicegeschäft. Daneben expandierte der Konzern in Wachstumsmärkte, sparte Kosten und steigerte die Produktivität. Ein weiter Erfolgsfaktor ist die starke Marktposition. Als einer der weltweit größten Anbieter von Informationstechnologie bietet IBM ein breit gefächertes Know-how, angefangen bei Hardware wie Supercomputer über Software, Services und Beratungsleistungen bis zur Finanzierung von IT-Lösungen.


Prognosen bekräftigt

Damit hat das Unternehmen eine glänzende Basis, um seinen Erfolgskurs künftig fortzusetzen. Dies gilt auch für das laufende Geschäftsjahr 2009. Ungeachtet des weltweiten Abschwungs und des Umsatzrückgangs im Auftaktquartal hält IBM an der Gewinnprognose von 9,20 US-Dollar je Aktie für das Gesamtjahr fest. 2008 erzielte der Konzern 8,93 US-Dollar, was ein neuer Spitzenwert war. Hintergrund für die anhaltend positive Einschätzung ist die Margenentwicklung in den ersten drei Monaten, was nach Firmenangaben helfen sollte, das Gewinnziel auch bei geringeren Einnahmen zu erreichen. Aber nicht nur für 2009 zeigte sich der Vorstand zuversichtlich. Er bestätigte erneut, dem selbst gesteckten Zeitplan voraus zu sein, im nächsten Jahr einen Gewinn je Aktie von 10,00 bis 11,00 US-Dollar zu erreichen.


Finanziell stark

Neben den Geschäftszahlen und den bestätigen Prognosen ist IBM auch finanziell weiterhin in glänzender Verfassung. Der freie Cashflow konnte im Vorjahresvergleich von 0,59 auf 1,04 Mrd. US-Dollar fast verdoppelt werden. Die Verschuldung (inklusive Finanzierung) wurde von 33,9 Mrd. US-Dollar am Jahresende 2008 auf 31 Mrd. US-Dollar gesenkt. Der Bargeldbestand lag Ende März mit 12,3 Mrd. US-Dollar weiterhin auf einem sehr hohen Niveau und der Konzern will diesen auch für geeignete Zukäufe nutzen. Dass IBM hier bedächtig und nicht verschwenderisch vorgeht, zeigt die Tatsache, dass die Übernahme des Serverspezialisten Sun Microsystems Anfang des Monats wohl an der Preisfrage scheiterte. Nun will sich Oracle Sun Microsystems einverleiben. IBM rechnet durch einen möglichen Zusammenschluss jedoch mit keinem bedeutenden Einfluss auf die eigenen Geschäfte. Einige Branchenexperten sehen dies jedoch etwas anders und erwarten, dass sich eine Fusion von Sun Micro mit Oracle auf die strategische Ausrichtung von IBM auswirken könnte. Allerdings wird sich erst zeigen müssen, ob die Übernahme und die Verzahnung der Produkte tatsächlich so klappt, wie sich Oracle dies vorstellt.


FAZIT

Unserer Meinung nach braucht sich IBM aber selbst bei einem Erfolg nicht sonderlich fürchten. Big Blue hat bereits ein funktionierendes Geschäftsmodell, das von Hardware über Software bis hin zu IT-Dienstleistungen komplette und eng verzahnte Lösungen anbieten kann, und mit dem man erfolgreich am Markt tätig ist. Ein Beleg dafür sind auch die jüngst abgelieferten Ergebnisse. Inklusive der bestätigten Prognosen ist der Konzern somit offenbar weiterhin in einer guten fundamentalen Verfassung. Zwar hat der Aktienkurs in den vergangenen Monaten bereits kräftig zugelegt und seit dem Mehrjahrestief im November 2008 ging es um mehr als 40% aufwärts, weitere Zuwächse sind jedoch nicht ausgeschlossen. Und auch aus charttechnischer Sicht ist eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung denkbar. Seit Anfang April versucht sich das Papier an den Widerständen bei 97,04, 99,10 und 100,90 US-Dollar und markierte dabei bei 102,66 US-Dollar ein neues Jahreshoch. Sollte diese kurzfristige Hürde nun nachhaltig überwunden werden, könnte dies den Weg freimachen bis zum Jahreshoch 2008 von knapp 131 US-Dollar. Entsprechend könnten sich nach einem Sprung über 102,66 US-Dollar spekulative Käufe anbieten, die spätestens bei 95,50 USDollar mittels Stop-Loss abgesichert werden sollten.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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