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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 10.09.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 10.09.2010:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

HP verklagt Ex-Ceo, Tipp 24 gewinnt

HP hat Probleme- Ex-Ceo Hurd von Oracle angeheuert Hewlett Packard hat Mark Hurd aufgrund falscher Abrechnungen in Höhe von 20.000 US-Dollar im Umgang mit einer hübschen Unternehmensberaterin aus dem Haus gejagt. Das sind keine Beträge, wegen derer man einen CEO feuert und ich hatte das als entweder ein Zeichen des hohen moralischen Anspruchs von Mark Hurd interpretiert, oder aber irgendwelche anderen Querelen dahinter vermutet. Inzwischen glaube ich, dass Letzteres der Fall ist: Hurd wurde aus dem Unternehmen getrieben. Denn kurz danach trat HP in einen Übernahmekampf mit Dell, um ein zweitklassiges Unternehmen der Netzwerkspeichertechnologie (auch Cloud Computing) ein und zahlte für die Übernahme einen Preis, der selbst dem übernommenen Unternehmen als zu hoch erschien – und das will was heißen. Zumal HP stets behauptete, bestens für den Boom im Cloud Computing positioniert zu sein. Man habe herausragende Produkte und eine gute Marktposition. Wenn sodann ein exorbitanter Preis für ein zweitklassiges Unternehmen gezahlt wird, das kaum einen technologischen Vorsprung vor HP haben kann, dann ist das ein Zeichen dafür, dass HP in Wirklichkeit diesen Trend verschlafen hat und nun händeringend um einen Zugang kämpfen muss. Nicht gerade vertrauenerweckend, oder?

Diese Woche gab Larry Ellison, Gründer und Haupteigner von Oracle, bekannt, Mark Hurd als CEO für sein Unternehmen gewonnen zu haben. Chick Phillips, der aktuelle CEO von Oracle, wird somit schlichtweg ausgetauscht. Er war zu brav und muss dem knallharten Manager Hurd nun seinen Sessel überlassen. Hurd ist in meinen Augen sicherlich eine gute Wahl von Ellison, um die Integration von Sun Microsystems in den Oracle Konzern voranzutreiben. Was tut nun HP? Sie verklagen Mark Hurd. Hurd wird nun vorgeworfen, gegen das Wettbewerbsverbot, das Managern für gewöhnlich nach dem Verlassen ihres Postens abgerungen wird, zu verstoßen. Ich halte das für den zweiten Fehler nach dem Abgang Hurds, der HP unterläuft. Denn so fragwürdig das plötzliche Ende Hurds als CEO bei HP war, so nebulös sind die Gründe dafür bis heute geblieben – und ich denke, das ist sowohl für Mark Hurd, als auch für HP besser. Sollte diese Geschichte vollständig an die Öffentlichkeit dringen, so wird dies weder auf Hurd noch auf HP ein gutes Licht werfen. Seit dem Abgang von Mark Hurd hat die Aktie von HP 20% abgegeben. Wenn ich mir die Entscheidungen des Übergangsmanagements anschaue, dann muss ich fürchten, dass diese 20% noch lange nicht ausreichen. Ich hatte von Anfang an zum Verkauf geraten und wiederhole diese Einschätzung nun: Da liegt noch wesentlich mehr im Argen als wir heute schon wissen. Lassen Sie die Finger von HP. EU KIPPT DEUTSCHES WETTMONOPOL Seit Jahren schwelte der Streit zwischen den privaten Wettspielanbietern und dem staatlichen Lotto/Toto Monopol. Jahrelang behauptete der Staat in Deutschland, Wettspiele machen süchtig und gehörten daher unter staatliche Kontrolle, unter „Kontrolle“ verstand der Staat jedoch leider lediglich das Verbot jedes privaten Anbieters. Ich hatte berichtet, wie Tipp24 daher nach England ausgewandert war und von dort aus über das Internet Glücksspiele anbot. Das rechtliche Konstrukt war sehr kompliziert und auch Werbung konnte Tipp24 kaum machen, so dass nach wie vor der Löwenanteil der Wetteinnahmen über die staatlichen Betreiber generiert wurde. Nun hat sich der Europäische Gerichtshof mit dem Thema befasst und entschieden, dass in Deutschland das staatliche Monopol nicht gerechtfertigt sei. Der deutsche Staat mache Werbung für Glücksspiele, was einer Suchtvermeindung nicht gerade förderlich sei und werde daher dem Auftrag der Suchtvermeidung nicht gerecht. Somit dürfen bis zu einer Neuregelung nun auch private Anbieter in Deutschland Wettspiele anbieten und bewerben. Das Gejammer bei der Regierung ist groß, denn über die Einnahmen werde der Breitensport finanziert. Dies Argument zauberte die Politik in Folge der Entscheidung aus der Tasche. Das Argument ist mir völlig neu und darüber hinaus auch nicht unbedingt stichhaltig: Die Einnahmen des Staates sind nicht zweckgebunden, es handelt sich um eine von vielen Einnahmequellen, die nun angegriffen wird. Darüber, wie viel davon in die Förderung des Breitensports (insbesondere kleine Sportvereine mit unpopulären Sportarten) fliest, sind mir keine Zahlen bekannt. Davon abgesehen steht es unserer Regierung nun frei, den privaten Betreibern von Glücksspielen und Wetten aufzuerlegen, einen bestimmten Anteil der Einnahmen in die Förderung des Breitensports zu stecken. Das wäre dann in meinen Augen eine sinnvolle und faire Organisation einer solchen Förderung. In Frankreich wird dies bereits erfolgreich praktiziert. Profiteur der EuGH-Entscheidung ist natürlich unter anderem auch Tipp24, der Kurs ist vorgestern nach der Entscheidung um 15% angesprungen. Eine Erlaubnis, in Deutschland zu operieren würde dem Unternehmen künftig die Möglichkeit eröffnen, über Werbung neue Kunden und damit mehr Umsatz zu generieren. Darüber hinaus ist es wesentlich einfacher für das Unternehmen, entsprechende Versicherungen für Jackpot-Gewinne abzuschließen, wenn das gesamte Geschäft innerhalb Deutschlands abgewickelt werden kann. Ein Umstand, der dem Unternehmen in der Vergangenheit oft Kopfzerbrechen (und Kosten) bereitet hat. Das günstige KGV von 6 auf Basis der Schätzungen für 2011 ist in meinen Augen diesem Umstand geschuldet. Es würde mich nicht überraschen, wenn Tipp24 nun wieder zu einem deutlich höheren Bewertungsniveau zurückkehrt. Ein KGV von 9 würde einem Kurspotential von 50% entsprechen, was in meinen Augen noch immer nicht zu teuer wäre.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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