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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 29.01.2015

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 29.01.2015:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Himax Trend 2015: Augmented Reality

Microsoft erfindet sich neu. CEO Satya Nadella krempelt den Laden um und setzt auf neue Trends wie die Cloud, Machine Learning und Augmented Reality. Software aus dem Hause Microsoft wird zunehmen kostenfrei zur Verfügung gestellt (seit heute das Office-Paket für Android), die im wissenschaftlichen Bereich führende Statistik-Software R wurde gekauft und diese Woche wurde die "HoloLens" vorgestellt. Liegt es an meinem Alter oder warum beginne ich nun auch zu schreiben wie die Alten: Der Wandel geht immer schneller vonstatten. Aber ich erinnere mich, zur Jahrtausendwende hatten wir schon einmal eine Zeit, als neue Geschäftsmodelle Industrien umkrempelten und einige davon gehören heute zu den größten Unternehmen der Welt. Ich möchte daher heute einen Blick auf ein junges Unternehmen werfen, das in diesem Umfeld kräftig mitmischt: Himax Technologies, den Hersteller von Displays für Virtual Reality Brillen.


Es ist noch nicht einmal eine Woche her, da beendet Google sein Experiment mit Google Glasses - zugunsten einer besseren Datenbrille in ein bis zwei Jahren - da verkündet Microsoft ein neues Produkt: die HoloLens.


Während Google den Bildschirm direkt auf die Netzhaut projizierte, wird bei der HoloLens ein Bild auf einen Schirm direkt vor den Augen gestrahlt. Der Lichtstrahl ist immer gleich, Flüssigkristalle in dem Bildschirm nehmen jedoch unterschiedliche Farben an, sodass ein Bild reflektiert wird. LCoS heißt diese Technologie: Liquid Crystal on Silicon.

Diese Technologie wird nur für sehr kleine und gleichzeitig extrem hochauflösende Bildschirme verwendet. Sonys Virtual Reality Brille verwendet es, JVC hat ebenfalls ein Produkt. Aber auch Facebooks Oculus Rift wird nachgesagt, diese Technologie zu verwenden.

Himax ist ein Technologiekonzern aus Taiwan. Für die Kinect von Microsoft hat Himax bereits die Kamera geliefert, die Bewegungen der Nutzer auswertet. Auch für Google Glass hat Himax Komponenten geliefert. Nicht verifizieren konnte ich das Gerücht, dass Himax auch der Zulieferer für Facebooks Oculus Rift ist. Doch schon Microsoft und Google zeigen, dass Himax bei den ganz Großen auf der Lieferantenliste steht.

Als Microsoft den Bewegungssensor Kinect für die Xbox mit Himax-Technologie auf den Markt brachte, gab es einen Nachfrageschub für die Xbox (Absatz sprang auf 8 Mio. verkaufte Xbox mit Kinect). Ähnliches könnte ich mir für die HoloLens auch vorstellen.
 

Schauen wir uns Himax einmal näher an:


Das laufende Jahr gilt bei Himax als Übergangsjahr, denn der Umsatz wächst den Erwartungen der Analysten zufolge nur mit 8% an, der Gewinn sogar nur mit 5,5%. Doch schon im laufenden Jahr wird es erheblich besser, der Gewinn soll um 40% anspringen, der Umsatz um 12,7%. Und auch im Jahr danach wird ein weiteres Wachstum von 14,8% im Umsatz erwartet und 20% im Gewinn. Das KGV 2016e auf Basis der Analystenerwartungen für 2016 beträgt 14, für ein Unternehmen mit 20-40% Gewinnwachstum ist das sehr günstig. Zumal Analysten auch für die Zeit danach von einem weiteren Gewinnwachstum von durchschnittlich 30% p.a. auf Sicht der kommenden fünf Jahre ausgehen.

Wenn ich diese Ziffern mal auf einem Schmierzettel notiere und eine faire Bewertung (KGV) eines Wachstumsunternehmen bei bis zu dem zweifachen des Gewinnwachstums liegen kann, könnte sich der Kurs in den kommenden zwölf Monaten vervierfachen. Aber hier greifen wir der Entwicklung vielleicht ein wenig vor. Vielleicht muss sich Himax genau wie Dialog Semi mit einem KGV von 20 zufrieden geben, dann beträgt die Kurschance für die kommenden zwölf Monate nur noch 45%.

Was steckt dahinter? Nun, Himax ist ein bisschen vergleichbar mit unserer Dialog Semiconductor oder auch mit Qualcomm. Diese Unternehmen stecken viel Geld in die Entwicklung neuer Lösungen und lassen die Produkte dann für ihre Kunden bei anderen Unternehmen produzieren. Es sind die sogenannten fabless manufacturer, die fabriklosen Hersteller. Sie sind sehr flexibel, denn sie können sich stets verfügbarer Produktionskapazitäten bedienen und müssen keine teuren Investitionen tätigen. Auf der anderen Seite haben die Produkte eine kurze Lebensdauer, und das Unternehmen muss ständig neue Lösungen entwickeln.

Im Vergleich zu Qualcomm und Dialog Semiconductor wächst der Gewinn von Himax schneller an. Das liegt unter anderem am zu erwartenden Erfolg der HoloLens. Die Analystenerwartungen fußen auf dem erwarteten Erfolg dieses Microsoft-Produkts, wobei man da schon recht gut abschätzen kann, wie eine HoloLens in der Spielerwelt aufgenommen wird.

Himax hat mit Microsoft und Google bereits zwei Großkunden während Dialog Semi nach wie vor nur auf Apple bauen muss. Damit ist Himax sogar besser aufgestellt als Dialog Semi und verdient meines Erachtens auch ein höheres Bewertungsniveau.

Die Bilanz des Unternehmens sieht gut auf: 137 Mio. USD Schulden stehen 147 Mio. USD Barreserven gegenüber. Der Umsatz von 836 Mio. USD wird mit einer Marktkapitalisierung von 1,5 Mrd. USD bewertet, ein KUV (Kurs/Umsatz-Verhältnis) von 1,8 ist dafür, dass ein Umsatzsprung erwartet wird, okay.

Am 12. Februar wird Himax die Q4-Zahlen veröffentlichen. Bank of America/Merrill Lynch hat diese Woche das Kursziel auf 12,50 USD gesetzt (Kurs aktuell: 8,63 USD).

In Deutschland wird die amerikanische ADR unter der WKN A0JKBX gehandelt, in Frankfurt, Stuttgart und auf Tradegate ist ein wenig Handelsvolumen vorhanden. ADRs sind American Depository Receipts, also Papiere, die ein Recht auf die taiwanesische Aktie verbriefen. In diesem Fall verbrieft ein ADR sogar das Recht auf zwei taiwanesische Himax-Aktien, der Kurs ist also rechnerisch doppelt so hoch wie in Taiwan. In Deutschland steht der Kurs bei 7,9 Euro. In den vergangenen Tagen ist die Aktie bereits kräftig angesprungen. (33% in einer Woche). Der Grund dafür liegt in Gerüchten, die den Aktienkurs zuvor nach unten gedrückt hatten: Gerüchte kursierten, dass Himax in Q4 die eigene Unternehmensprognose nicht erreichen werde.

Am 14. Januar hat Himax daher vorläufige Zahlen vorab veröffentlicht und die haben gezeigt, dass alles im Rahmen liegt. Entsprechend wurde der vorangegangene Ausverkauf (von 7 auf 6 Euro) anschließend wieder wett gemacht. Doch die Aktie stieg weiter. Nunmehr liegt der Grund in neuen Gerüchten, diesmal positiven, denn Microsoft wird nun Kaufinteresse an Himax nachgesagt.

Das ist nicht so weit hergeholt, denn CEO Satya Nadella krempelt sein Microsoft gehörig um und die Zukunftstechnologie von Himax würde gut in das Portfolio Microsofts passen, immerhin möchte Microsoft künftig verstärkt auch Hardware anbieten.

Ganz abgesehen davon handelt es sich um eine heiße Technologie, die für Augmented Reality gut genutzt werden kann. Und das sind Trends, die meines Erachtens im noch jungen Jahr 2015 auftrumpfen werden. Das Thema kam vor zwei Jahren schon mal auf, es gab aber noch kaum Anwendungen. Nun gibt es eine Reihe von Anwendungen, und ich kann mir gut vorstellen, dass das Thema in den kommenden Monaten häufiger in die Schlagzeilen kommt.

FAZIT:


Eine heiße Technologie bei einem wachstumsstarken, gesunden Unternehmen. Hier winken große Spekulationsgewinne, wenn die HoloLens ein Erfolg wird. Ich traue es Satya Nadella zu, die HoloLens attraktiv genug dafür zu gestalten. Doch wie immer birgt eine solche Neueinführung auch das Risiko, dass gerade etwas anderes "hip" ist, und dann würde die HoloLens zum Ladenhüter. Entsprechend würde Himax, die sich derzeit stark auf diesen Markt fokussiert haben, im Kurs einbrechen. Keine überproportionalen Kursgewinne ohne Risiko.
 

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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