Größter IPO aller Zeiten

Stephan Heibel
Veröffentlicht von Stephan Heibel am 19.11.2010
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Heibel-Ticker Börsenbrief

GENERAL MOTORS GRÖßTER IPO ALLER ZEITEN Das Land der Superlative meldet sich mit dem größten IPO aller Zeiten zurück. Das Selbstbewusstsein der Amerikaner war schon ziemlich angekratzt, nachdem bis zum heutigen Tage die ganze Welt behauptet, ohne die lasche Zinspolitik der USA, sowie ohne die dort erfundenen innovativen Finanzprodukte, hätte es keine Finanz- und Wirtschaftskrise gegeben.


Und dann wollte man den Stolz der Nation, den damals noch weltgrößten Autobauer zwingen, seine Opel-Beteiligung abzugeben. Die Deutschen behaupteten damals, sie seien alleine innovativer und profitabler als der Mutterkonzern. Na, der Zahn wurde Opel nun gezogen: Heute gilt Opel als ein Problemkind im GM-Konzern und die Innovation des Elektroautos wird nun seitens GM in den USA vorangetrieben. 23 Mrd. USD wurden durch den IPO eingespielt. Davon sind 18 Mrd. USD für alte Aktionäre, insbesondere die US-Regierung sowie die Gewerkschaften trennen sich von Anteilen, und 5 Mrd. USD fließen direkt in die Unternehmenskasse. Viel erstaunlicher jedoch als diese gigantischen Summen ist die Meldung, dass dieser IPO um das zehnfache überzeichnet war. Okay, wenn sich abzeichnet, dass ein IPO überzeichnet ist, dann zeichnen viele Anleger doppelt und dreifach und bei verschiedenen Brokern, in der Hoffnung am Ende eben die Menge zu erhalten, die sie eigentlich wollten. Aber eine zehnfache Überzeichnung ist schon sehr erstaunlich. Am gestrigen Donnerstag war der erste Handelstag und die Aktie ging, nach positiver Eröffnung, in den Sinkflug über. Meine Interpretation: Der Hype um diesen IPO sorgte dafür, dass viele Anleger dabei sein wollten. Und bei der hohen Überzeichnung, die sich im Vorfeld herumgesprochen hatte, galt es als sicher, dass der Kurs auch weiter steigen würde. Denn viele institutionelle Anleger errechnen sich ihre optimale Positionsgröße und setzen einen Preis an, den sie dafür zu zahlen bereit sind. Der IPO von GM wurde zunächst zu 23-27 USD anvisiert. Aufgrund des großen Interesses wurde der Preis sodann mehrfach angehoben, und schließlich betrug der Emissionspreis 33 USD! Dennoch haben viele institutionelle Anleger nicht annähernd die Quote erhalten, die sie für eine ≥volle„ Positionsgröße benötigen. So besteht für sie nun die Notwendigkeit, über die Börse die fehlenden Aktien zuzukaufen. Doch dort müssen nicht mehr 33 USD gezahlt werden, kurz nach der Eröffnung stand die Aktie bei 35,92 USD. Es folgte meines Erachtens die Entscheidung bei einigen Anlegern, die zugeteilte Anzahl an Aktien zu verkaufen. Von den ursprünglich ausgerufenen 23 USD je Aktie ist der Kurs nunmehr bei 35,92 USD weit entfernt, der GM-Konzern ist dadurch bereits 50% mehr wert als ursprünglich von den IPO-Banken als sinnvolle Untergrenze errechnet wurde. Mag sein, dass GM ein völlig neues Unternehmen ist: Bis auf vier Kernmarken wurden alle Automarken des Hauses verkauft, geschlossen oder integriert. Früher hatte GM über ein Dutzend Automarken. Hummer, Pontiac und Saturn wurden ersatzlos gestrichen. Saab wurde an Spyker Cars aus Holland verkauft. Es bleiben die Marken Cadillac, Chevrolet, Buick und GMC. So ist GM heute viel übersichtlicher strukturiert und die einzelnen Marken kannibalisieren sich nicht untereinander. Die hohen Verpflichtungen gegenüber GM-Rentnern sowie aus den gesundheitlichen Verpflichtungen für die Mitarbeiter wurden im Rahmen der Restrukturierung unter dem US-Insolvenzschutz reduziert. Verloren haben die Altaktionäre sowie die Anleihenbesitzer. Sie gingen leer aus, selbst beim IPO erhielten sie keine besondere Zuteilungsquote. Der IPO wird nun gefeiert als großartiger Erfolg der Politik. Arbeitsplätze wurden gerettet (über die verlorenen spricht man nicht), einer ganzen Branche wurde neues Leben eingehaucht, denn auch Zulieferer wie Johnson Controls oder Lear hätten ohne die Wiederauferstehung von GM ihre Tore schließen müssen. Vor diesem Hintergrund kann man wirklich davon sprechen, dass hunderttausende Arbeitsplätze gerettet wurden. Heute blickt GM wieder auf steigende Absatzzahlen, kann sogar einen Gewinn ausweisen und hat angekündigt, mit Elektroautos den Markt aufzurollen. Schade, dass die USA ihre Elektroautos auf absehbare Zeit noch mit Strom aus Kohlekraftwerken aufladen werden, denn die Politik für die erneuerbaren Energien von Obama ist bislang nicht besonders erfolgreich gewesen. Nun, Sie hören zu Recht ein wenig Kritik in meiner Stimme. Jahrelang hat GM schlecht gewirtschaftet und solide wirtschaftenden Autohäusern Marktanteile abgejagt, indem die Autos unter ihren Herstellungskosten verkauft wurden. Eine Marktbereinigung  (sprich Pleite von GM) hätte den soliden Autokonzernen nun neue Absatzchancen eröffnet. Durch die Wiederauferstehung von GM bleibt dieser Lohn den Tüchtigen vorenthalten. Ich halte die Aktien von GM nicht für ein sonderlich gutes Investment. Zum einen ist der IPO-Preis sehr hoch angesetzt worden. Viel Spiel nach oben bleibt da nicht mehr. Zum anderen hat die US-Regierung erst die Hälfte ihrer Anteile verkauft und sucht in absehbarer Zeit die Möglichkeit, sich gewinnbringend von der anderen Hälfte zu trennen. Das wird den Kurs belasten. Aber während GM nun wie Phoenix aus der Asche als gesundes Unternehmen emporgestiegen ist, gibt es eine Reihe von Autokonzernen, die ohne Staatshilfen bereits gute Autos entwickeln, profitabel sind und richtungsweisende Innovationen hervorbringen. Mir fallen da beispielsweise Daimler und BMW ein ;-) Insbesondere bei BMW erkenne ich hinter der Beteiligungsstrategie von Susanne Klatten, der Großaktionärin, eine klare Vision: Spritsparen durch Gewichtsverminderung. Natürlich ist auch das Elektroauto für BMW ein großes Thema, doch dazu muss noch eine Infrastruktur geschaffen werden. Ein leichtes Auto wird auch in Zeiten von Elektroantrieb gefragt sein. Noch viel lukrativer als die Autokonzerne sehen in meinen Augen derzeit die Aktien einiger Automobilzulieferer aus. Ich habe in den vergangenen Monaten immer wieder einzelne Autozulieferer betrachtet. Derzeit scheinen die Kurse dort etwas heiß gelaufen zu sein. Doch grundsätzlich sehe ich den Aufschwung noch nicht als beendet an. Nachdem wir mit Bertrandt ganz gut gefahren sind, halte ich die Augen offen nach einem geeigneten Kandidaten und Einstiegszeitpunkt für eine zweite Welle in der Automobilbranche. Nun, soviel zum GM-IPO. Fazit für mich ist insbesondere, dass sich gezeigt hat wie viel Investorengelder für diesen IPO mobilisiert werden konnten. Da GM  in meinen Augen nun nicht mehr günstig bewertet ist, dürften einige dieser Gelder in andere Autoaktien sowie Zuliefereraktien überschwappen. WOCHENRÜCKBLICK AUF‚S PARKETT IRLAND, PORTUGAL, CHINA Ach, das ist doch ein alter Hut würde man meinen, wenn man sich die Reaktion der europäischen Börsen auf die Irland-Krise anschaut. In den USA sorgte dieses Thema diese Woche für mehrere Ausverkäufe, hierzulande jedoch lief der DAX ruhig seitwärts, legte zuletzt sogar deutlich zu. Wie kommt es, dass die Irland-Krise von den US-Anlegern viel kritischer gesehen wird? Und ist Ihnen aufgefallen, dass die Medien auch hierzulande ein Weltuntergangsszenario daraus ableiten? ≥Sorge um den Euro„ titelt das ORF, ≥Die Irland-Krise ist für Deutschland dramatisch„ ruft der Spiegel. ≥Europa zittert wieder vor dem Domino-Effekt„ heißt es in der Welt. Die Meldungen könnten dramatischer kaum sein. Seit gestern hat Irland die Inanspruchnahme von Hilfen nicht mehr ausgeschlossen, und schwupps legen DAX und Dow Jones ihre beste Tagesperformance seit langer Zeit hin. Heute jedoch wird wieder auf die Weltuntergangstrommel geschlagen: Portugal ist das nächste Land! Und schlimmer noch, die Chinesen haben die Mindestreserve für ihre Banken um ein halbes Prozent erhöht, zum zweiten Mal binnen zwei Wochen. Das schränkt die Kreditvergabemöglichkeiten in China ein, was wiederum die Wirtschaft bremsen wird. China bekämpft auf diese Weise die inländische Inflation. Doch die westliche Welt, die am Tropf des chinesischen Wachstums zu hängen glaubt, fürchtet sich vor einer folgenden Weltwirtschaftskrise. Die Boulevardpresse ist sich einig, die Börsenhausse läuft dem Ende entgegen. All diese schlechten Entwicklungen werden sich schon bald auf die Unternehmen auswirken, und dann geht es erst einmal talwärts. Doch das ist nur die Makro-Sicht. Der Mikro- Blickwinkel, der Blick ins Detail der Geschäftsentwicklung einzelner Unternehmen, spricht eine andere Sprache. Doch mehr dazu im nächsten Kapitel.
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