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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 07.11.2014

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 07.11.2014:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Gilead Sciences: Ein absolutes Basisinvestment im US-Biotechsektor

Im Zuge des Zusammenschlusses des sharewise Börsenbriefs mit dem Heibel-Ticker Börsenbrief werde ich Ihnen zukünftig an dieser Stelle alle zwei Wochen eine Aktie vorstellen, die nach dem Prinzip der „Weisheit der Vielen" von sharewise-Nutzern ausgesucht wird. Wir greifen dafür auf die Aktien zu, die von den erfolgreichsten sharewise-Kunden empfohlen werden. Dabei handelt es sich heute um die Aktie des amerikanischen Biotech-Unternehmens Gilead Sciences.

KLEINES UNTERNEHMENSPROFIL

Gilead Sciences Inc. (NASDAQ: GILD) ist ein US-amerikanischer Biotechnologie- und Pharmakonzern mit Hauptsitz in Foster City, Kalifornien. Das Unternehmen beschäftigt 6.100 Mitarbeiter und verfügt über Standorte in Nordamerika, Europa und Australien. Die Aktie des Unternehmens wird im S&P 500 sowie im NASDAQ-100 gelistet. Der Konzern ist in der Forschung und Vermarktung von Therapien gegen AIDS (HIV), Hepatitis B, Hepatitis C sowie Influenza ("Grippe") tätig und dabei sehr erfolgreich. Der Name und das Logo gehen auf den biblischen Ort Gilead zurück.


KLEINE UNTERNEHMENSGESCHICHTE

Im Juni 1987 gründete der damals 29jährige Arzt Michael Riordan ein Unternehmen namens Oligogen Inc. Nur ein Jahr später wurde die Oligogen Inc. dann in Gilead Sciences Inc. umbenannt. Namensgeber war dabei das laut der Bibel verheißene Land Gilead. Dieses liegt östlich des Jordans und galt als reich an Heilkräutern.

Im Januar 1997 wurde Donald Rumsfeld zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates gewählt, dem er bereits seit 1988 angehörte. Er trat jedoch von diesem Posten zurück, als er Verteidigungsminister unter Präsident George W. Bush wurde. Er blieb jedoch Aktionär des Unternehmens und profitierte so indirekt von einer verstärkten Nachfrage nach dem Grippemedikament Tamiflu wegen der Vogelgrippe H5N1 im Jahr 2005.

Seit 1999 investierte der Konzern über 17 Mrd. US-Dollar in insgesamt zwölf Übernahmen. Alleine 10,4 Mrd. US-Dollar kostete dabei die Akquisition der Pharmasset Inc. im Jahr 2011. Ebenfalls übernommen wurden im Jahr 1999 NeXstart Pharmaceuticals (550 Mio. USD), im Jahr 2003 Triangle Pharmaceuticals (464 Mio. USD), im Jahr 2006 Corus Pharma Inc. (365 Mio. USD), Myogen Inc. (2,5 Mrd. USD) und Raylo Chemicals Inc. (148 Mio. USD), im Jahr 2007 Nycomed (47 Mio. USD, von Altana), im Jahr 2009 CV Therapeutics Inc. (1,4 Mrd. USD), im Jahr 2010 CGI Pharmaceuticals (120 Mio. USD) und Arresto Biosciences Inc. (225 Mio. USD), im Jahr 2011 Calistoga Pharmaceutcals (375 Mio. USD + bis zu 225 Mio. USD bei Erreichung bestimmter Meilensteine) und eben Pharmasset Inc. (10,4 Mrd. USD) sowie zuletzt im Jahr 2013 YM Biosciences Inc. (510 Mio. USD).


AKTUELLES ARZNEIMITTELPORTFOLIO DER GILEAD SCIENCES

Zur Zeit hat die Gilead Sciences Inc. folgende 21 Medikamente zur Marktreife geführt:

− AmBisome (gegen schwere systemische oder tiefe Mykosen → Pilzinfektionen)
− Atripla (gegen HIV-1 und Hepatitis B)
− Caystan (gegen Bakterieninfektionen)
− Complera/Eviplera (gegen HIV-1)
− Emtriva (gegen HIV-1 und HIV-2)
− Flolan (zur Hämodialyse in Notfallsituationen)
− Harvoni (gegen Hepatitis C)
− Hepsera (gegen Hepatitis B)
− Letairis (gegen Bluthochdruck)
− Lexiscan (für Myokardperfusionsaufnahmen → Durchblutung des Herzmuskels)
− Macugen (gegen Makuladegeneration → Augenerkrankungen)
− Ranexa (gegen Angina pectoris)
− Sovaldi (gegen chronische Hepatits C bei Erwachsenen)
− Stribild (gegen HIV-1 und Hepatits B)
− Tamiflu (gegen Influenza)
− Truvada (gegen HIV-1 und Hepatits B)
− Tybost (als „Booster" bei Einnahme von Proteasehemmern gegen HIV)
− Viread (gegen HIV-1 und Hepatitis B)
− Vistide (bei AIDS und gegen Humane Papillomviren)
− Vitekta (gegen HIV/AIDS)
− Zydelig (gegen Krebs)

Die Vermarktung des Medikaments Mozenavir (gegen HIV) wird inzwischen nicht weiter verfolgt. Grund hierfür ist, dass sich keine wesentlichen Vorteile von Mozenavir gegenüber bereits auf dem Markt befindlichen Medikamenten (Gruppe der Proteasehemmer) ergaben.

Immer wieder Diskussionen löst auch das Medikament Sovaldi (Sofosbuvir) zur Behandlung von chronischer Hepatitis C bei Erwachsenen aus. Experten bezweifeln hier, dass der Preis von 700 Euro je Tablette gerechtfertigt sei. Hier würden wohl eher betriebswirtschaftliche Gründe eine Rolle spielen, da Gilead Sciences das für die Entwicklung dieses Medikaments verantwortliche Biotechnologie-Unternehmen Pharmasset Inc. im Jahr 2011 für 10,4 Mrd. US-Dollar akquirierte.


MEDIKAMENTENPIPELINE

Selbstverständlich ruht sich das Unternehmen aber nicht auf den bisherigen Erfolgen aus, sondern investiert beständig weiter in die Entwicklung neuer respektive die Verbesserung bereits zugelassener Medikamente.

So verfügen Tybost und Vitekta bereits über eine Zulassung der FDA für die Vereinigten Staaten, warten jedoch noch auf eine Zulassung in der EU. Insbesondere bei den HIV-Medikamenten forscht der Konzern intensiv daran, hier eine Einzeltablettentherapie zu ermöglichen. Dies würde bedeuten, dass Patienten zukünftig nur noch eine Tablette (am Tag) einnehmen müssten, was natürlich eine deutliche Verbesserung darstellen würde, denn heute müssen AIDS-Patienten mindestens dreimal am Tag Pillen schlucken.

Darüber hinaus befinden sich die folgenden 16 Medikamente in den verschiedenen Phasen der klinischen Entwicklung.

In der klinischen Phase I befinden sich zur Zeit:

− GS-9620 (gegen Hepatitis B und Hepatitis C)
− Tenofovir alafenamide fumarate (TAF, vormals: GS-7340) (gegen Hepatitis B)
− GS-4774 (gegen Hepatitis B)
− GS-5745 (gegen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen)
− GS-6615 (gegen Herzkrankheiten, u.a. beispielsweise Herzrhythmusstörungen)

In der klinischen Phase II befinden sich zur Zeit:

− GS-5816 (gegen Hepatitis C)
− GS-9451 (gegen Hepatitis C)
− GS-9669 (gegen Hepatitis C)
− Simtuzumab (vormals: GS-6624) (gegen Fibrosen → krankhafte Vermehrung des Bindegewebes und Bauchspeicheldrüsenkrebs)
− GS-9973 (gegen B-Zell-Lymphome, also spezielle Krebsarten)
− GS-9820 (vormals: CAL-120) (gegen maligne Lymphome, also Lymphdrüsenkrebs)
− Momelotinib (gegen Myelofibrose, eine seltene Erkrankung des Rückenmarks)
− GS-5806 (gegen das Respiratory-Syncytial-Virus)

In der klinischen Phase III und damit vergleichsweise kurz vor der Zulassung befinden sich zur Zeit:

− Ledipasvir (vormals: GS-5885) (gegen Hepatitis C)
− Idelalisib (gegen chronische lymphatische Leukämie, Non-Hodgkin-Lymphom)
− Ranolazine (gegen Diabetes sowie die koronare Herzkrankheit, eine Erkrankung der Herzkranzgefäße)

Haupttreiber des Geschäfts war zuletzt das Medikament Sovaldi (gegen chronische Hepatitis C bei Erwachsenen), das alleine für einen Jahresumsatz in Höhe von 2,8 Mrd. US-Dollar stand. Hier droht nun Konkurrenz, doch zum Glück für Gilead Sciences kommt diese aus dem eigenen Haus. Denn der potenzielle Nachfolger von Sovaldi soll das kürzlich zugelassene Medikament Harvoni werden.


UMSATZ- UND ERGEBNISENTWICKLUNG ZULETZT

Werfen wir damit einen Blick auf die Umsatz- und Gewinnentwicklung des Unternehmens in den letzten Jahren. Im Geschäftsjahr 2012 erzielte der Konzern einen Jahresumsatz in Höhe von 9,7 Mrd. US-Dollar (+15,7%) sowie einen Gewinn in Höhe von knapp 2,6 Mrd. US-Dollar (-7,6%) bzw. 1,64 US-Dollar je Aktie. Im Geschäftsjahr 2013 erzielte die Gesellschaft dann einen Jahresumsatz von 11,2 Mrd. US-Dollar (+15,5%) sowie einen Gewinn von 3,07 Mrd. US-Dollar (+18,6%) bzw. 1,81 US-Dollar je Aktie.

Alleine in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2014 beläuft sich der Umsatz jedoch bereits auf knapp 17,58 Mrd. US-Dollar sowie der Gewinn auf knapp 8,6 Mrd. US-Dollar bzw. über 5,20 US-Dollar je Aktie. Auf Basis der durchschnittlichen Analystenschätzungen ergibt sich somit für das gesamte Geschäftsjahr 2014 somit voraussichtlich ein Jahresumsatz von über 24 Mrd. US-Dollar (+114%) sowie ein Gewinn von knapp 12 Mrd. US-Dollar (+290%) respektive 7,93 US-Dollar je Aktie.

Demnach liegt die Bewertung der Aktie auf Basis der voraussichtlichen 2014er Umsatz- und Gewinnschätzungen zur Zeit bei einem KUV von 6,7 sowie einem KGV von 13,5.


ZUKÜNFTIGE WACHSTUMSTREIBER

Wichtigste Treiber der Geschäfte waren dabei in der Vergangenheit die beiden Medikamente Atripla und Truvada (jeweils gegen HIV-1 und Hepatits B), die jeweils für einen Jahresumsatz in Höhe von über 3 Mrd. US-Dollar verantwortlich zeichneten. Allerdings ist insbesondere Truvada in einem zunehmend reifen Stadium, so dass die Umsätze hier zuletzt schon leicht rückläufig waren. Doch dies ist kein Grund in Panik zu geraten, denn das Unternehmen hat bereits für Nachschub gesorgt.

So sind die Umsätze mit Truvada u.a. auch deshalb zuletzt leicht rückläufig, weil es mit Complera und Viread inzwischen einfach bessere Medikamente gibt. Doch diese besseren Medikamente stammen halt ebenfalls aus dem Hause Gilead, so dass es dem Konzern gelingt seine eigenen Medikamente zu substituieren.

In Zukunft dürften, neben Complera und Viread, insbesondere das sehr erfolgreich im Markt eingeführte Sovaldi und dessen Nachfolger Harvoni sowie darüber hinaus Stribild das Wachstum anfeuern.

Ebenfalls nicht zu vergessen sind natürlich die zur Zeit in Phase III der klinischen Studien befindlichen drei potenziellen Medikamentenkandidaten Ledipasvir, Idelalisib und Ranolazine.


AKTUELLE BEWERTUNG: FÜR EIN WACHSTUMSWUNDER NOCH IMMER VIEL ZU GÜNSTIG!

Zwar wird sich das explosive Wachstum aus dem Jahr 2014 so nicht dauerhaft fortsetzen lassen, durchschnittliche Umsatzwachstumsraten zwischen 10-20% p.a. sowie Gewinnwachstumsraten zwischen 20-30% p.a. sollten jedoch, angesichts der prall gefüllten Medikamentenpipeline, immer noch möglich sein.

Demnach erwarten wir einen Jahresumsatz in Höhe von 28 Mrd. US-Dollar (+16,7%) sowie einen Gewinn je Aktie von bis zu 10,00 US-Dollar (+26%) im Jahr 2015 sowie einen Jahresumsatz von 32,5 Mrd. US-Dollar (+16%) sowie einen Gewinn je Aktie von über 12,50 US-Dollar (+25%) für 2016. Dies mag auf den ersten Blick zwar sehr ambitioniert erscheinen, allerdings liegen die durchschnittlichen Analystenschätzungen laut Marketwatch.com schon heute bei einem Gewinn je Aktie von 9,92 US-Dollar (niedrigste: 7,65 US-Dollar, höchste: 12,14 US-Dollar) für 2015.


FUNDAMENTAL FAIRER WERT, UNSER KURSZIEL

Bekanntermaßen sind Investoren, die auf Wachstumswerte setzen, dazu bereit ein KGV von maximal dem Doppelten des Gewinnwachstums zu bezahlen. Was dies im Falle von Gilead Sciences bedeuten würde? Ein durchschnittliches Gewinnwachstum von gut +25% p.a. würde ein KGV von bis zu 50 ermöglichen. Dies wiederum würde bei einem Gewinn je Aktie von über 12,50 US-Dollar Kursziele von bis zu 625,00 US-Dollar (50x 12,50 US-Dollar) implizieren.

Doch bleiben wir einfach mal vorsichtig und legen das aktuelle KGV von knapp 14 zur Berechnung des fundamental fairen Wertes zugrunde. Demnach läge der fundamental faire Wert der Aktie dann bei 14x 12,50 US-Dollar und somit 175,00 US-Dollar. Da ich hierbei die Gewinnschätzungen für das Jahr 2016 zugrunde gelegt habe und die Börse bis zu 12 Monate in die Zukunft schaut, sollte die Aktie diesen fundamental fairen Wert bis spätestens Ende 2015 erreichen. Dieses Kursziel gilt daher auf Sicht der nächsten 12 bis 18 Monate.


CHANCE / RISIKO - ABWÄGUNG

Bei einem Aktienkurs von 175,00 US-Dollar läge der Börsenwert des Konzerns zwischen 250 Mrd. und 300 Mrd. US-Dollar. Dies erscheint ebenfalls auf den ersten Blick ambitioniert, allerdings ist das Unternehmen schon heute der nach Börsenwert größte Biotechnologiekonzern der Welt. Unseres Erachtens spricht wenig dagegen, dass dies auch so bleibt.

Nichtsdestotrotz gibt es natürlich gewisse Risiken. So basieren unsere Annahmen respektive die Analystenschätzungen darauf, dass der Konzern in seiner Forschung und Entwicklung zukünftig mindestens so erfolgreich ist, wie man es bisher war. Gravierende Rückschläge in der Entwicklung einzelner Medikamente dürften zwar nicht gleich zu einer Existenzbedrohung werden, sie dürften aber den Aktienkurs zumindest zeitweise belasten.

Zudem ist natürlich das Bessere des guten Feind. Es gibt eine ganze Reihe von Biotech-Unternehmen, die mit erfolgsversprechenden Ansätzen nach Behandlungsmethoden gegen Hepatitis B, C und gegen AIDS forschen. Hier im Heibel-Ticker haben wir uns daher gegen ein Einzelengagement entschieden und konzentrieren uns stattdessen auf einen Investmentansatz, mit dem wir am Biotech-Boom partizipieren aber dennoch die Risiken von Forschungsfehlschlägen und Wettbewerbsproblemen reduzieren.

Insofern gilt für die Aktie der Gilead Sciences, was bei Investments im Biotechnologiesektor immer gilt, nämlich das sich die Aktie nur für spekulativ orientierte Investoren eignet. Großen (Kurs)Chancen stehen eben immer auch höhere (Kurs)Risiken gegenüber. Wer sich jedoch der Risiken bewusst ist, sollte sich die Aktie des absoluten Vorzeigekonzerns unter den US-Biotechs auf jeden Fall mal etwas näher ansehen. Aus meiner Sicht jedenfalls ist das Unternehmen ein regelrechtes Wachstumswunder und die Aktie somit ein absolutes Basisinvestment im US-Biotechsektor.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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