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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 27.11.2014

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 27.11.2014:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Generika sind gefragt wie nie zuvor

Die Aktien der entsprechenden Branchenvertreter haben in den letzten Monaten relative Stärke zum Gesamtmarkt gezeigt. Zuletzt wurde die Branche zusätzlich von dem 66 Mrd. $ schweren Kaufangebot von Actavis für den Botox-Hersteller Allergan befeuert.

Generikahersteller profitieren derzeit von mehreren Aspekten. Zum einen bauen viele Schwellenländer ihr Gesundheitssystem aus und setzen dabei vor allem auf preisgünstige Nachahmermedikamente, um eine möglichst breite Bevölkerungsschicht zu erreichen. Zum anderen macht sich der Spardruck aber auch in den Industrienationen bei den Preisen für ältere Originalmedikamente bemerkbar. Last, but not least profitiert die Branche von Bestrebungen der japanischen Regierung, den Anteil von Generika an den verschreibungspflichtigen Medikamenten von derzeit knapp 30 % bis 2018 auf über 60 % zu steigern.

In vielen Industrieländern wird das Klima für Generikahersteller rauer. In umsatzstarken Ländern wie Deutschland oder den USA bestehen bereits ca. 80 % der ärztlich verschriebenen Medikamente aus Nachahmerpräparaten. Vor diesem Hintergrund ist eine Ausweitung des Marktanteils schwierig bis unmöglich. Darüber hinaus verlangen einige Länder von der Generikabranche auch Rabatte. Vor diesem Hintergrund ist es vorteilhaft, wenn ein Unternehmen in geografischer Hinsicht möglichst diversifiziert ist.

Erschwerend kommt hinzu, dass das operative Geschäft immer aufwändiger wird. Viele moderne Präparate basieren mittlerweile auf Biotechnologie und sind kein simples pharmazeutisches Produkt mehr, das mittels eines rein chemischen Prozesses hergestellt werden kann. Somit erfordert auch die Herstellung von Nachahmerprodukten ein immer höheres Know-how und teurere Produktionsanlagen.

Um sich weiterhin im Markt behaupten zu können, versuchen viele Generikahersteller Größenvorteile zu erlangen. Andere Anbieter versuchen ihre Tätigkeit in Bereiche mit höheren Margen zu diversifizieren. Beides kann auch mittels Akquisitionen erreicht werden. Erst zuletzt ist die Branche zunehmend in Wallung geraten. Das Gebot von ACTAVIS an ALLERGAN ist nicht der erste Übernahmeversuch des Unternehmens. Erst vergangenes Jahr hatte man sich Forest Laboratories und Warner Chilcott einverleibt. Beide zugekauften Unternehmen bieten vor allem Originalpräparate an. ACTAVIS konnte durch die beiden Akquisitionen die EBITDA-Marge um 9 Prozentpunkte auf 33 % erhöhen. In strategischer Hinsicht waren diese Zukäufe also ein absoluter Volltreffer.

Es gab in jüngster Zeit aber auch weitere Übernahmen im Generikabereich. So hat bespielsweise das US-Unternehmen PERRIGO im vergangenen Jahr den Biotechkonzern Elan übernommen. 2014 hat zudem der indische Generikahersteller SUN die Übernahme des ebenfalls indischen Branchenkollegen RANBAXY angekündigt.

Die israelische TEVA hat ebenfalls schon fleißig zugekauft. Erst 2010 hatte der Marktführer die deutsche Ratiopharm übernommen. Ein Jahr später hat man dann bei CEPHALON zugegriffen. Allerdings hat man arg daran zu beißen gehabt, beide Akquisitionen zu stemmen. Resultat ist ein Kostensenkungsprogramm, das noch bis 2017 läuft.

Wegen der deutlich gestiegenen Aktienkurse hat auch die Bewertung der Branche signifikant zugelegt. Auf Basis der Gewinnschätzungen für 2015 ist der Generikasektor mit einem KGV von 24 höher bewertet als der Durchschnitt der großen Pharmakonzerne, die ein KGV von 17 aufweisen. Allerdings wächst der Generikasektor stärker als die Pharmabranche, was eine Bewertungsprämie rechtfertigt. Am höchsten sind die indische SUN und CIPLA, aber auch die südafrikanische ASPEN bewertet. Hier liegen die KGVs über oder bestenfalls auf dem Branchendurchschnitt. Alle drei Werte haben zudem gemein, dass sie nur an ihren jeweiligen Heimatbörsen gehandelt werden und für ausländische Anleger somit nur schwer zu kaufen sind. Aber auch der US-Wert HOSPIRA ist eher teuer und drängt sich deswegen nicht unbedingt zum Kauf auf.

TEVA (WKN: 883 035; 56,63 $) hingegen ist verhältnismäßig günstig bewertet, ist aber auch riskanter. Das israelische Unternehmen verliert in den kommenden Jahren den Patentschutz für den Multisklerose-Wirkstoff „Copaxone“. Immerhin steuert das Präparat 50 % des Konzerngewinns bei. Teva will nun die Zusammensetzung etwas abändern, um so einen neuen Patentschutz zu erwirken und die Konkurrenz abzuwehren. Fraglich ist aber, ob dieses Vorhaben tatsächlich gelingt.

Die deutsche STADA (WKN: 725 180; 29,41 €) hingegen leidet dagegen unter der Unsicherheit auf den osteuropäischen Märkten. Rund ein Fünftel seines Umsatzes macht man dort. Zudem bekommt Stada den stärker werdenden Preisdruck auf dem gesättigten deutschen Heimatmarkt zu spüren. Das alles ist in dem weit unterdurchschnittlichen KGV von 9 bereits mehr als genügend eingepreist.

MYLAN (WKN: 868 270; 55,53 $) und ACTAVIS (WKN: A1W 5NE; 270 $) sind eine gute Alternative. Beide Konzerne sind groß genug und weltweit gut positioniert. Zudem ist die Bewertung im Branchenvergleich eher unterdurchschnittlich.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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