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Veröffentlicht von Redaktion "Frankfurter Börsenbrief" am 08.10.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 08.10.2009:

Börsenbrief Frankfurter Börsenbrief
Frankfurter Börsenbrief

CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Folgt dem „V“ an den Märkten auch ein nachhaltiges „V“ in der Konjunktur?

Bei dieser Frage geht es nicht nur um das Restpotential der Märkte, sondern auch um die generelle Trendstruktur - Trendbörse oder Tradingbörse - als Trend bis weit in das Börsenjahr 2010 hinein. Beide Marktarten haben für sich selbst hochinteressante Möglichkeiten und Chancen, sind in der Strategie allerdings völlig unterschiedlich zu fahren.

Während bei Trendmärkten Sturheit gefragt ist und Rücksetzer regelmäßig Kaufgelegenheiten sind, ist bei Trading-Märkten Beweglichkeit gefragt. Halten wir zunächst fest: So schmerzhaft die Finanzkrise auch war, sie lieferte wertvolle Impulse für ohnehin fällige Anpassungen. Allerdings haben Finanzkrisen eine andere Struktur und auch eine längere und tiefer gehende Wirkungsdauer als die üblichen Konjunkturhochs und -Tiefs unter dem Einfluß der Steuerung durch die Notenbank. Wie gestalten sich also wichtige Eckpunkte der künftigen Struktur in der Weltwirtschaft?

Der Konsument scheidet in der Ökonomie von morgen als Tempomacher aus. Im Tiefpunkt der Krise betrug der Vermögensschaden etwa 75 % der globalen Wirtschaftsleistung eines Jahres. Eine solche Zäsur wird zweifellos Langzeitfolgen haben. Indikativ: Das Nettovermögen der US-Haushalte erreichte jüngst 487 % nach im Hoch etwa 639 %. Im langjährigen Schnitt liegt das Verhältnis bei etwa 500 %. Um dies wieder zu erreichen (und angesichts der erhöhten Arbeitslosigkeit wäre sogar ein Überschreiten denkbar), dann müßten die Verbraucher etwa 1,4 Billionen Dollar an Schulden zurückzahlen. Bei der aktuellen Sparquote hieße das eine Laufzeit dieser „Bilanzbereinigung“ bis mind. 2012. Dabei gilt die Daumenregel: Jeder Prozentpunkt bei der US-Sparquote bedeutet ein Minus bei den Ausgaben von 109 Mrd. Dollar p.a. Fazit: Der US-Konsum bricht nicht weg, wird dem Aufschwung aber auch keine Dynamik verleihen können, zumindest im globalen Rahmen.

Die Unternehmen haben angesichts niedriger Kapazitätsauslastungen nur wenig Investitionsdruck. Im verarbeitenden Gewerbe in der Eurozone liegt die Kapazitätsauslastung bei 69,5 %, was sich mit einem langfristigen Schnitt von 81,5 % vergleicht. Bezogen auf die USA ergab sich im verarbeitenden Gewerbe eine Auslastung von 66,6 %, was sich in diesem Fall mit einem langfristigen Schnitt von 79,6 % vergleicht. Produktionskapazitäten, die stillstehen, verursachen Fixkosten, die zunächst einmal verdient sein wollen. Im Bestreben, zumindest die Fixkostenrechnung zu entlasten, werden die Unternehmen zunächst keinen Preiserhöhungsspielraum haben. Inflation ist also zumindest kurzfristig kein Risiko. Doch braucht man in einem solchen Umfeld auch keine massiven Kapazitätserweiterungen erwarten. Exemplarisch dafür ist die Automobilindustrie. In den letzten etwa 12 Monaten wurde nicht ein einziges größeres Auto-Werk geschlossen. Voraussichtlicher Kapazitätsüberhang im kommenden Jahr allein in Europa etwa 7 Mio. Einheiten. Für die USA erscheint ein Rückgang der Überkapazität von derzeit etwa 6 Mio. auf 3,5 Mio. im kommenden Jahr möglich. Bei aller Krise hat eine wirkliche Bereinigung und Kapazitätsanpassung in einer Reihe von Fällen nicht stattgefunden.

Das staatliche Konjunktur-Doping ist derzeit die wohl wichtigste Stütze. Exemplarisch ist die Situation in China als dem derzeit wichtigsten Hoffnungsträger für die globale Konjunkturerholung. Das Konjunkturprogramm hatte ein Volumen von etwa 4.000 Mrd. Yuan (grob 400 Mrd. €). Kein Wunder, daß die Wirtschaft in diesem und auch im kommenden Jahr stramm wachsen wird. Dazu kam eine massive Ausweitung in der Kreditvergabe auf staatliches Geheiß. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres ergab sich in etwa eine Verdreifachung in der Kreditvergabe auf ca. 7.370 Mrd. Yuan. Damit ergibt sich ein völlig verzerrtes Bild über die aktuelle Wachstumsstärke der Chinesen, denn mit dieser politischen Linie besteht das Risiko, daß Überkapazitäten entstehen und das Risiko fauler Kredite deutlich nach oben zieht.

Fazit: Die Märkte haben ihr Erholungspotential noch nicht ausgereizt. In der ersten Bewegung geht es um ein Trendpotential, das bezogen auf den DAX noch eine 6 als erste Ziffer bringen wird. Anschließend ist allerdings ein Bandbreiten-Markt zu erwarten, wo man das Segel öfter wird am Wind ausrichten müssen.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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