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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 18.12.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 18.12.2009:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Flut neuer Finanzaktien drückt Kurse

Flut neuer Finanzaktien drückt auf die Kurse Nachdem die Banken vor einem Jahr durch staatliche Hilfen gerettet wurden, ist nun die Zeit gekommen, wo diese Hilfen zurückgezahlt werden. Die Rückzahlung ist an Auflagen geknüpft: Die für die Rückzahlung verwendeten Gelder müssen zu einem maßgeblichen Anteil frisches Eigenkapital der Banken sein. Es dürfen also keine Kredite anderswo dafür aufgenommen werden. Es dürfen auch nicht einfach erwirtschaftete Gewinne dafür verwendet werden. Vielmehr müssen Anleger davon überzeugt werden, dass die Bank ein Investment wert ist. Anfang des Monats hat die Bank of America auf diese Weise Aktien im Wert von knapp 20 Mrd. USD platziert. Anleger, die ihre Schäfchen in Aktien wie Apple, J.P. Morgan oder Exxon Mobil gesteckt hatten, wurden mit einem Angebot gelockt, ein wenig Geld in die Bank of America umzuschichten.

Apple-Aktionäre sitzen beispielsweise auf einem Jahresgewinn von schlappen 100%. Während der Dow Jones beispielsweise im Vergleich zum Jahresbeginn heute nur um 20% höher steht, steht die Aktie von Apple um satte 100% höher. Insbesondere Fondsmanager, die in ihrem Portfolio eine ausgewogene Diversifizierung realisieren müssen, werden zum Jahresende ein Problem haben: Die Apple-Aktie ist zu schwer gewichtet. So müssen diese Fondsmanager durchschnittlich 40% ihrer Apple- Position verkaufen, um zum Jahreswechsel eine ausgewogene Diversifikation wie vor einem Jahr realisieren zu können. Bei Multi-Milliarden-Dollarfonds ist das schon eine hübsche Stange Geld, die da zum Jahresende gedreht werden muss. Schlimm genug, dass der Verkauf der Anteile den Aktienkurs von Apple unter Druck setzt: Der Kurs ist in den vergangenen vier Wochen um 8% zurückgekommen. Doch nun muss das Geld auch noch in eine neue Aktie gesteckt werden, die bei so großen Käufen schlimmstenfalls auch noch zu steigen beginnt. Da kommt die Aktienplatzierung von der Bank of America wie gerufen: Zu einem festen Preis können fast unendlich viele Aktien gekauft werden. Insgesamt hat die Bank of America Aktien im Wert von 20 Mrd. USD ausgegeben. Und niemand zweifelt mehr daran, dass die inzwischen größte US-Bank im nächsten Jahr wieder gute Geschäfte wird machen können. Die Aktienplatzierung von der Bank of America war binnen kürzester Zeit ausverkauft. Diese Woche nun kam auch Wells Fargo überraschend mit einem entsprechenden Angebot an den Markt. Aktien im Wert von 10 Mrd. USD wurden zu einem festen Preis platziert. Fonds, die auch im Bereich der Finanztitel noch ein wenig diversifizieren wollten, konnten sich bei Wells Fargo noch eindecken. Auch diejenigen, die bei der Bank of America nicht schnell genug waren, bekamen hier noch eine zweite Chance. Und, nachdem die Aktienplatzierungen von Goldman Sachs und J.P. Morgan so bejubelt wurden und auch die Bank of America eine Erfolgsstory zu werden scheint, gab es noch eine ganze Reihe von Anlegern, die in der Aktienplatzierung von Wells Fargo eine bessere Chance sahen, als in ihren aktuellen Positionen. Kein Wunder, denn in den Medien wird kaum etwas über die Rekordumsätze im Einzelhandel berichtet. Es ist kaum etwas über die Investitionswelle im Technologie-, insbesondere Chipsektor zu lesen und die Kursanstiege der Rohstoffkonzerne werden gerne als vorübergehend und auf tönernen Füßen stehend bezeichnet. Da erscheint dann so eine Aktienplatzierung einer Bank richtig chancenreich. Es wurden also von Wells Fargo sogar eine ganze Reihe von Anlegern angesprochen, die ohne Not andere Aktien verkauften und neue Wells Fargo Aktien dafür zeichneten. Und nun, nur drei Tage später, kam die Citigroup mit einer weiteren Aktienplatzierung. Und während schon die Aktienplatzierung von der Bank of America die zweitgrößte der vergangenen 10 Jahre war, so setzte die Citigroup noch ein paar hundert Millionen oben drauf: 20,2 Mrd. USD betrug der Wert der Aktien, die von der Citigroup vorgestern Nachmittag plötzlich angeboten wurden. „Wer kann das bezahlen? Wer hat das bestellt? Wer hat soviel Pinke Pinke, wer hat soviel Geld?“, würden die Kölner nun jammern. Schon im September hatte Vikram Pandit, CEO der Citigroup, die US-Regierung gebeten, die Rückzahlung der TARP- Hilfen zuzulassen. Doch Finanzminister Geithner blockte ab, er sah die Zeit für noch nicht gekommen. Die Aktie der Citigroup stand damals bei 5 USD. Seither ist der Kurs sukzessive abgerutscht, zuletzt stand die Citigroup knapp unter 4 USD. Und nachdem die Bank of America sowie Wells Fargo grünes Licht aus Washington bekommen hatten, fehlten die Argumente, um die Citigroup länger am Haken zu halten: Auch die Citigroup erhielt grünes Licht. Doch leider als letzte Bank und leider in so kurzer Abfolge, dass es kaum mehr ausreichend Käufer gab, um diese Mega-Platzierung aufzusaugen. Das Resultat: Statt 5 USD vor drei Monaten erhielt die Citigroup nunmehr nur noch 3,15 USD je Aktie. Zu einem höheren Preis wäre sie ihre Aktien nicht losgeworden und das wäre noch schlimmer gewesen. Nun hält die US-Regierung noch weitere 33% der Citigroup-Aktien (Nach der Aktienplatzierung ist es natürlich prozentual etwas weniger geworden – Verwässerungseffekt). Geithner wollte ursprünglich im Rahmen der Aktienplatzierung ebenfalls Aktien für rund 5 Mrd. USD verkaufen und somit den Rückzug der Regierung aus dieser Beteiligung einläuten. Ein wichtiges Signal für den Markt! Doch dieses Signal blieb aus: Geithner sagt, dass er zu diesem niedrigen Kurs keine Anteile abgibt. Damit befindet sich die Citigroup nun in den schlechtesten aller Welten: Zu extrem negativen Konditionen wurden Gelder eingesammelt, um sich aus der Leibeigenschaft der US-Regierung freizukaufen. Doch nach der Transaktion verkündet der Gutsherr, dass zwar die Schulden abbezahlt werden dürfen, das Leibverhältnis werde jedoch zu einem späteren Zeitpunkt beendet. Ich erwarte für die nächsten Wochen eine moralische Diskussion: Darf der Staat am Markt spekulieren? Oder ist er als Retter in der Not eingesprungen und muss sich mit den Zinszahlungen zufrieden geben, die auf die TARP-Hilfen berechnet werden? Schon vor drei Monaten hatte Geithner in meinen Augen den Fehler begangen, die Citigroup nicht freizulassen. Es gab damals kein Argument mehr für eine Fortführung des Leibverhältnissen, bis auf die Möglichkeit, auf einen höheren Kurs in der Zukunft zu spekulieren. Diese Spekulation ist damals schief gegangen, denn der Kurs fiel seither. Und nun gibt es auch keinen Grund mehr für die US-Regierung, die Aktien zu behalten. Die Citigroup ist wieder in der Lage, auf eigenen Füßen zu stehen und braucht den Staat nicht mehr. Doch der Staat behält die Anteile, um zu einem späteren Zeitpunkt einen Gewinn damit für seine Steuerzahler erzielen zu können. Der regulativen Aufgabe des Staates wird die Spekulation nicht gerecht. Wenngleich kein einziger Steuerzahler gerne sieht, wie sein Geld vom Winde verweht wird, und wenngleich der Jubel groß sein wird, wenn durch den nunmehr für das nächste Jahr angekündigten Verkauf der Anteile dann tatsächlich Gewinne für den Steuerzahler anfallen, so ist in meinen dennoch die Spekulation am Markt ein Bereich, den der Staat nicht besetzen darf. Vor diesem Hintergrund wird es Sie nicht überraschen, wenn Sie in der folgenden Übersicht sehen, dass der Dow Jones im Wochenvergleich 0,9% abgegeben hat während der DAX um 2,4% zulegen konnte. In den USA sind die verfügbaren Anlegergelder von Wells Fargo und der Citigroup aufgesogen worden, da war für eine kurstreibende Nachfrage bei anderen Aktien nichts mehr übrig.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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