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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 04.03.2016

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 04.03.2016:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Fitbit - Grounded bei 11 Euro, Nachkaufen

Ich habe mich in den vergangenen Tagen nochmals intensiv mit FitBit beschäftigt. Es scheint mir, als hätte sich ein Rudel von Bären in diesem Titel mal so richtig ausgetobt. Nachdem die Turbulenzen der vergangenen zwei Monaten nun zum erliegen kommen könnte ich mir gut vorstellen, dass die Bären bald gut gesättigt in einen tiefen Winterschlaf fallen.

Sensationell günstig

Allein die aktuelle Bewertung ist lächerlich günstig: 2,5 Mrd. USD Marktkapitalisierung für 1,8 Mrd. USD Umsatz. rechnet man die Barreserven von 660 Mio. heraus so ergibt sich ein Kurs/Umsatz-Verhältnis von 1, was für einen Wachstumstitel sensationell günstig ist. 

Das KGV auf Basis der Schätzungen für 2017 steht bei 9. Für ein Unternehmen mit einem erwarteten Gewinnwachstum von 20% p.a. für die kommenden fünf Jahre ist das viel zu niedrig. Ich würde zu Hausse-Zeiten das Vierfache davon zahlen. 

Doch was steckt hinter der Kritik an den Produkten von FitBit? Bären behaupten, Konkurrenzprodukte wie die Apple Watch oder der Fitness-Tracker von Under Armour würden FitBit Marktanteile abjagen. Zudem sei der Bereich der Fitness-Tracker kein Wachstumsbereich, zumindest nicht für FitBit, da Nutzer die Geräte nach wenigen Wochen in der Ecke liegen lassen. 

Fitbit vs. Apple

Klar, der Wettbewerb verschärft sich. Wir dürfen vermutlich noch im laufenden Monat März Neuigkeiten aus dem Hause Apple erwarten. Es wäre dumm von Apple, wenn die Apple Watch nicht auch den Bereich der Fitness angeht. Doch der Preis für eine Apple Watch ist noch immer ein Vielfaches des Preises der Fitbit Geräte. Ich denke, dass sich hier langfristig zwei Produktkategorien im Markt etablieren werden. 

Und der neue Wettbewerb von Under Armour: Klar, wer Erfolg hat, hat auch Neider. Doch bislang ist Under Armour weit davon entfernt, auch nur eine annähernd gute Funktionalität anzubieten. Ohne Brustgurt läuft dort bislang noch nichts, und das ist für mich ein K.O.-Kriterium. 

Fitbit als Teil von Bonusprogrammen 

Auf der anderen Seite gibt es Chancen, die bislang kaum von der Finanzwelt gewürdigt werden. So bieten beispielsweise in den USA Krankenversicherungen hohe Subventionen an, wenn das Unternehmen seinen Mitarbeitern FitBit-Geräte bezuschussen. Zudem erhalten Mitarbeiter, die anschließend regelmäßig ihre Daten auf die FitBit-Plattform hochladen, günstigere Tarife - oder in den USA erhalten eben Unternehmen für Ihre Mitarbeiter günstigere Tarife. Wie beim Autofahren der Bonus für unfallfreies Fahren die Versicherungsprämie deutlich senkt, so wird - ob sie das aus datenschutzrechtlichen Gründen für bedenklich halten oder nicht - später eine gesunde Lebensweise zu deutlichen Tarifsenkungen herangezogen. 

Es ist ein Paradigmenwechsel, der sich da vollzieht: Krankenkassen kümmern sich nicht mehr um die Behandlungen von Krankheiten, sondern versuchen bereits im Vorfeld deren Entstehungswahrscheinlichkeit zu vermindern. Das wird sich durch verschiedene Bereiche in unserem Alltag ziehen, FitBit ist vorreiter mit einer bereits sehr großen Datenbank an Nutzerinformationen - ich habe gelesen, dass kein anderes Unternehmen der Welt über so viele biometrische Patente und Daten verfügt wie Fitbit. 
 

Lifetracking am Handgelenk

Zudem hat FitBit 600 Mio in Cash, Tendenz steigend. Damit kann das Unternehmen sein angebotenes Spektrum ausweiten. Unternehmen, die biometrische Daten für Leistungssportler sammeln und verarbeiten, sind absolute Nischenplayer und kosten nicht viel. Whoop ist ein solches Beispiel (whoop.com): Die Daten werden dazu genutzt, die optimale Trainingsintensität zu bestimmen. Viele Sportler, das weiß jeder Marathonläufer, trainieren gerne zu hart, um schneller voranzukommen. Dabei ist häufig das Gegenteil der Fall. Um die Grundfitness des Körpers zu fördern braucht man auch lange Trainingseinheiten mit einem niedrigen Puls. 

Whoop berücksichtigt auch den Schlaf. Wenn Sie also viel trainiert haben brauchen Sie mehr Schlaf und umgekehrt, wenn Sie nicht genug geschlafen haben, können Sie nicht so intensiv trainieren. Die Vorschläge, die von den Geräten ausgegeben werden, sind sicherlich noch verbesserungswürdig. Wir befinden uns erst am Anfang solcher Einflussnahmen auf den Alltag. Doch ich gehe davon aus, dass dieses Gebiet besser wird und dann auch mehr Verbreitung findet. 

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Apple oder Under Armour FitBit in diesem Bereich obsolet machen, dazu ist der Vorsprung FitBits bereits zu groß. 

Nun dümpelt die Aktie seit einigen Tagen bei nur noch 11 Euro herum. Aktuell steht sie bei 11,37 Euro (Tradegate 12:11 Uhr). Ich würde unsere Position aufstocken und abwarten, bis die Bären in ihren Winterschlaf gefallen sind. Dann dürfte die Aktie deutlich aufholen. 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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